Nach Propensity-Score-Matching auf Baseline-Charakteristika schloss die primäre Analyse 13.102 neu auf Tocilizumab und 26.727 auf einen TNFα-Inhibitor eingestellte RA-Patienten ein, in einer sekundären Analyse wurden je 10.414 gematchte Paare von Patienten, die erstmals Tocilizumab oder Abatacept erhielten, verglichen. Zusätzlich waren die Patienten überwiegend auf Methotrexat und Prednison eingestellt. Im Ergebnis war das Gesamtrisiko schwerer Infektionen, die eine Hospitalisierung erforderten, unter Tocilizumab und TNFα-Inhibitoren mit 4,68 versus 3,99 pro 100 Personenjahre (PJ) vergleichbar (Hazard ratio, HR 1,05) und ohne statistisch signifikanten Unterschied. Deutlich erhöht war das Risiko unter Tocilizumab jedoch in Bezug auf schwere bakterielle Infektionen (HR 1,19), Haut- und Weichteilinfektionen (HR 2,38) sowie Divertikulitis (HR 2,34). Jedoch waren andererseits die absoluten Differenzen mit z. B. 0,16 und 0,31 pro 100 Patienten für Haut- und Weichteilinfektionen bzw. Divertikulitis gering.
In der sekundären Analyse war das Gesamtrisiko schwerer Infektionen unter Tocilizumab gegenüber Abatacept erhöht (HR 1,40), gleiches galt für schwere bakterielle Infektionen (HR 1,50), Divertikulitis (HR 1,79), Septikämie/Bakteriämie (HR 1,39) und Pneumonien bzw. Infektionen der oberen Atemwege (HR 1,37).
Für die klinische Praxis lässt sich daraus ableiten, dass bei Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko gerade bei Tocilizumab eine vermehrte Aufmerksamkeit angebracht ist, insbesondere im Hinblick auf weniger häufige Infektionstypen wie Haut- und Weichteilinfektionen sowie Divertikulitis.
Quelle: Ann Rheum Dis 2019; doi: 10.1136/annrheumdis-2018-214367
