In einer populationsbasierten Querschnittsstudie wurden 11.163 Erwachsene (medianes Alter 53,0 Jahre, 48,7 % Frauen) aus der Deutschen Nationalen Kohorte (NAKO) analysiert, die zwischen den Jahren 2014 und 2016 eine Ganzkörper-MRT erhalten hatten. Drei verblindete Reader beurteilten 998 zufällig ausgewählte Teilnehmer auf ein sakroiliakales KMÖ. Die übrigen 10.165 Probanden wurden mit einem validierten Deep-Learning-Algorithmus ausgewertet, der das KMÖ-Volumen aus fettunterdrückten Protonendichte-Wichtung-Sequenzen (PDFS) segmentiert und quantifiziert. Assoziationen zwischen KMÖ und demografischen, Lebensstil- sowie reproduktiven Faktoren wurden mittels multivariater logistischer Regression erfasst.
Ein sakroiliakales KMÖ wurde bei 28,9 % (95% KI 26,2-31,9) der durch Reader und 30,8 % (95% KI 29,9-31,7) der durch Deep-Learning-Algorithmus beurteilten Teilnehmer festgestellt – ca. 50 mal häufiger als die 0,6 % Prävalenz einer selbstberichteten axSpA-Diagnose. Die KMÖ-Prävalenz war bei Frauen höher als bei Männern (33,9 vs. 27,8 %; adj. Odds Ratio, OR 1,33; 95% KI 1,23-1,45). Bei Frauen war eine Schwangerschaftsanamnese mit einem KMÖ assoziiert (OR 1,43; 95% KI 1,21-1,71). Bei Männern waren Alter (OR 1,28/Dekade; 95% KI 1,21-1,35) und intensive körperliche Aktivität (OR 1,24; 95% KI 1,08-1,42) unabhängig mit KMÖ assoziiert, während Alterseffekte bei Frauen gering waren (OR 1,16/Dekade; 95% KI 1,11-1,23). Unter den modifizierbaren Risikofaktoren wies ein BMI ≥25 kg/m2 die höchste OR auf (1,62; 95% KI 1,47-1,79). Eine körperlich belastende berufliche Tätigkeit war generell mit KMÖ assoziiert (OR 1,25; 95% KI 1,14-1,36).
Ein sakroiliakales KMÖ betrifft somit nahezu ein Drittel der Erwachsenen und ist eher mit nichtentzündlichen Ursachen wie Schwangerschaft, Übergewicht und beruflicher körperlicher Belastung als mit axSpA assoziiert. Die neuen Daten können die diagnostische Interpretation unterstützen und zur Entwicklung spezifischerer bildgebender Schwellenwerte beitragen, um Fehldiagnosen und -behandlungen zu reduzieren.
Quelle: Lancet Rheumatol 2026; doi: 10.1016/S2665-9913(26)00071-8
