GICHTARTHRITIS

Treat-to-target-Strategie schlägt symptombasierten Ansatz

Für das Gichtmanagement wird ein Treat-to-target (T2T)-Ansatz empfohlen, bei dem die harnsäuresenkende Therapie (ULT) so angepasst wird, dass ein Serum-Harnsäure-Zielwert <0,36 mmol/L erreicht wird – so besagt es auch, gestützt von der DGRh, die deutsche S3-Leitlinie – nur die DEGAM schloss sich dem so nicht an. Tatsächlich gibt es nur wenige evidenzbasierte, pragmatische Studien, die den T2T-Ansatz mit einer symptombasierten Strategie direkt vergleichen. Diese Lücke schlossen jetzt niederländische Rheumatologen um Anusha Moses, Enschede, mit der multizentrischen, offenen, pragmatischen, auf Überlegenheit angelegten, randomisiert-kontrollierten GO TEST Overture-Studie.

Zwischen März 2021 und November 2022 wurden 308 Patienten >18 Jahre mit Gicht und Hyperurikämie (87 % Männer, im Mittel 65,9 Jahre), aber noch ohne ULT, im Verhältnis 1:1 auf eine T2T-Strategie mit strukturierter, Serum-Harnsäure-gesteuerter Titration der oralen ULT (Allopurinol als Erst- und Febuxostat oder Benzbromaron als Zweitlinientherapie) mit dem Zielwert 0,36 mmol/L (n=145), oder ein symptombasiertes Management ohne Zielwert, in der Ärzte und Patienten gemeinsam entschieden, ob eine ULT begonnen wird (Art/Dosierung vom Arzt festgelegt) (n=163), randomisiert. Aufgrund des pragmatischen Studiendesigns erfolgte bezüglich der Zuordnung keine Verblindung. Primärer Endpunkt war eine Remission 18-24 Monate nach Studienbeginn, definiert als keine Gichtschübe zwischen Monat 18 und 24, keine subkutanen Tophi in Monat 24, ein VAS-Schmerzscore <2 und ein Patient Global Assessment (PGA) >8 (ITT-Analyse mit multipler Imputation).

Eine Remission im Zeitraum 18–24 Monate trat mit 39,4 vs. 24,0 % in der T2T- häufiger auf als in der symptombasierten Gruppe (absolute Differenz 15,4 %, 95% KI 6,4-24,4; p=0,024). Unerwünschte Ereignisse wurden bei 42 vs. 53 % der Teilnehmer beobachtet (absolute Differenz -10,7 %, 95% KI -21,8 bis 0,4; p=0,060). Es wurden keine schwerwiegenden therapiebedingten Nebenwirkungen und keine behandlungsbedingten Todesfälle berichtet. Eine T2T-Strategie war im Vergleich zur symptombasierten Versorgung – wie erwartet – mit einer verbesserten langfristigen Krankheitskontrolle assoziiert, dies ohne vermehrte Nebenwirkungen. Diese Ergebnisse unterstützen den T2T-Ansatz in der Routineversorgung.

Quelle: Lancet Rheumatol 2026; 8(5): e336-e345