DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNGEN

Mit Axia-App erste DiGA in der Rheumatologie zugelassen

Von links: PD Dr. Patrick-Pascal Strunz und Prof. Dr. Marc Schmalzing

Von links: PD Dr. Patrick-Pascal Strunz und Prof. Dr. Marc Schmalzing

Abb. 1: Effekte der Axia-App auf Krankheitsaktivität (BASDAI), Funktion (BASFI) und Lebensqualität (ASQoL) nach 12 Wochen

Abb. 1: Effekte der Axia-App auf Krankheitsaktivität (BASDAI), Funktion (BASFI) und Lebensqualität (ASQoL) nach 12 Wochen

Abb. 2: ASAS20/40-Ansprechen nach 12 Wochen unter digitaler Intervention mit Axia

Abb. 2: ASAS20/40-Ansprechen nach 12 Wochen unter digitaler Intervention mit Axia

Mit der Zulassung der in Würzburg entwickelten App „Axia" steht nun erstmals eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung in der Regelversorgung in Deutschland zur Verfügung. Die Axia-App bietet eine strukturierte Bewegungstherapie und schließt damit die Versorgungslücke bei axialer Spondyloarthritis (axSpA). Für „Apps auf Rezept" wurde bereits im Dezember 2019 mit dem Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG) ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Seitdem können vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüfte Apps und webbasierte Therapieprogramme ärztlich verordnet und von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Würzburger Medizinstudierenden, der Rheumatologie des Uniklinikums Würzburg (UKW) und der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB). „Es verbindet studentischen Enthusiasmus, wissenschaftliche Expertise und die enge Einbindung der Patientinnen und Patienten auf besondere Weise, was seinen Erfolg erklärt", erläutert PD Dr. Patrick-Pascal Strunz, Würzburg, der eine deutschlandweite randomisiert-kontrollierte klinische Studie leitete, die eine signifikante Wirksamkeit der digitalen Therapiehilfe als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung zeigte. „Dass die Axia-App mit ihrer evidenzbasierten Bewegungstherapie nun analog zu einem Medikament durch Ärztinnen und Ärzte verordnungsfähig ist, ist ein bedeutender Meilenstein für die digitale Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit axSpA. Damit wird eine bisherige Versorgungslücke geschlossen."

AXIA MOTIVIERT ZU REGELMÄßIGER BEWEGUNG

Bei der axSpA ist neben entzündungshemmenden Medikamenten eine konsequente Bewegungs- und Physiotherapie eine der zentralen Säulen der leitliniengerechten Therapie. Im Versorgungsalltag kann diese jedoch häufig nicht ausreichend umgesetzt werden. Axia unterstützt und motiviert die Patientinnen und Patienten effektiv dabei, ihre Behandlung aktiv mitzugestalten und regelmäßige Bewegung orts- und zeitunabhängig in den Alltag zu integrieren. Mithilfe der App konnten typische axSpA-Symptome wie Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und Erschöpfung gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Lebensqualität deutlich gesteigert werden. Den Betroffenen fielen alltägliche Aktivitäten wie Anziehen, Bücken oder längeres Gehen danach leichter. Viele von ihnen fühlten sich insgesamt aktiver, beweglicher und leistungsfähiger.

Die Zulassung stellt auch einen großen Erfolg für die beteiligten Entwickler dar. Die beiden Würzburger Medizinstudenten Maxime le Maire und Tobias Heusinger brachten gemeinsam mit dem Informatiker Robert Leppich im Rahmen ihres Start-ups Applimeda ihre Idee bis zur Marktreife. Gemeinsam mit der Rheumatologie des UKW und der DVMB entwickelten sie mehr als 250 physiotherapeutisch angeleitete Übungsvideos, darunter sog. Alltagsroutinen. Dabei werden gezielte Dehn- oder Mobilisationsübungen in alltägliche Aktivitäten wie Zähneputzen oder Kaffeekochen integriert. Ein spielerisches Belohnungssystem mit Punkten, virtuellen Meilensteinen und dem Maskottchen „Bechto" sorgt zusätzlich für Motivation. Überdies umfasst die App auch informative Inhalte. In interaktiven Lernmodulen wird medizinisches Wissen zur Erkrankung sowie Tipps zu den Themen Ernährung, Medikamenteneinnahme, Begleiterkrankungen und Alltagserleichterungen vermittelt. Das Angebot wird durch Funktionen wie einen Symptom- und Medikamententracker, die Möglichkeit, Schrittzählerdaten einzubinden, sowie Entspannungsübungen ergänzt.

DIE ERGEBNISSE DER BECHTEREW APP-STUDIE IM ÜBERBLICK

Eine Usability-Studie hatte bereits gezeigt, dass sich die Trainingshäufigkeit der Probanden durch die Nutzung der App deutlich erhöhte (von durchschnittlich einem auf sechs Tage pro Woche) mit dem Ergebnis einer verbesserten Beweglichkeit und weniger Schmerzen. (1) Diese subjektiven Eindrücke wurden durch die erstmals auf dem EULAR 2025 in Barcelona als Late-Breaking Abstract präsentierte randomisiert-kontrollierte Crossover-Studie mit 200 axSpA-Patientinnen und -Patienten bestätigt. (2) 186 Teilnehmende – im Mittel ca. 50 Jahre, >60 % Frauen, BASDAI >5,0, je ca. 55 % mit NSAR und/oder b/tsDMARDs behandelt, je ca. 55 % erhielten 1x pro Woche eine Physiotherapie – schlossen die 12-wöchige Studie ab, 95 aus der Interventions- und 91 aus der Kontrollgruppe (nur medikamentöse Standardtherapie). In der klinischen Studie bot die zusätzliche Nutzung der Axia-App den Betroffenen deutlich bessere Ergebnisse als ohne App. „Bereits nach drei Monaten berichteten viele von ihnen von spürbaren Verbesserungen bei ihren Beschwerden, ihrer Beweglichkeit und ihrem allgemeinen Wohlbefinden“, erläuterte Dr. Strunz, der die Daten stellvertretend für die Würzburger Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Marc Schmalzing vorstellte.

Primäre Endpunkte waren Verbesserungen der Krankheitsaktivität (BASDAI-Score) sowie der krankheitsspezifischen Funktionalität (BASFI-Score) und Lebensqualität (ASQoL). Konkret sank der BASDAI-Score in der App- und Kontrolle-Gruppe nach 12 Wochen im Mittel um 1,66 vs. 0,11 Punkte. Die Funktionseinschränkung im BASFI-Score nahm um 1,12 Punkte ab, bzw. stieg um 0,06 Punkte an. Die Einschränkung der Lebensqualität im ASQoL verbesserte sich um 2,51 vs. 0,16 Punkte (alle Vergleiche p<0,001) (Abb. 1). (2)

Ein deutlicher Therapieerfolg zeigte sich auch in den sekundären Endpunkten. So erreichten mit der zusätzlichen App-Nutzung 51 % der Teilnehmenden ein ASAS20-Ansprechen gegenüber nur 9 % mit der Standardtherapie (p<0,001). Auch ein ASAS40-Ansprechen wurde signifikant häufiger erzielt (23 vs. 3 %; p<0,001) (Abb. 2). Rückenschmerzen, Morgensteifigkeit und Fatigue gingen in der App-Gruppe merklich zurück. Zudem traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf, sodass die App als sicher und gut verträglich eingestuft werden kann. (2)

Die inzwischen vollumfänglich publizierten Ergebnisse hatten bereits auf dem EULAR-Kongress 2025 in Barcelona für einiges Aufsehen und viel Gesprächsstoff gesorgt, für die im Juni anstehende EULAR-Tagung in London sind Langzeitdaten der Studie avisiert. Dass die Axia-App jetzt in die Regelversorgung aufgenommen wurde, ist als Durchbruch zu bewerten – es bleibt zu hoffen, dass von einer Verordnung möglichst oft Gebrauch gemacht wird.

Literatur:
1   Strunz PP et al., Rheumatol Int 2024; 44(6): 1143-1154
2   Strunz PP et al., Ann Rheum Dis 2026; doi: 10.1016/j.ard.2026.02.016

Quelle: Universitätsklinikum Würzburg, 10. Februar 2026