Rheumatoide Arthritis

PRIME-Zellen im Blut als früher Marker für einen Schub

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) werden Krankheitsschübe offenbar von präinflammatorischen mesenchymalen (PRIME)-Zellen angekündigt, die laut einem Team US-amerikanischer Experten um Robert Darnell, New York, in der Woche vor dem Schub im Blut nachweisbar sind. Primär ist dies von pathophysiologischem Interesse, für die rheumatologischen Praxis sind die Befunde leider kaum anwendbar.

Im Rahmen der Untersuchung wurden vier Patienten über 1 bis 4 Jahre gebeten, ihre Krankheitsaktivität im RAPID3-Fragebogen zu erfassen und zudem 1x wöchentlich eine Blutprobe aus der Fingerbeere ans Labor zu schicken, wo die Boten-RNA analysiert wurde. Im Fall eines Schubs wurde in den vorangegangenen Blutproben nach Veränderungen in der Genaktivierung gesucht. Es fanden sich 2.791 Gene, deren Expression vor oder während des Schubs gesteigert oder geringer war. Etwa 2 Wochen vor dem Schub war zunächst ein „antecedent cluster 2“ (AC2) mit Genen, die in Leukozyten und insbesondere in B-Zellen exprimiert sind, detektierbar. Daher wird vermutet, dass eine Aktivierung von B-Zellen für den folgenden Schub verantwortlich ist. In der letzten Blutprobe eine Woche vor dem Einsetzen der Symptome kam es dann zur Aktivierung von Genen des „antecedent cluster 3“ (AC3), die an der Bildung von Knorpelgewebe, angrenzendem Knochengewebe und der extrazellulären Matrix beteiligt sind. Diese PRIME-Zellen waren auch in einer Gruppe von 19 weiteren RA-Patienten vorhanden, nicht aber bei Gesunden.

Die Autoren vermuten, dass im ersten Schritt die aktivierten B-Zellen die Bildung oder Rekrutierung der PRIME-Zellen bewirkt haben. Diese waren nach Beginn der Symptome nicht mehr im Blut vorhanden, weshalb postuliert wird, dass sie vom Blut in die Synovia migrieren und dort mit den B-Zellen die Entzündung auslösen. Noch unklar ist, woher die PRIME-Zellen stammen, eine Möglichkeit wären bereits zuvor erkrankte Gelenke. Ebenso fraglich ist, was die B-Zellen dazu veranlasst, die PRIME-Zellen zu aktivieren. Diese Trigger könnten Infekte, Umweltreize oder endogene Faktoren sein. Therapeutisch nutzen lassen sich diese Erkenntnisse kaum, da ein Nachweis der PRIME-Zellen nur durch regelmäßige Blutproben und aufwändige Analysen möglich wäre.    

Quelle: N Engl J Med 2020; 383(3): 218-228