RIESENZELLARTERIITIS

Teils deutliche Geschlechtsunterschiede auszumachen

Bei vielen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bestehen zwischen Frauen und Männern Unterschiede im Hinblick auf Krankheitsmerkmale, Outcome und Therapie, so auch bei der Riesenzellarteriitis. Im Rahmen des großen ARTESER-Registers fahndeten spanische Rheumatologen um Ricardo Blanco, Santander, bei RZA-Patienten nach geschlechtsspezifischen Unterschiede in der klinischen Präsentation, dem vaskulären Phänotyp, den diagnostischen Ansätzen, der Behandlung, den Nebenwirkungen und den Therapieergebnissen.

Ausgewertet wurden Daten aller Patienten, bei denen zwischen 2013 und 2019 in 26 spanischen Krankenhäusern eine RZA diagnostiziert wurde. Einschlusskriterien waren ein Alter von ≥50 Jahren und eine Diagnose, die durch bildgebende Verfahren, die ACR-Kriterien von 1990 oder eine fachärztliche Beurteilung bestätigt wurde. Insgesamt wurden 1.675 Patienten (70,5 % Frauen) in die Studie eingeschlossen. Der extrakranielle Phänotyp war bei Frauen häufiger (14,8 vs. 9,9 %; p=0,039), der gemischte Phänotyp bei Männern (17,7 vs. 11,7 %; p=0,002). Der Ultraschall der Arteria temporalis war bei Männern häufiger positiv (73,5 vs. 65,1 %; p=0,025).

In puncto Therapie wurden Frauen signifikant häufiger csDMARDs verschrieben (35,3 vs. 28,2 %; p=0,005), während sich die Anwendung von Glukokortikoiden und Tocilizumab nicht zwischen den Geschlechtern unterschied. Im Vergleich traten Frakturen (22,4 vs. 10,9 %; p=0,010) und Katarakte (6,0 vs. 2,8 %; p=0,010) bei Frauen signifikant häufiger auf als bei Männern.

Die Remissionsraten (23,1 vs. 23,8 %) und Häufigkeit von Rezidiven (19,7 vs. 19,3 %) waren zwischen den Geschlechtern vergleichbar. Die Mortalität war bei Männern jedoch signifikant höher (13,8 vs. 6,6 %; p<0,001). Frauen zeigten häufiger den extrakraniellen Phänotyp, benötigten mehr csDMARDs und wiesen eine höhere Frakturrate auf. Männer hingegen präsentierten sich häufiger mit dem gemischten Phänotyp, hatten mehr Katarakte und eine höhere Mortalitätsrate. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Berücksichtigung des Geschlechts als wichtige biologische Variable in der Forschung und im klinischen Management der RZA, um individuellere und effektivere Therapiestrategien zu ermöglichen.

Quelle: Rheumatology 2026; 65(1): keaf689