SJÖGREN-ERKRANKUNG

Hormonelle Übergänge im Lebensverlauf beeinflussen Prävalenz

Die Sjögren-Erkrankung (SjE) weist eine ausgeprägte weibliche Dominanz auf. Der Einfluss altersbedingter hormoneller Veränderungen auf die Geschlechtsverteilung war bislang jedoch unklar. Die beiden US-amerikanischen Expertinnen Eliza C. Diggins und Melodie L. Weller, Salt Lake City, untersuchten jetzt, ob natürliche hormonelle Übergänge im Lebensverlauf mit Unterschieden in der Häufigkeit der SjE bei Männern und Frauen einhergehen.

In die Analyse gingen elektronische Gesundheitsakten von 101.856 SjE-Patienten und 1,33 Millionen Kontrollen ein. Die geschlechtsspezifische Häufigkeit wurde mit den Serumspiegeln von Testosteron, Estradiol und Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) verglichen.

Die Hormonverteilungen auf Bevölkerungsebene wurden aus der NHANES-Studie mittels Imputation einbezogen. Die Assoziationen zwischen Hormonfluktuationen und Geschlechterverteilung in verschiedenen Altersgruppen wurden mithilfe generalisierter lineare Modelle bewertet.

Im Ergebnis war die männliche SjE-Prävalenz im frühen Kindesalter am höchsten (30,1 %; 95% KI 26,2-34,1), sank deutlich in der späten Pubertät bis ins Erwachsenenalter (9,8 %; 95% KI 9,5-10,2) und stieg bei älteren Erwachsenen wieder an (13,5 %; 95% KI 13,3-13,8).

Diese nicht-linearen Veränderungen spiegelten altersabhängige Muster von Testosteron und Estradiol wider. Die Hormonkonzentrationen unterschieden sich jedoch nicht signifikant zwischen SjE-Patienten und Kontrollen, was darauf hindeutet, dass physiologische Übergänge und nicht abnormale Werte mit dem Krankheitsrisiko zusammenhängen.

FAZIT: Altersabhängige hormonelle Veränderungen korrespondieren mit einer sich wandelnden Geschlechterverteilung bei der SjE und stellen das statische 9:1-Verhältnis von Frauen zu Männern infrage. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung altersbedingter hormoneller Dynamiken für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen.

Quelle: Rheumatology 2026; 65(3): keag087