Metabolische Arthritiden

Mit SGLT2-Inhibitoren weniger Gichtmedikamente?

Sodium-dependent Glucose Transporter 2-Inhibitoren (SGLT2i) senken den Serumharnsäurespiegel und sind mit einem geringeren Risiko für wiederkehrende Gichtanfälle verbunden. Eine primär US-amerikanische Studiengruppe um Natalie McCormick, Boston, verglich mithilfe einer Target-Trial-Emulation die Raten für die Einleitung von Allopurinol sowie die Anwendung hochdosierter Glukokortikoide (GK), NSAR, Colchicin und Diuretika bei Gicht-Patienten, die SGLT2i, Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (DPP-4i) oder Glucagon-like Peptid-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1RA) erhielten.

Aus einer bevölkerungsbezogenen Datenbank wurden Gicht-Patienten mit gleichzeitig bestehendem Typ-2-Diabetes identifiziert und mittels Cox-Regressionsmodellen sowie Poisson-Regressionen mit inverser Wahrscheinlichkeit der Behandlungszuweisung eine Randomisierung zu SGLT2i oder DPP-4i/GLP-1RA simuliert. Die Analyse wurde zudem in einem elektronischen Gesundheitsdatensatz wiederholt, und zusätzlich auf Serumharnsäure und BMI adjustiert.

Von 26.739 Erwachsenen mit Gicht und Typ-2-Diabetes (im Mittel 66 Jahre) hatten 67 % eine Polypharmazie. Die Einleitung von Allopurinol erfolgte bei SGLT2i- seltener als bei DPP-4i-Anwendern (Hazard Ratio, HR 0,62; 95% KI 0,52–0,73). Die Assoziationen waren stärker bei jenen, die zu Beginn Diuretika verwendeten (p für Interaktion =0,03) und blieben bestehen, wenn SGLT2i mit GLP-1RA verglichen und Serumharnsäure sowie BMI berücksichtigt wurden. Die Anwendung von SGLT2i war zudem mit geringeren Verschreibungsraten von hochdosierten GK, NSAR, Colchicin und Diuretika verbunden, mit Rate Ratios von 0,78 (95% KI 0,74-0,83), 0,85 (95% KI 0,80-0,92), 0,87 (95% KI 0,83-0,92) und 0,87 (95 % KI 0,85-0,89).

Für Patienten mit Gicht und Typ-2-Diabetes könnten SGLT2i den Bedarf an gichtbezogenen Medikamenten senken, was wiederum die Exposition gegenüber kardiovaskulären, renalen und metabolischen Nebenwirkungen von NSAR und GK bei dieser Hochrisikopopulation reduzieren könnte.

Quelle: Diabetes Care 2026; 49(3): 460-470