Frühe Arthralgien

Mit Ultraschall das Arthritis-Risiko eingrenzen

Bei Patienten mit Arthralgien können Ultraschall (US)-Befunde dabei helfen, jene zu identifizieren, die im weiteren Verlauf wahrscheinlich keine entzündliche Arthritis entwickeln – umgekehrt gilt das leider weniger. Gelänge eine frühzeitigere Diagnose einer rheumatoiden Arthritis (RA), könnte durch die rasche Einleitung einer DMARD-Therapie die Krankheitsprogression verlangsamt oder gestoppt und Gelenkschäden minimiert werden.

Bis heute gestaltet sich die Identifizierung von Arthralgie-Patienten, die vom raschen Beginn einer wirksamen DMARD-Therapie profitieren könnten, recht schwierig. Jedoch könnten technische Fortschritte bei der MRT und dem US eine frühere Detektion entzündlicher Prozesse erlauben. Während das MRT Zeit- und Kosten-intensiv und nicht universell verfügbar ist, erscheint der US vor allem im klinischen Setting als eine flexible, realistische Alternative. Basierend auf Daten der Rotterdam Early Arthritis Cohort (REACH)-Studie evaluierten holländische Rheumatologen um Myrthe van der Ven, Rotterdam, mithilfe des Ultraschalls zur Detektion einer subklinischen Synovitis welche Arthralgie-Patienten binnen 12 Monaten Gefahr laufen, eine klinisch manifeste entzündliche Arthritis (IA) zu entwickeln. In der prospektiven Kohortenstudie wurden über ein Jahr hinweg 159 Patienten mit entzündlichen Gelenkbeschwerden an den Händen, Füßen oder Schultern analysiert, die nicht durch andere Erkrankungen erklärbar waren. Diese mussten ≥2 schmerzhafte Gelenke und ≥2 der folgenden Kriterien aufweisen (Morgensteifigkeit >1 h, kein Faustschluss am Morgen möglich, Schmerzen beim Händeschütteln, Parästhesien in den Fingern, Schwierigkeiten beim Tragen von Ringen oder Schuhen, Familienanamnese einer RA, Fatigue <12 Monate). Der US wurde verblindet gemäß den EULAR-Richtlinien durchgeführt (26 Gelenke, Graustufen [GS]- und Power-Doppler [PD]-US). Eine inzidente IA (definiert als klinische Schwellung) musste von einem nicht in die US-Befundauswertung involvierten Rheumatologen diagnostiziert werden.

Die wichtigsten Befunde waren, dass 31 Patienten (16 %) innerhalb des Follow-up-Zeitraums von 12 Monaten eine IA entwickelten, wovon 59 % bereits zu Studienbeginn eine Synovitis aufwiesen. Der US eignete sich nicht (oder nur schlecht) für die Vorhersage einer IA mit einem positiv prädiktiven Wert von nur 26 %, gut hingegen für den Ausschluss einer IA bei Patienten ohne Synovitis im US mit einem negativ prädiktiven Wert von 89 %. Ein positives PD-Signal, Morgensteifigkeit und höheres Alter waren unabhängig mit einer IA nach 12 Monaten assoziiert. Den diagnostischen Stellenwert des US in dieser Situation gilt es in weiteren Studien zu untersuchen, jedoch kann dieser nur ein zusätzlicher Baustein im Verbund mit anderen in den aktuellen EULAR-Empfehlungen zum Management der frühen Arthralgie/Arthritis aufgeführten Kriterien sein.   

Quelle: Arthritis Res Ther 2017; 19(1): 202