In der Abwägung wurde mir aber klar: Ich möchte mich nicht auf ein Organ fokussieren, sondern mich mit Erkrankungen beschäftigen, welche verschiedene Organe und das gesamte körperliche System befallen können. Die Differenzialdiagnostik soll so breit wie möglich bleiben. Es soll ein innovatives Fach sein, in welchem sich von Seiten der Forschung über Pathophysiologie und Therapieansätzen viel tut. Und es soll ein Schwerpunkt sein, welcher Optionen bietet, stationär und ambulant zu arbeiten. Ich wollte die Freiheit, jederzeit mein Arbeitsumfeld ändern und beeinflussen zu können, nicht aufzugeben. So kam es, dass ich mich bewusst für die Rheumatologie entschieden habe!
Ich habe all die Jahre ab dem Studium gerne in der Klinik gearbeitet und profitiere sehr von dem Wissen und der Erfahrung, welche ich in der inneren Medizin allgemein, der Notfallmedizin, der stationären Rheumatologie, der Geriatrie und von den verschiedenen Weiterbildern erlangen durfte. In der Rheumatologie wurde ich Oberärztin, dann leitende Oberärztin, habe selbst weitergebildet und war an der Personal- und Abteilungsführung beteiligt.
Über die Zeit meiner Kliniktätigkeit hinweg haben sich die äußeren Rahmenbedingungen geändert. Der Stellenwert der Ökonomie wurde stärker. Die Spannung zwischen Ökonomie, den Vorgaben der Klinikverwaltung und der Personalführung, dem Stellwert der Zeit, welche für Weiterbildung eingesetzt wird und fürs Gespräch mit den Patientinnen und Patienten wurde größer und damit auch der wachsende Wunsch, mehr selbst gestalten, strukturieren und entscheiden zu können.
In genau dieser Situation kam das Angebot, einen Praxissitz zu übernehmen. Unser jüngstes Kind war damals erst zwei Jahre alt und ich habe mir die Entscheidung über die Selbständigkeit als Mutter mit drei kleinen Kindern wirklich nicht leicht gemacht!
Es war aber klar, dass dies auf lange Sicht die einzige Möglichkeit sein wird, sich in unserem Wohnort Baden-Baden niederzulassen und wir leben hier als Familie sehr gerne. Nach reiflicher Überlegung, auch zusammen mit meinem Mann, Gesprächen mit dem sitzabgebendem Kollegen und Ausarbeitung eines Finanzierungskonzepts war für mich klar: Ja, das mache ich!!
Es ergab sich dann noch die Möglichkeit, mich mit meinem jetzigen Praxispartner, Christoph Fiehn, der zu dem Zeitpunkt bereits zwei Jahre niedergelassen war und den ich gut aus den Jahren an der Rheumaklinik Baden-Baden kannte, zu einer Berufsausübungsgemeinschaft zusammenzuschließen. Es bestand am Praxisstandort auch ein bereits durch ihn aufgebautes Immunlabor, in welches ich einsteigen konnte und im dortigen Ärztehaus ergab sich die Möglichkeit, die Praxisräume zu erweitern. Wir haben zu Hause eine Kinderfrau in fester Anstellung als Ergänzung zu Grundschule und KiTa für die ersten Jahre gefunden. Und die Banken sind auf das vorgelegte Finanzierungskonzept eingegangen, heißt auch, ich konnte von der damaliger Niedrigzinsphase für den Praxiskredit profitieren.
Mittlerweile blicke ich auf sechs gute Jahre Niederlassung zurück und bin glücklich und zufrieden mit meiner Entscheidung! Ich arbeite nicht weniger als in der Klinik, phasenweise eher mehr und dichter. Und natürlich gibt es im ambulanten Bereich ebenso Vorgaben, reichlich Regularien und ökonomische Zwänge. Aber ich genieße für mich sehr die Freiheit und die Möglichkeit, selbst gestalten zu können, selbst Entscheidungen nicht nur bezüglich medizinischer Themen, sondern auch Personalführung und der Ökonomie in einem kleinen Zweier-Führungsteam mit gegenseitiger Wertschätzung und auf immer konstruktiver Basis zu treffen.
Die Praxis ist in diesen Jahren gewachsen, wir haben investiert und konnten Ärztinnen sowie mehr Praxis- und Labormitarbeiterinnen einstellen. Hierbei einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben und sich gegenseitig zu inspirieren, ist Gold wert.
Ein Unternehmen will geführt sein. Man darf sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Es gibt neben der eigentlichen Patientenversorgung immer weitere Aufgaben zu bewältigen. Wer aber gerne bereit ist, das Heft in die Hand zu nehmen, Freude daran hat, Themen zu durchdenken, sich Lösungen zu überlegen, Personal zu führen, der und dem kann ich den Schritt in die Niederlassung nur empfehlen!
DR. JUTTA BAUHAMMER
MEDICAL CENTER BADEN-BADEN,
BEETHOVENSTRASSE 2,
76530 BADEN-BADEN
