GICHTARTHRITIS

Treat-to-target-Therapie senkt kardiovaskuläres Risiko

Formal ist bislang nicht bewiesen, dass das Erreichen eines Zielwerts für die Serumharnsäure von ≤6 mg/dl durch eine harnsäuresenkende Therapie (ULT) das kardiovaskuläre (CV) Risiko bei Gicht-Patienten senkt. Ziel einer Studie europäischer (primär britischer) Rheumatologen um Abhishek Abhishek, Nottingham, war es, die Assoziation zwischen dem Erreichen eines Serumharnsäure-Zielwerts ≤6 mg/dl und CV-Ereignissen bei Gicht-Patienten mit neu verordneter ULT zu untersuchen.

Die „New-User“-Kohortenstudie nutzte einen emulierten Target-Trial-Ansatz mit bis zu 5 Jahren Nachbeobachtung und wurde anhand von Primärversorgungsdaten aus dem Clinical Practice Research Datalink Aurum durchgeführt, die mit Krankenhaus- und Sterberegistern vom 1. Januar 2007 bis 29. März 2021 verknüpft wurden. Die Patienten waren ≥18 Jahre, hatten eine Gichtdiagnose, einen Serumharnsäurewert ≥6 mg/dl und erhielten neu eine ULT. Patienten wurden der Treat-to-target (T2T) ULT-Gruppe zugewiesen, wenn sie innerhalb von 12 Monaten nach der ersten ULT-Verordnung den Zielwert <6 mg/dl erreichten, oder der Non-T2T ULT-Gruppe, falls dies nicht gelang. Primärer Endpunkt war das erste schwerwiegende CV-Ereignis (MACE) innerhalb von 5 Jahren nach ULT-Beginn. Ein Gichtanfall diente als positive, akute Bronchitis, Katarakt und Appendizitis als negative Kontrollvariablen. Geschätzt wurden gewichtete absolute 5-Jahres-Ereignis-freie Überlebensraten sowie gewichtete Hazard Ratios (HR).

Eingeschlossen wurden 109.504 Patienten (im Mittel 62,9 Jahre, 22,2 % weiblich, mittlere Krankheitsdauer 2,5 Jahre, 27,3 % in T2T ULT-Gruppe). Patienten in der T2T ULT-Gruppe wiesen eine höhere 5-Jahres-Überlebensrate (gewichtete Differenz 1,0 %; 95% KI 0,5-1,6 %) und ein geringeres Risiko für MACE (gewichtete HR 0,91; 95% KI 0,89–0,92) auf als die Non-T2T ULT-Gruppe. Die Assoziation war bei Personen mit hohem/sehr hohem stärker als bei solchen mit moderatem CV-Risiko. Patienten, die einen Serumharnsäure-Zielwert ≤5 mg/dl erreichten, hatten eine noch größere Risikoreduktion (gewichtete Überlebensdifferenz 2,6 %, 95% KI 0,9-3,6 %; gewichtete HR 0,77; 95% KI 0,72-0,81). Erwartungsgemäß gab es in der T2T ULT-Gruppe weniger Gichtanfälle.

In dieser Kohortenstudie zeigte sich bei Gicht-Patienten, dass das Erreichen von Serumharnsäurewerten ≤6 mg/dl innerhalb von 12 Monaten mit einem geringeren 5-Jahres-Risiko für schwerwiegende CV-Ereignisse verbunden war.

Quelle: JAMA Intern Med 2026; 186(3): 332-342