KLINISCHER BEFUND: 171 cm, 48 kg, RR 110, Puls 64/min. Gelenkstatus: Keine peripheren synovitischen Schwellungen, Faustschluss bds. möglich. Bei der Rotation der Hüftgelenke links knacken. Tastbarer Kniegelenkserguss links. Haut: Hautulzeration mit Marmorierung am Zehen D4 links und an der Ferse rechts. Gefäßstatus: Von den peripheren Pulsen an den Beinen nur der Puls der Arteria tibialis posterior rechts tastbar.
LABOR: Hb 13,8 g/dl, CRP 3,1 mg/l (neg.)., BKS 10/h, Leukozyten 12.400/µl, Kreatinin 0,83 mg/dl, GOT 112 IU/l, GPT 198 IU/l, GGT 401 IU/l, RF neg., ANA neg.
BILDGEBENDE DIAGNOSTIK: Röntgen und CT (s. u.)
DIAGNOSE: ALTE KNOCHENINFARKTE IN FEMUR UND TIBIA BDS. – DD BEI LANGJÄHRIGEM ALKOHOL- UND NIKOTINABUSUS
Es handelt sich um Knocheninfarkte/Osteonekrosen mit ischämischer Knochennekrose. Ein Knocheninfarkt ist eine lokal begrenzte Durchblutungsstörung des Knochens mit nachfolgender Nekrose des Knochengewebes. Man unterscheidet dabei aseptische Formen von septischen Ursachen. Klinisch und bildgebend werden die Begriffe Knocheninfarkt und Osteonekrose häufig weitgehend synonym verwendet.
Die Pathogenese beruht meist auf einem Verschluss oder einer Schädigung der versorgenden Gefäße mit konsekutiver Ischämie. Häufige Ursachen bzw. Risikofaktoren sind Glukokortikoide, Alkoholabusus, systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Sichelzellsyndrom, Morbus Gaucher, Pankreatitis, Bestrahlung, Chemotherapie sowie posttraumatische Ursachen wie Fraktur oder Dislokation. Daneben kommen septische Knochennekrosen im Rahmen von Infektionen, etwa Osteomyelitis, vor. In Einzelfällen bleibt die Ursache idiopathisch, also nicht sicher zuzuordnen.
Klinisch relevant ist, dass die Erkrankung an unterschiedlichen Skelettabschnitten auftreten kann, besonders häufig jedoch am Femurkopf, Femur, Tibia, Kniegelenkregion und Oberarmkopf. Diagnostisch wird das Röntgen zur Primärdiagnostik eingesetzt. Häufig stellen Knocheninfarkte einen röntgenologischen Zufallsbefund dar. Das Röntgen ist im Frühstadium jedoch wenig sensitiv, während die MRT zur Frühdiagnose und Ausdehnungsbeurteilung infrage kommt. Die CT kann ergänzend eingesetzt werden, insbesondere zur Darstellung subchondraler Frakturen, kortikaler Veränderungen, Sklerosen und kollabierter Areale sowie zur besseren knöchernen Detailbeurteilung.
Prof. Dr. med. Herbert Kellner
Schwerpunktpraxis für Rheumatologie und Gastroenterologie
und Ärztlicher Leiter der Abteilung Rheumatologie
Romanstr. 9, 80639 München
