RIESENZELLARTERIITIS

Methylprednisolon-Pulse mit schnellerer Remission assoziiert

Obwohl Glukokortikoide (GK) als Grundpfeiler der Therapie bei Riesenzellarteriitis (RZA) gelten, gelingt es häufig nicht, damit eine anhaltende Krankheitskontrolle zu erreichen – zudem sind sie mit erheblicher Morbidität verbunden. Die Evidenz für den breiteren Einsatz von i.v. Methylprednisolon (i.v.-MP)-Pulsen über Hochrisikopatienten hinaus ist bislang begrenzt und widersprüchlich. Spanische Rheumatologen um Víctor Moreno-Torres, Madrid, untersuchten daher in einer retrospektiven, multizentrischen Beobachtungsstudie die Wirksamkeit und Sicherheit einer i.v.-MP-Induktionstherapie im Vergleich zu oralen GK bei Patienten mit neu diagnostizierter RZA.

Insgesamt wurden 206 Patienten in die Studie eingeschlossen, davon erhielten 56,3 % i.v.-MP. Letztere wiesen häufiger ischämische Symptome zu Beginn auf. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Remission. Der Effekt von i.v.-MP auf die Zeit bis zur Remission wurde mittels inverser Wahrscheinlichkeitsgewichtung mit Adjustierung (IPWRA) geschätzt.

Im Ergebnis erreichten 196 Patienten (95,1 %) eine Remission nach median 8,6 Wochen (p=0,287). Die IPWRA-Analyse zeigte, dass i.v.-MP mit einer kürzeren Zeit bis zur Remission verbunden war (durchschnittlicher Behandlungseffekt -14,2 Wochen, 95% KI -20,5 bis -7,8; p<0,001). In der adjustierten Regressionsanalyse war i.v.-MP mit einer höheren Remissionswahrscheinlichkeit assoziiert (Hazard Ratio, HR 2,44, 95% KI 1,66–3,59; p<0,001). Patienten, die mit i.v.-MP behandelt wurden, erhielten überdies eine signifikant niedrigere mediane kumulative Prednisolon-Dosis (733 vs. 1.902 mg; p<0,001) und durchschnittliche tägliche Prednisolon-Dosis bis zur Remission (13,6 vs. 30 mg; p<0,001). Nach drei Monaten benötigte die i.v.-MP-Gruppe niedrigere tägliche und kumulative Prednisolon-Dosen und wies weniger Fälle von Typ-2-Diabetes und Osteoporose auf.

In dieser spanischen Real-World-Kohorte war somit die Anwendung von i.v.-MP-Pulsen während der Induktionstherapie mit einer schnelleren Remission und einer signifikanten GK-Einsparung ohne erhöhte kurzfristige Toxizität assoziiert.

Diese Ergebnisse legen eine Neubewertung des Einsatzes von i.v.-MP über Patienten mit ischämischen Manifestationen hinaus nahe, erfordern aber zwingend eine prospektive Bestätigung.

Quelle: Arthritis Res Ther 2026; 28(1): 90