BILDGEBENDE DIAGNOSTIK

Rheumatoide Arthritis – wenn die Luft knapp wird

Abb.: Röntgenthorax pa. (A) und seitl. (B): Basale fein- bis grobnetzartige Einlagerungen.

Abb.: Röntgenthorax pa. (A) und seitl. (B): Basale fein- bis grobnetzartige Einlagerungen.

ANAMNESE: Der Patient stellt sich zur rheumatologischen Verlaufskontrolle und Therapie 11/2025 vor. 2001 Diagnose einer rheumatoiden Arthritis (RA). Es wurde zunächst eine Therapie mit Hydroxychloroquin eingeleitet. Ca. 4-5 Jahre später erfolgte eine zusätzliche Gabe von Methotrexat (MTX) – initial 10, später 20 mg/Woche. Unter dieser Therapie war die Gelenkbeschwerdesymptomatik deutlich gebessert. Die Dauertherapie mit MTX war jedoch wegen gastrointestinaler Unverträglichkeit nicht möglich. Es erfolgte die Erstvorstellung in meiner Praxis mit der Frage möglicher Therapiealternativen zur Basistherapie mit MTX 1/2017. Ab 2/2017 wurde die Therapie mit MTX beendet und eine Monotherapie mit Tocilizumab in 4-wöchigen Infusionsabständen eingeleitet und bis dato fortgesetzt. 11/2025 stellte sich der Patient mit einer zunehmenden Belastungsdyspnoe vor. Klinisch war die RA zu diesem Zeitpunkt in Vollremission.

KLINISCHER BEFUND: 175 cm, 85 kg, RR 135/85, Puls 68/min. Gelenkstatus: Keine peripheren synovitischen Schwellungen. Keine Gelenksfunktionseinschränkungen. Auskultationsbefund der Lungen: Über den basalen Lungenabschnitten feines, endinspiratorisches Knisterrasseln (bds).

LABOR: Hb 15,8 g/dl, CRP  20 mg/l., BKS 36/h, Leukozyten 1.100/µl, Kreatinin 0,76 mg/dl, RF pos. (98 IU), ccP pos., ANA neg.

BILDGEBENDE DIAGNOSTIK: Röntgen (s. u.)

DIAGNOSE: INTERSTITIELLE LUNGEN-ERKRANKUNG BEI RA

Die RA ist häufig mit interstitieller Lungenerkrankung (ILD) assoziiert. RA‑Patienten haben ein etwa neunfach erhöhtes Risiko für eine ILD gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Eine klinisch apparente RA‑ILD wird bei etwa 5–10 % gefunden, während bildgebend (Röntgen, HRCT) bei bis zu 30–40 % interstitielle Veränderungen nachweisbar sind, in Screening‑Kohorten mit systematischer CT‑Diagnostik wurden sogar Prävalenzen von über 40 bis zu >50 % einer subklinischen ILD beschrieben. Typische Risikofaktoren sind höheres Alter, männliches Geschlecht, Rauchen sowie Seropositivität für Rheumafaktor (RF) und Anti‑CCP‑Antikörper (ACPA).

RÖNTGEN: Röntgenbefunde des Thorax geben Hinweise auf eine ILD. Eine radiologisch sichtbare RA‑ILD zeigt meist bereits eine fortgeschrittene Fibrose: basal betonte retikuläre Verschattungen, Volumenminderung der Unterfelder, grobnetzige Zeichnung und ggf. Honigwabenmuster; diese Zeichen korrelieren in Studien mit deutlich eingeschränkten Lungenfunktionsparametern.

HRCT: Die native hochauflösende Computertomografie (HRCT) gilt als Goldstandard bei Patienten mit Verdacht auf eine ILD. Bei der RA-ILD kann sie bei passender Klinik wegweisend sein. Die Untersuchung dient außerdem zur Beurteilung des Ausmaßes der Erkrankung und liefert Informationen über Begleiterkrankungen. Die kürzlich publizierte EULAR/ERS-Leitlinie empfiehlt inzwischen ein HRCT-Screening für alle RA-Patienten mit Risikofaktoren (höheres Alter, RF+ und/oder ACPA+, erhöhtes CRP, Männer). Bei RA-ILD wird eine erneute HRCT alle 1-2 Jahre empfohlen.
 

Prof. Dr. med. Herbert Kellner
Schwerpunktpraxis für Rheumatologie
und Gastroenterologie
und Ärztlicher Leiter der
Abteilung Rheumatologie
Romanstr. 9, 80639 München