Bei spätem Beginn Verwechslungsgefahr mit PMR

Die Polymyalgia rheumatica (PMR) ist eine altersassoziierte entzündliche Erkrankung mit Beteiligung des Schulter- und Beckengürtels. In der MRT zeigt sich eine extrakapsuläre/entheseale Beteiligung des Weichgewebes sowohl bei PMR als auch bei SpA, wobei ein Knochenmarködem (BME) im Bereich der Sakroiliakalgelenke und der perienthesealen Wirbelsäule charakteristisch für SpA ist. Die gemeinsame anatomische Lokalisation kann zu ähnlichen klinischen Merkmalen führen. Britische Rheumatologen um Dennis McGonagle, Leeds, beschrieben jetzt die Charakteristika von zunächst als PMR diagnostizierten SpA-Patienten.

Patienten mit Diagnose einer PsA oder axialen SpA wurden daraufhin untersucht, ob sie zunächst als PMR diagnostiziert wurden. Es wurden nur Patienten eingeschlossen, die retrospektiv die EULAR/ACR-Klassifikationskriterien von 2012 oder die Bird et al.-Kriterien für PMR erfüllten. Es wurden klinische Daten zur initialen PMR-Diagnose, Bildgebung, dem weiteren Follow-up und der Therapie erhoben, ebenso wie radiologische oder MRT-Befunde, die schließlich zur endgültigen Diagnose führten.

Insgesamt 31 Patienten (median 62 Jahre, 55 % Frauen) mit typischen PMR-Schulter-/Beckengürtelschmerzen wurden später als SpA-Spektrum-Erkrankungen klassifiziert. Die SpA-Diagnose wurde bei 12 Patienten innerhalb von drei Monaten nach Vorstellung und bei 19 im weiteren Verlauf nach median 3 Jahren gestellt. 15 % der getesteten Patienten waren HLA–B27-positiv. Ein BME in der MRT fand sich in 80 % der Fälle, im Bereich der Wirbelsäule (60 %) und/oder der Sakroiliakalgelenke (68 %). Eine klinische Besserung mit CRP-Normalisierung trat bei 68 % nach initialer Glukokortikoid (GK)-Therapie ein, wobei es bei einem Drittel dieser Patienten später zu einem Schub oder erneuten CRP-Erhöhung kam. 68 % aller Patienten erhielten DMARDs: 26 % csDMARDs, 35 % einen TNF- oder Interleukin-17-Inhibitor, die übrigen 32 % bekamen ≤10 mg/Tag GK.

Spät einsetzende SpA mit PMR-typischer klinischer Präsentation ist durch Therapieversagen oder Schwierigkeiten beim Ausschleichen von GK gekennzeichnet und wird häufig durch SpA-spezifische Osteitis-Muster im MRT erkannt. Womöglich könnte ein PMR–SpA-Overlap zur Wirksamkeit bestimmter Biologika bei steroidrefraktärer PMR beitragen.

Quelle: Arthritis Rheumatol 2026; 78(1): 131-140