In die Studie eingeschlossen wurden 216 AAV-Patienten, die ihre Diagnose zwischen 2014 und 2024 erhielten (mit Anwendung der ACR/EULAR-Klassifikationskriterien aus 2022), darunter 128 mit GPA, 70 mit MPA und 18 mit EGPA. Die Zeit bis zur Diagnose wurde definiert als der Zeitraum zwischen den ersten AAV-bezogenen Symptomen und der bestätigten Diagnose. Faktoren, die mit einer diagnostischen Verzögerung verbunden waren, wurden mittels multivariater Cox-Regressionsanalyse untersucht. Zeitliche Unterschiede zwischen den Subtypen wurden mithilfe von Kaplan–Meier-Kurven dargestellt.
Die mediane Zeit bis zur Diagnose war bei EGPA numerisch am längsten (455 Tage; IQR 144-924) im Vergleich zu GPA (120 Tage; IQR 61-334) und MPA (153 Tage; IQR 90-366). Eine renale Beteiligung war statistisch mit einer kürzeren Zeit bis zur Diagnose assoziiert (Hazard Ratio, HR 1,65, 95% KI 1,18-2,31; p=0,004), während vorherige Konsultationen bei Dermatologen (HR 0,41; p=0,004), Pneumologen (HR 0,58; p=0,003) und Rheumatologen (HR 0,63; p=0,003) eine längere Verzögerung zeigten – letzteres vermutlich aufgrund atypischer oder mehrere Organsysteme betreffenden Beschwerden. Höhere BVAS- und CRP-Werte korrelierten statistisch mit kürzeren diagnostischen Intervallen.
Die diagnostische Verzögerung bei AAV variiert je nach Subtyp und klinischer Präsentation. EGPA weist mit ihren HNO-Manifestationen die numerisch längste Zeit bis zur Diagnose auf, während eine renale Beteiligung die Diagnose scheinbar erleichtert. Ein verbessertes Bewusstsein gerade bei nicht spezialisierten Ärzten ist entscheidend, um diagnostische Verzögerungen zu reduzieren und Organschäden zu verhindern.
Quelle: Clin Rheumatol 2026; doi: 10.1007/s10067-026-08057-3
