OSTEOPOROSE

Neue Wege zur besseren Früherkennung einschlagen

Immer noch erfolgt die Diagnosestellung einer Osteoporose oft sehr spät, und nicht selten auch eher zufällig. Aus anderen Gründen durchgeführte Computertomografien (CT) von Thorax, Abdomen oder Wirbelsäule könnten daher zukünftig für die Osteoporose-Früherkennung genutzt werden. Die KI-gestützte Auswertung von CT-Scans prüften jetzt US-amerikanische und deutsche Experten um Miriam Bredella, New York, in einer Pilotstudie, die perspektivisch einem opportunistischen Screening den Weg ebnen könnte.

Allein in Deutschland werden jährlich über 6,8 Millionen CTs durchgeführt. Häufig sind dabei Knochen im Scanbereich enthalten, sodass die Aufnahmen zur Messung der Knochendichte (BMD) genutzt werden könnten. Obwohl die CT-Densitometrie bereits bekannt ist, hat sie sich bislang nicht gegen die duale Röntgen-Absorptiometrie (DXA) durchsetzen können. Nun entwickelten die US-Radiologen gemeinsam mit der Berliner Firma Visage Imaging eine KI-Software, die automatisiert dreidimensional eine „Region of Interest“ (ROI) im trabekulären Knochen identifiziert und die BMD ermittelt.

In einer ersten Untersuchung wertete das KI-Tool 538.946 frühere CT-Scans von 283.499 Patienten (im Mittel 65 Jahre, 51 % Frauen) aus. In einer Stichprobe von 1.696 CT-Scans zeigte sich, dass die Software die 3D ROI mit einer Übereinstimmung zu einem Review durch Radiologen von über 99 % korrekt erkannt hatte. Die KI-Software funktionierte mit Daten aus 43 verschiedenen CT-Modellen bei einer Abweichung von <10 % und ist daher potenziell universell einsetzbar.

Entgegen der gängigen Annahme zeigte sich, dass Frauen unter 50 Jahren eine höhere BMD als gleichaltrige Männer aufwiesen. Nach der Menopause verschwand dieser Vorteil jedoch, und ältere Frauen hatten, wie aus DXA-Untersuchungen bekannt, eine geringere BMD als Männer derselben Altersgruppe (p<0,001). Es ist jetzt geplant, künftige CT-Aufnahmen für ein opportunistisches Osteoporose-Screening zu nutzen.

Der breite Praxistest steht somit noch aus, auch müssen anders als bisher, wo selbst eine erste Fraktur nicht zwingend eine spezifische Osteoporose-Therapie auslöst, solche Befunde dann auch in einer entsprechenden therapeutischen Intervention münden.

Quelle: Radiology 2025; 317(2): e250917