AXIALE SPONDYLOARTHRITIS
OLINGUITO: FILGOTINIB VERBESSERT KRANKHEITSAKTIVITÄT
In der Phase-III-Studie OLINGUITO wurde der selektive JAK-1-Inhibitor Filgotinib bei aktiver axSpA untersucht. Das Studienprogramm umfasste zwei internationale, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien: eine bei r-axSpA mit 258 und eine bei nr-axSpA mit 237 Patienten. Die Teilnehmenden erhielten Filgotinib 200 mg 1x täglich oder Placebo bis Woche 16; anschließend wurden alle Patienten offen mit Filgotinib bis Woche 52 weiterbehandelt.
Der primäre Endpunkt eines ASAS40-Ansprechens in Woche 16 wurde in beiden Studien erreicht. Bei r-axSpA erzielten 39,5 % der mit Filgotinib behandelten Patienten ein ASAS40-Ansprechen gegenüber 20,9 % unter Placebo (p=0,001). Bei nr-axSpA betrugen die ASAS40- Ansprechraten 34,5 % versus 17,8 % (p=0,003). Das Ansprechen trat früh ein, bereits ab Woche 1, und nahm bis Woche 52 weiter zu (Abb. 1). Von den Patienten, die in Woche 16 ein ASAS40-Ansprechen erreicht hatten, hielten 84,6 % in der r-axSpA- und 78,0 % in der nr-axSpA-Gruppe dieses bis Woche 52 aufrecht. Auch wichtige sekundäre Endpunkte unterstützten diese Befunde. Bei r-axSpA zeigten sich signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo im ASDAS, im SPARCC-MRT-Score der Sakroiliakalgelenke (SIG), im BASFI und in der ASQoL. Bei nr-axSpA waren die Verbesserungen im ASDAS und im SPARCC-MRT-Score der SIG signifikant, während BASFI, BASMI und ASQoL numerisch zugunsten von Filgotinib ausfielen. Die Sicherheit bis Woche 52 entsprach dem bekannten Profil von Filgotinib. (1)
Die Daten bestätigen die Wirksamkeit der selektiven JAK-1-Hemmung über das gesamte Spektrum der axialen Spondyloarthritis. Klinisch relevant ist insbesondere, dass neben der Symptomverbesserung auch eine Reduktion objektiver Entzündungszeichen im MRT gezeigt wurde. Damit stärken die Ergebnisse die Evidenz für JAK-Inhibitoren als orale Therapie bei axSpA. Gleichzeitig bleibt die praktische Bedeutung von Filgotinib abhängig von der regulatorischen Entwicklung und der jeweiligen Verfügbarkeit in dieser Indikation.
FASTLANE: TOFACITINIB EFFEKTIV BEI FRÜHER ERKRANKUNG
Die FASTLANE-Studie untersuchte erstmals gezielt eine fortgeschrittene Therapie bei früher aktiver axSpA, definiert als Rückenschmerzdauer ≤2 Jahre. Eingeschlossen wurden Betroffene mit aktiver Erkrankung (BASDAI ≥4 und BASDAI-Frage 2 ≥4), Erfüllung der ASAS-Klassifikationskriterien, objektiven Entzündungszeichen im MRT der SIG oder erhöhtem CRP sowie unzureichendem Ansprechen auf ≥1 NSAR, die Biologika- und tsDMARD-naiv waren. In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-IV-Studie wurden 107 Patienten 1:1 zu Tofacitinib 5 mg 2x täglich oder Placebo randomisiert, jeweils zusätzlich zu Naproxen 500 mg 2x täglich. Patienten ohne frühes Ansprechen in Woche 4 wechselten in eine offene Tofacitinib-Behandlung bis Woche 16. Primärer Endpunkt war eine inaktive Erkrankung nach ASDAS-ID (ASDAS <1,3) in Woche 16; der wichtigste sekundäre Endpunkt war die Veränderung des SPARCC-Osteitis-Scores im MRT der SIG. In Woche 16 erreichten signifikant mehr Patienten unter Tofacitinib eine ASDAS-ID als unter Placebo (26,4 vs. 7,4 %; p=0,006). Auch mehrere sekundäre Endpunkte fielen zugunsten von Tofacitinib aus, darunter ASDAS niedrige Krankheitsaktivität, ASDAS klinisch relevante und größere Verbesserung, ASAS20, ASAS40 und ASAS-Teilremission. Die Verbesserung des Rückenschmerzes war ebenfalls stärker ausgeprägt. Der SPARCC-MRT-Osteitis-Score der SIG verbesserte sich numerisch stärker unter Tofacitinib als unter Placebo (–8,86 vs. –6,31; p=0,062). Die Sicherheit entsprach dem bekannten Profil von Tofacitinib. (2)
Die Studie ist klinisch relevant, weil sie erstmals bei früher aktiver axSpA das Konzept einer frühen gezielten Therapie adressiert und zeigt, dass Tofacitinib zusätzlich zu NSAR die Remissionswahrscheinlichkeit gegenüber Placebo erhöhen kann. Kritisch zu sehen ist jedoch, dass der zentrale bildgebende MRT-Endpunkt nur numerisch verbessert wurde. Zudem erschwert das frühe Switching von Non-Respondern in Woche 4 die Interpretation. Insgesamt stützen die Daten die Wirksamkeit der JAK-Hemmung bei axSpA, werfen aber zugleich die Frage auf, welche Patienten mit früher Erkrankung tatsächlich eine frühe tsDMARD-Therapie benötigen und wie sich ein solches Vorgehen langfristig auf Krankheitsverlauf, strukturelle Progression und Sicherheit auswirkt.
S-OLARIS: ERSTE DATEN ZU SONELOKIMAB
Sonelokimab ist ein Nanobody, der sowohl IL-17A als auch IL-17F mit hoher Affinität hemmt. Aufgrund seiner geringen Molekülgröße von etwa 40 kDa und seiner Albuminbindung soll die Substanz eine verbesserte Gewebeverteilung in entzündeten Gelenkstrukturen ermöglichen. In der S-OLARIS-Studie wurde Sonelokimab erstmals bei aktiver axSpA untersucht, ergänzt durch MRT und ¹⁸F-NaF-PET/MRT zur Erfassung osteoblastischer Aktivität. In die einarmige, offene Phase-II-Proof-of-Concept-Studie über 12 Wochen eingeschlossen wurden 26 Patienten mit r-/nr-axSpA nach den ASAS-Kriterien, einem BASDAI ≥4 trotz NSAR sowie aktiver Erkrankung sowohl im MRT als auch in der ¹⁸F-NaF-PET-Bildgebung. Sonelokimab wurde in einer Dosierung von 60 mg in den Wochen 0, 2, 4, 6 und 8 verabreicht. Primärer bildgebender Endpunkt war die Veränderung des korrigierten ¹⁸F-NaF-SUVmax-Signals als Marker pathologischer osteoblastischer Aktivität; zusätzlich wurden SPARCC-MRT-Scores der SIG und der Wirbelsäule sowie klinische Endpunkte erhoben.
Die bildgebenden Analysen zeigten konsistente Veränderungen vor allem an den SIG. Nach 12 Wochen zeigte sich in der ¹⁸F-NaF-PET eine 44%ige Reduktion des korrigierten SUVmax-Signals an den SIG. Der SPARCC-MRT-Score der SIG nahm signifikant ab. An der Wirbelsäule war die Ausgangsaktivität im MRT und in der PET insgesamt niedriger; dennoch wurde im SPARCC-MRT-Score eine kleinere, aber signifikante Verbesserung berichtet. Klinisch erreichten 81 % der Teilnehmenden in Woche 12 ein ASAS40-Ansprechen und 54 % eine ASAS-Teilremission. Der ASDAS verbesserte sich im Mittel um 2,0 Punkte, 58 % erreichten eine größere Verbesserung im ASDAS. Auch BASDAI und BASFI verbesserten sich deutlich. Sonelokimab wurde insgesamt gut vertragen. (3)
Kritisch einzuordnen ist, dass es sich um eine kleine Proof-of-Concept-Studie handelt. Die hohen klinischen Ansprechraten sind daher nicht direkt mit placebokontrollierten Studien zu IL-17-Inhibitoren vergleichbar und können durch Selektion, Regression zur Mitte und Erwartungseffekte mitbeeinflusst sein. Besonders interessant ist jedoch der Einsatz der ¹⁸F-NaF-PET/MRT, da diese potenziell pathologische osteoblastische Aktivität abbildet und damit über die reine Entzündungsbildgebung hinausgeht. Ob die beobachtete Reduktion des PET-Signals tatsächlich eine relevante Reduktion struktureller Progression widerspiegelt, kann nur in größeren, kontrollierten und längerfristigen Studien geklärt werden. Insgesamt liefern die Daten ein interessantes frühes Signal für Sonelokimab bei axSpA, erlauben aber noch keine belastbare Aussage im Vergleich zu etablierten IL-17A- oder IL-17A/F-Inhibitoren.
SPARTACUS: FRÜHE TNF-BLOCKADE BEI PERIPHERER SPA
Die SPARTACUS-Studie untersuchte, ob bei früher aktiver peripherer SpA (pSpA) eine sofortige TNF-Inhibition wirksamer ist als eine konventionelle csDMARD-Step-up-Strategie. Hintergrund ist die bisherige Empfehlung, zunächst NSAR und anschließend csDMARDs wie Methotrexat (MTX) oder Sulfasalazin einzusetzen, während Biologika meist Fällen mit unzureichendem Ansprechen vorbehalten bleiben. In die prospektive, randomisierte, aktiv kontrollierte, doppelblinde Phase-III-Studie wurden 97 Patienten mit neu diagnostizierter, aktiver pSpA eingeschlossen. Voraussetzung war eine Symptomdauer ≤1 Jahr, Erfüllung der ASAS-Klassifikationskriterien für pSpA sowie aktuelle Arthritis, Enthesitis oder Daktylitis plus ≥1 weiteres SpA-Merkmal. Die Patienten wurden 1:1 randomisiert zu Golimumab 50 mg s.c. alle 4 Wochen oder MTX 15 mg/Woche, mit Eskalation auf 20 mg/Woche ab Woche 4 bei Verträglichkeit. Den primären Endpunkt klinische Remission in Woche 24, definiert als vollständiges Fehlen von Arthritis, Daktylitis und Enthesitis, erreichten 60 % im Golimumab-Arm gegenüber 33 % im csDMARD-Step-up-Arm (p=0,003). Auch eine anhaltende klinische Remission wurde häufiger unter der TNF-Inhibition erreicht (42 vs. 18 %, p=0,006). (4)
Die SPARTACUS-Studie liefert wichtige Evidenz dafür, dass bei früher aktiver pSpA eine unmittelbare TNF-Inhibition einer klassischen csDMARD-Step-up-Strategie kurzfristig überlegen sein kann. Klinisch relevant ist insbesondere die Frage, ob durch eine sehr frühe effektive Entzündungskontrolle ein therapeutisches Zeitfenster genutzt werden kann, in dem Remission häufiger erreichbar ist. Kritisch bleibt jedoch, dass die bisher präsentierten Daten nur den 24-Wochen-Zeitraum abbilden. Ob die frühe TNF-Blockade tatsächlich zu langfristiger, therapiefreier Remission führt, muss erst durch die längere Nachbeobachtung gezeigt werden. Zudem bestand fast die Hälfte der Kohorte aus Patienten mit Psoriasis, sodass ein relevanter Anteil möglicherweise eine frühe PsA mit peripherem SpA-Phänotyp hatte. Die Übertragbarkeit auf alle pSpA-Subgruppen bleibt daher zu prüfen, und ebenso, welche Patienten tatsächlich eine frühe Biologika-Induktion benötigen.
PSORIASIS-ARTHRITIS
BE BOLD-STUDIE: BIMEKIZUMAB VERSUS RISANKIZUMAB
Die BE BOLD-Studie ist die erste direkte Head-to-Head (H2H)-Studie, die mit Bimekizumab einen monoklonalen IL-17A/F-Inhibitor mit einem selektiven IL-23-Inhibitor, Risankizumab, bei aktiver PsA vergleicht. Insgesamt wurden 553 Patienten mit aktiver PsA nach den CASPAR-Kriterien, ≥3 druckschmerzhaften und geschwollenen Gelenken, die entweder Biologika-naiv waren oder ein unzureichendes Ansprechen bzw. eine Unverträglichkeit gegenüber einem vorherigen TNF-Inhibitor aufwiesen, auf Bimekizumab (n=277) oder Risankizumab (n=276) randomisiert. Im primären Endpunkt ACR50-Ansprechen nach 16 Wochen zeigte sich Bimekizumab Risankizumab signifikant überlegen mit 49,1 versus 38,4 % (p=0,0078) (Abb. 2). Eine minimale Krankheitsaktivität (MDA) erreichten in Woche 16 unter Bimekizumab und Risankizumab 43,0 gegenüber 39,9 %; dieser Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant (p=0,4408), sodass die hierarchische Testung an dieser Stelle endete. Entsprechend sind die folgenden Ergebnisse formal deskriptiv zu interpretieren. Dazu gehörten der ACR50 plus PASI100 bei Patienten mit relevanter Hautbeteiligung (33,5 vs. 24,4 %), ein frühes ACR50-Ansprechen in Woche 4 (19,9 vs. 7,2 %) und eine DAPSA-Remission oder niedrige Krankheitsaktivität in Woche 16 (65,3 vs. 54,7 %). Das Sicherheitsprofil war insgesamt vergleichbar. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (UE) waren selten (1,8 vs. 2,9 %), auch Therapieabbrüche aufgrund von UE waren niedrig und in beiden Gruppen gleich häufig. (5)
Klinisch ist die Studie wichtig, da sie erstmals in einem H2H-Vergleich einen signifikanten Vorteil eines IL-17A/F- gegenüber einem IL-23-Inhibitor für einen gelenkbezogenen primären Endpunkt bei PsA zeigt. Der Unterschied von mehr als 10 Prozentpunkten im ACR50 ist relevant und passt mechanistisch zur zentralen Rolle der IL-17-Achse bei muskuloskelettalen Manifestationen. Gleichzeitig muss die Interpretation differenziert bleiben: Die MDA als zweiter hierarchisch getesteter Endpunkt wurde nicht signifikant erreicht, sodass die weiteren Vorteile formal nur deskriptiv sind. Zudem bildet der Zeitraum von 16 Wochen primär frühes Ansprechen ab; IL-23-Inhibitoren können in manchen Domänen langsamer wirken, sodass längerfristige Daten serforderlich sind, um Dauerhaftigkeit, strukturelle Effekte und differenzierte Subgruppen – etwa hautdominante versus gelenkdominante PsA – besser einzuordnen. Insgesamt stärkt BE BOLD jedoch die Position von Bimekizumab als wirksame Option bei aktiver PsA, insbesondere wenn ein rasches und ausgeprägtes Gelenkansprechen im Vordergrund steht.
GLP-1-RA: ZUGLEICH GEWICHT, SCHMERZ UND KRANKHEITSAKTIVITÄT ADRESSIEREN
Zwei Arbeiten adressierten die Frage, ob GLP-1-Rezeptoragonisten (RA) bzw. duale GLP-1/GIP-Agonisten bei PsA über die reine Gewichtsreduktion hinaus einen relevanten Einfluss auf Krankheitsaktivität und Schmerz haben könnten. Hintergrund ist die hohe Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei PsA sowie deren negativer Einfluss auf Krankheitslast, kardiometabolisches Risiko und Therapieansprechen.
In der ersten Analyse wurde innerhalb einer longitudinalen PsA-Kohorte aus Toronto eine verschachtelte Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Eingeschlossen wurden 74 Betroffene mit PsA nach den CASPAR-Kriterien, die eine Therapie mit GLP-1-RA oder dualen GLP-1/GIP-Agonisten begonnen hatten und ≥1 Jahr behandelt wurden. Diese wurden 1:1 mit Kontrollen ohne GLP-1-RA-Therapie gematcht, u. a. nach BMI, cDAPSA und Kalenderjahr. Die Ausgangswerte waren hinsichtlich BMI und cDAPSA vergleichbar, Diabetes war jedoch erwartungsgemäß häufiger in der GLP-1-RA-Gruppe. In adjustierten linearen Mixed Models war die GLP-1-RA-Therapie pro Behandlungsmonat mit signifikanten Reduktionen von cDAPSA, DAPSA und Schmerz assoziiert. Bemerkenswert war, dass diese Assoziationen nach zusätzlicher Adjustierung für die BMI-Veränderung bestehen blieben oder sogar stärker wurden. Für CRP, geschwollene oder druckschmerzhafte Gelenke sowie PASI zeigte sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang. (6)
Die zweite Arbeit, TOGETHER-PsA, untersuchte in einer randomisierten Phase-IIIb-Studie Patienten mit aktiver PsA und Adipositas bzw. Übergewicht mit ≥1 gewichtsassoziierten Komorbidität. Verglichen wurde Ixekizumab plus Tirzepatid mit Ixekizumab allein, jeweils begleitet durch individualisierte Beratung zu Ernährung und körperlicher Aktivität. Insgesamt wurden 138 bzw. 133 Patienten in den Kombinations- respektive in den Ixekizumab-Arm randomisiert; die mittleren BMI-Werte lagen bei 37,2 bzw. 38,4 kg/m². Primärer Endpunkt war das kombinierte Erreichen von ACR50 und ≥10 % Gewichtsreduktion in Woche 36. Dieser wurde bei 31,7 % unter Ixekizumab plus Tirzepatid gegenüber 0,8 % unter Ixekizumab allein erreicht (p<0,001). Auch das ACR50-Ansprechen war bereits in Woche 4 numerisch bzw. statistisch zugunsten der Kombination unterschiedlich (11,1 vs. 3,9 %) und blieb bis Woche 36 höher (33,5 vs. 20,4 %). Vorteile zeigten sich zudem bei DAPSA, DAPSA-LDA/Remission und MDA; unerwünschte Ereignisse waren überwiegend mild bis moderat und entsprachen den bekannten Profilen der eingesetzten Substanzen. (7)
Beide Arbeiten sprechen dafür, dass die Behandlung von Adipositas bei PsA nicht nur aus kardiometabolischer Perspektive relevant ist, sondern auch mit einer Verbesserung von Schmerz und Krankheitsaktivität einhergehen kann. Besonders interessant ist die Beobachtung aus der Kohortenanalyse, dass Effekte auf cDAPSA, DAPSA und Schmerz auch nach Adjustierung für Gewichtsveränderung bestehen blieben. Dies könnte auf zusätzliche schmerzmodulierende Effekte von GLP-1-basierten Therapien hinweisen. In TOGETHER-PsA ist der Nachweis klinisch relevanter Vorteile durch das randomisierte Design stärker, allerdings kombiniert der primäre Endpunkt explizit ein PsA-Ansprechen mit Gewichtsreduktion und begünstigt damit zwangsläufig den Tirzepatid-Arm. Zudem bleibt offen, in welchem Ausmaß die besseren PsA-Outcomes durch Gewichtsverlust, veränderte Schmerzperzeption, metabolische Effekte oder direkte immunologische Mechanismen erklärt werden. Dennoch markieren diese Daten einen wichtigen Schritt hin zu einer stärker komorbiditätsorientierten PsA-Therapie, bei der Adipositas nicht nur als Risikofaktor, sondern als potenziell behandelbarer Bestandteil der Krankheitslast verstanden wird.
PASTOR: TOFACITINIB BEI AXIALER PSA
Die PASTOR-Studie adressierte eine relevante Evidenzlücke: Für die axiale PsA (axPsA) liegen bislang kaum prospektive, randomisierte Daten (abgesehen von der MAXIMISE-Studie mit Secukinumab) vor; die meisten Therapieempfehlungen werden aus axSpA-Studien oder Post-hoc-Analysen von PsA-Studien mit uneinheitlicher Definition einer axialen Beteiligung abgeleitet. In PASTOR wurden dagegen PsA-Patienten mit objektiv mittels MRT bestätigter axialer Entzündung eingeschlossen. Voraussetzung waren chronischer Rückenschmerz, ein BASDAI ≥4, Rückenschmerz ≥4 im BASDAI-Item 2 sowie aktive Entzündung im MRT der SIG und/oder der Wirbelsäule trotz unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit gegenüber ≥2 NSAR.
In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten multizentrischen Studie, die leider wegen der langsamen Rekrutierung vorzeitig beendet wurde, erhielten 14 Patienten Tofacitinib 5 mg 2x täglich und 12 Patienten Placebo über 12 Wochen; anschließend folgte eine offene Tofacitinib-Phase bis Woche 24. Unter Tofacitinib verbesserten sich die MRT-Entzündungszeichen stärker als unter Placebo. Auch klinisch zeigten sich konsistente Vorteile zugunsten von Tofacitinib. In Woche 12 erreichten 36 % der Patienten unter Tofacitinib ein ASAS40-Ansprechen gegenüber 0 % unter Placebo. Die ergänzende Bayesian-Analyse ergab über verschiedene Prior-Annahmen hinweg konsistente Effektschätzungen zugunsten von Tofacitinib und posteriori Wahrscheinlichkeiten für einen MRT-Behandlungsvorteil von über 85 %. Für den ASAS40 in Woche 12 lag die posteriori Wahrscheinlichkeit eines klinischen Behandlungsvorteils in allen Modellen über 95 %. (8, 9)
Kritisch bleibt, dass PASTOR aufgrund der kleinen Fallzahl nicht als definitive Wirksamkeitsstudie interpretiert werden kann. Die Konfidenz- und Kredibilitätsintervalle sind breit, und die frequentistische Primäranalyse des MRT-Endpunkts erreichte keine statistische Signifikanz. Dennoch ist die Studie wichtig, weil sie erstmals prospektiv-randomisierte Daten bei axPsA mit objektiv bestätigter axialer Entzündung liefert. Besonders relevant ist, dass sowohl klinische als auch MRT-basierte Endpunkte in die gleiche Richtung zeigen. Die Ergebnisse sprechen somit für ein therapeutisches Signal der JAK-Inhibition bei axialer PsA. Zunächst bedarf es größerer kontrollierter Studien mit standardisierter Definition einer axialen PsA, ausreichender Fallzahl und längerer Beobachtung, bevor daraus klare Therapieempfehlungen abgeleitet werden können.
Prof. Dr. med. Denis Poddubnyy
Division of Rheumatology, Department of Medicine,
University Health Network and University of Toronto,
Toronto, Kanada
Med. Klinik m. S. Gastroenterologie, Infektiologie und
Rheumatologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Quellen: 1 Baraliakos X et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s202 (OP0234) | 2 Rios Rodriguez V et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s210 (OP0241) |3 Lalazi B et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s304 (LB0002) | 4 Carron P et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s91 (OP0107) | 5 McInnes IB et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s303 (LB0001) | 6 Mehta P et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s62 (OP0074) | 7 Coates LC et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s56 (OP0069) | 8 Haibel H et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 Suppl1): s353 (POS0049) | 9 Redeker I et al., Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl 1): s1887 (AB0758)
