SJÖGREN-ERKRANKUNG

Deutliche Geschlechtsunterschiede bei Krankheitspräsentation

Mit geschlechtsspezifischen Aspekten der SjE beschäftigten sich auch niederländische Rheumatologen um Suzanne Arends, Groningen. Im Rahmen einer prospektiv-retrospektiven Kohortenstudie wurden Geschlechtsunterschiede bei PROs und klinischen Parametern bei SjE-Patienten untersucht.

Insgesamt 405 konsekutive Patienten mit klinischer Diagnose einer SjE (89 % Frauen), die entweder prospektiv in die RESULT-Kohorte oder retrospektiv ins DiagnoSS-Register aufgenommen wurden und die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2016 erfüllten, wurden einbezogen. PROs zur Bewertung von Sicca-Symptomen, Fatigue, Schmerz und gesundheitsbezogener Lebensqualität (HR-QoL) sowie klinische Parameter wie Speichel- und Tränendrüsenfunktion, Speicheldrüsenultraschall (SGUS) und Biopsieergebnisse, körperliche Untersuchungsbefunde, serologische Parameter, systemische Krankheitsaktivität und Schäden wurden zwischen weiblichen und männlichen Patienten verglichen.

Frauen wiesen einen früheren Symptombeginn (median 37 vs. 51 Jahre), eine längere Diagnoseverzögerung (5 vs. 3 Jahre), schlechtere Werte in den PROs zur Beurteilung von Sicca-Symptomen (z. B. ESSPRI Trockenheit median 7 vs. 5), eine geringere Speicheldrüsenfunktion (z. B. unstimulierte Speichelflussrate <0,1 ml/min: 69 vs. 44 %) und mehr „tender points“ auf als Männer. Der ESSDAI-Gesamtscore unterschied sich zwar nicht zwischen den Geschlechtern, jedoch zeigten Frauen seltener eine pulmonale (1,7 vs. 6,7 %) und periphere neurologische Aktivität (3,4 % vs. 11,1 %) als Männer. Klinische Parameter inklusive Augenuntersuchungen, SGUS, Biopsieparameter, immunologischer Serologie und Organschädigungen (SSDDI) unterschieden sich nicht. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-36, EQ-5D-5L: median 0,76 vs. 0,74) und der PASS-Wert (72 vs. 70 %) waren zwischen den Geschlechtern ebenfalls vergleichbar.

In dieser SjE-Kohorte aus der klinischen Routinepraxis zeigten Patientinnen und Patienten somit unterschiedliche Muster der erlebten Symptome und Krankheitsmanifestationen. Die Gesamtauswirkungen der Erkrankung auf die Lebensqualität waren letztlich jedoch ähnlich.

Quelle: Semin Arthritis Rheum 2026; 78: 152960