RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Postoperative Infektionen: Nicht Biologika, Steroide sind das Problem

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) weisen nach einer Gelenkersatzoperation ein erhöhtes Risiko für Infektionen auf, ohne dass die Risiken für spezifische Biologika gut erfasst sind. US-amerikanische Experten um Michael D. George, Philadelphia, erfassten nun in einer retrospektiven Kohortenstudie auf Basis zweier Datenbanken (Medicare und Truven MarketScan 2006-2015), das Risiko für postoperative Infektionen unter verschiedenen Biologika und in Verbindung mit Glukokortikoiden (GK).

Eingeschlossen wurden erwachsene RA-Patienten mit einem elektiven Knie- oder Hüftgelenkersatz (TEP), entweder primär oder als Revision, die vor dem Eingriff eine Infusion oder Verordnung von Abatacept, Adalimumab, Etanercept, Infliximab, Rituximab oder Tocilizumab erhalten hatten. Mittels Propensity-Scoring wurden die jeweiligen Risiken für eine hospitalisierungspflichtige Infektion binnen 30 Tagen oder Gelenkprotheseninfektion innerhalb von 12 Monaten zwischen den Biologika und verschiedenen GK-Dosen verglichen. 

Bei 9.911 mit Biologika behandelten Patienten wurden 10.923 chirurgische Eingriffe identifiziert. Im Ergebnis war kein signifikanter Unterschied zwischen den unterschiedlichen Biologika ersichtlich. Verglichen mit einem 8,16 %-Risiko für hospitalisierungspflichtige Infektionen für Abatacept bewegte sich das prädizierte Risiko gemäß den Propensity-gewichteten Modellen zwischen 6,87 % für Adalimumab und 8,90 % für Rituximab (letztere Gruppe war ebenso wie jene für Tocilizumab klein, was definitive Aussagen erschwert). Im Vergleich mit einer kumulativen 1-Jahres-Inzidenz für Gelenkprotheseninfektionen von 2,14 % für Abatacept bewegte sich diese zwischen 0,35 % für Rituximab und 3,67 % für Tocilizumab. Im Gegensatz dazu waren GK mit einem dosisabhängigen Anstieg des postoperativen Risikos für alle Outcomes assoziiert. Propensity-gewichtete Modelle  zeigten, dass der Gebrauch von ≥10 mg GK/Tag (versus kein GK) in einem prädizierten Risiko für für hospitalisierungspflichtige Infektionen von 13,25 % (vs. 6,78 %) und für die prädizierte kumulative 1-Jahres-Inzidenz von Gelenkprotheseninfektionen von 3,83 % (vs. 2,09 %) resultierte. 

Als Fazit kann gezogen werden, dass das postoperative Infektionsrisiko durch Biologika eher weniger und in vergleichbarem Maße beeinflusst wird, während GK vor allem in Dosierungen >10 mg/Tag dieses Risiko deutlich steigern. 

Quelle: Ann Intern Med 2019; 170(12): 825-836