Es wurde eine Querschnittsanalyse an einer Stichprobe von 4,8 Millionen Versicherten, repräsentativ für die deutsche Bevölkerung, aus der Forschungsdatenbank des InGef (Institut für Gesundheitsforschung Berlin GmbH) durchgeführt. Einschlusskriterien waren ein Alter von ≥50 Jahren, ein durchgehender Versicherungsstatus über einen Basiszeitraum von drei Jahren sowie zwei Folgejahre für die Längsschnittanalyse. Die Ergebnisse wurden zusätzlich auf die deutsche Gesamtbevölkerung extrapoliert. Pro Jahr wurden von 2018 bis 2021 etwa 1,7 Millionen Versicherte in die Studie eingeschlossen.
Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung lag die Inzidenz im Jahr 2021 bei 111 pro 100.000 Personen und die Prävalenz bei 937 pro 100.000 Personen. Die Diagnose wurde überwiegend im ambulanten Bereich gestellt (86,7 %), am häufigsten durch Hausärzte (37,1 %), Internisten (22,2 %), Rheumatologen (11,4 %) und Orthopäden (10,2 %). Nur weitere 21 % der Patienten wurden nach der Diagnose zur Behandlung an einen Rheumatologen überwiesen. Die Behandlung wurde am häufigsten von Hausärzten eingeleitet, gefolgt von Rheumatologen, und umfasste in 19,8 % der Fälle Methotrexat. Zu den häufigsten Komorbiditäten gehörten arterielle Hypertonie (75,9 %), Dyslipidämie (55,0 %), Diabetes mellitus (29,7 %), Osteoporose (27,1 %), koronare Herzkrankheit (23,4 %) und Katarakt (24,3 %). Diese Analyse zeigte, dass die PMR bei Personen ab 50 Jahren in Deutschland deutlich häufiger auftritt als bisher angenommen und oft von Komorbiditäten begleitet wird. Die Diagnose erfolgt primär in der hausärztlichen Versorgung, nur etwa ein Drittel der Patienten wird von Rheumatologen behandelt – dies entgegen der Forderung der aktuellen DGRh-Leitlinie zur PMR, die eine größere Rolle der Rheumatologie (Differenzialdiagnose, z. B. Abgrenzung zur Riesenzellarteriitis, ggf. Verordnung von bDMARDs etc.) anmahnt.
Quelle: Rheumatology 2025; 64(11): 5818-5825
