SYSTEMISCHER LUPUS ERYTHEMATODES

Dapirolizumab pegol überzeugt in erster Phase-III-Studie

Abb.: PHOENICS GO-Studie: BICLA- (primärer Endpunkt) und SRI-4-Ansprechen auf Dapirolizumab pegol (DZP) vs. Placebo (PBO) zu Woche 48

Abb.: PHOENICS GO-Studie: BICLA- (primärer Endpunkt) und SRI-4-Ansprechen auf Dapirolizumab pegol (DZP) vs. Placebo (PBO) zu Woche 48

Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) gibt es die berechtigte Hoffnung auf eine Ausweitung des Therapiearsenals mit weiteren Biologika. Erstmals auf dem ACR 2024 präsentiert, publizierte nun eine internationale Studiengruppe um Megan E. B. Clowse, Durham (USA), die Ergebnisse der 48-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie PHOENYCS GO zum Einsatz des Anti-CD40L (Ligand)-Inhibitors Dapirolizumab pegol bei moderatem bis schwerem SLE. Bei Dapirolizumab pegol handelt es sich um ein PEG-konjugiertes Fab-Fragment ohne Fc-Domäne, das an den CD40L bindet und neben einer reduzierten B- und T-Zell-Aktivierung zu einer Herunterregulierung von Interferon (IFN)-Signalwegen führt.

In die Studie eingeschlossen wurden 315 Patienten (im Mittel 42 Jahre, 93 % Frauen, mittlere Krankheitsdauer 10 Jahre) mit moderatem bis schwerem SLE (SLEDAI-2K-Score ca. 11; persistierende oder häufig fluktuierende Krankheitsaktivität mit Schüben) trotz stabiler Standardtherapie (SoC) einschließlich Antimalariamitteln (ca. 82 %), Glukokortikoiden (GK; 82 %) und Immunsuppressiva (IS; ca. 63 %). Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 2:1 für 48 Wochen auf i.v. Dapirolizumab pegol (n=208) oder Placebo (n=107) alle 4 Wochen (jeweils plus SoC) randomisiert. Im Anschluss konnten die Patienten in eine Open-labe-Extension übergehen. Primärer Endpunkt war das BILAG-basierte Composite Lupus Assessment (BICLA)-Ansprechen zu Woche 48. Sekundäre Endpunkte umfassten das SLE Responder Index (SRI)-4-Ansprechen zu Woche 48 und die Prävention schwerer BILAG-Schübe bis Woche 48.

DEUTLICHER RÜCKGANG DER KRANKHEITSAKTIVITÄT

Insgesamt 90,1 bzw. 84,3 % der Dapirolizumab pegol oder Placebo (plus SoC) erhaltenden Patienten schlossen die Studie ab. Der primäre Endpunkt wurde erreicht: 49,5 vs. 34,6 % der Patienten zeigten ein BICLA-Ansprechen zu Woche 48 (p=0,0110; Δ14,6 %). Noch größer war die Differenz zugunsten von Dapirolizumab pegol im Hinblick auf das SRI-4-Ansprechen zu Woche 48 mit 60,1 vs. 41,4 % (nominal p=0,0014; Δ18,8 %) (Abb.). Mit 11,6 versus 23,4 % kam es auch bei weniger Patienten zu schweren BILAG-Schüben bis Woche 48 (nominal p=0,0257; Δ11,5 %). In Woche 48 erreichten zudem mit 40,9 vs. 19,6 % (nominal p<0,0001) bzw. 19,2 vs. 8,4 % (nominal p=0,0056 ) mehr Patienten unter Dapirolizumab pegol versus Placebo eine niedrige Krankheitsaktivität (LLDAS) bzw. DORIS-Remission in Woche 48.

Per Protokoll musste bei Patienten mit einer GK-Dosis >7,5 mg/Tag Prednisolonäquivalent bis spätestens Woche 8 ein Tapering auf ≤7,5 mg/Tag gestartet werden. Bei den Patienten mit einer GK-Dosis >7,5 mg/Tag zu Baseline gelang unter Dapirolizumab pegol zu Woche 48 häufiger eine Steroidreduktion auf ≤7,5 mg/Tag (72,4 vs. 52,9 %, nominal p=0,0404; Δ17,1 %). Ein höherer Anteil der Patienten unter Dapirolizumab pegol hatte ≥1 therapieassoziiertes unerwünschtes Ereignis (TEAE; 82,6 vs. 75,0 %), jedoch waren schwerwiegende TEAE seltener (9,9 vs. 14,8 %). Zu opportunistischen Infektionen kam es bei 2,8 vs. 0,9 %, in beiden Gruppen waren schwere Infektionen selten. Bei Patienten mit prädisponierender Anamnese kam es unter Dapirolizumab pegol zu einem thromboembolischen TEAE (Myokardinfarkt) und einem Todesfall (infolge einer Gangrän-assoziierten Sepsis).

FAZIT

Die Ergebnisse bestätigen den potenziellen Stellenwert von Dapirolizumab pegol bei SLE: In Kombination mit einer SoC führte der CD40L-Inhibitor zu einem signifikanten Rückgang der Krankheitsaktivität (BICLA- und SRI-4-Ansprechen) und verbesserten GK-Tapering bei insgesamt guter Verträglichkeit. Von einer Zulassung bei SLE ist man aber noch ein gutes Stück entfernt, eine weitere Phase-III-Studie namens PHOENICS FLY (deren Abschluss 2027 erwartet wird) läuft derzeit noch.

Quelle: Lancet 2026; 407(10545): 2291-2304