RHEUMA-AKTIONSPLAN IN RHEINLAND-PFALZ

Stärkung der rheumatologischen Weiterbildung – ein Modell mit Signalwirkung

Prof. Dr. Andreas Schwarting, Universitätsklinikum Mainz und Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz

Prof. Dr. Andreas Schwarting, Universitätsklinikum Mainz und Katharina Heil, Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz

Mit dem neuen Rheuma-Aktionsplan Rheinland-Pfalz setzt das Bundesland ein deutliches Zeichen für eine bessere Versorgung von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Ein Kernstück ist die gezielte Förderung der stationären fachärztlichen Weiterbildung in der Rheumatologie. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V. (DGRh) begrüßt diese Initiative und gratuliert dem Initiator, Prof. Dr. Andreas Schwarting, Mainz, Präsident des Deutschen Rheumatologiekongresses 2025, zu diesem Erfolg.

Der Aktionsplan zielt ab auf eine bessere Versorgung, indem die Diagnose beschleunigt wird, auch durch Telemedizin, mit modernen Therapien und einem starken Netzwerk zwischen ärztlichen Fachrichtungen. Denn die Engpässe in der rheumatologischen Versorgung sind bekannt, es fehlt an Fachärztinnen und -ärzten obwohl rund zwei Millionen Menschen in Deutschland an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden. Dem trage die Landesregierung Rechnung und stärke mit dem „Aktionsplan zur Stärkung der rheumatologischen Versorgung in Rheinland-Pfalz“ die Versorgung der Betroffenen, erläuterte Gesundheitsminister Clemens Hoch in einer Pressemeldung des Ministeriums: „So werden wir etwa Medizinstudierenden in der Unimedizin im Rahmen des praktischen Jahres ab dem Wintersemester 2025/26 ein Wahlfach Rheumatologie anbieten.“

Rheumatologie als Wahlfach, mehr Weiterbildungsstellen

Erstmals wird die Weiterbildung im Krankenhaus über den eigenen Bedarf hinaus gefördert – ein Paradigmenwechsel für die ärztliche Qualifizierung: Rheinland-Pfalz unterstützt künftig die stationären Einsatzzeiten von ärztlichen Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten in der Rheumatologie. Kliniken können dadurch zusätzliche Weiterbildungsstellen schaffen und mehr Nachwuchs ausbilden. Konkret fördert das Land die stationäre Einsatzzeit gemäß der Weiterbildungsordnung 2022 der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz von mindestens drei Jahren. Für fünf stationäre Weiterbildungsstätten werde je eine zusätzliche Weiterbildungsstelle pro Jahr für drei Jahre ermöglicht. Das Gesamtvolumen beträgt 1 Million Euro. Für die Umsetzung ist eine Vereinbarung nötig, die die bisherigen Kapazitäten berücksichtigt und die neue „Zusatzweiterbildungsstelle“ klar verankert.

Die DGRh sieht in dem Programm ein starkes Signal für Patientinnen und Patienten wie auch für die Facharztweiterbildung. Zusätzliche geförderte Stellen verbessern die Qualifizierung junger Ärztinnen und Ärzte und wirken einem sich zuspitzenden Mangel an Rheumatologinnen und Rheumatologen entgegen. Die Maßnahme stärkt die Fähigkeiten der Kliniken und kommt zugleich der ambulanten und stationären Versorgung zugute. „Rheinland-Pfalz zeigt, wie Politik rheumatologische Weiterbildung zielgerichtet stärken kann. Wer heute in Weiterbildung investiert, schließt morgen Versorgungslücken“, betonte Prof. Dr. Ulf Wagner, Präsident der DGRh. Die Fachgesellschaft regt alle Bundesländer an, dem Beispiel zu folgen. Eine bundesweit abgestimmte Förderung der rheumatologischen Weiterbildung ist entscheidend, um die Versorgung dauerhaft zu sichern. Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen brauchen spezialisierte ärztliche Expertise – diese entsteht durch verlässliche, gut ausgestattete Weiterbildungsstrukturen. Die DGRh dankt Prof. Dr. Andreas Schwarting für sein Engagement und würdigt den Rheuma-Aktionsplan Rheinland-Pfalz als Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung weit über das Bundesland hinaus.

TELE-RHEUMA plus: Enge Kooperation mit Hausärzten

Ein weiterer, ebenfalls nachahmenswerter Baustein des Aktionsplans ist das Projekt TELE-RHEUMA plus, bei dem telemedizinische Rheuma-Sprechstunden in Hausarztpraxen auf dem Land angeboten werden – dies könnte gerade in Flächenländern den bestehenden Mangel an Rheumatologinnen und Rheumatologen zumindest teilweise abfedern. Denn bei der frühzeitigen Diagnose und Behandlung können die Hausärztinnen und Hausärzte bei Rheumaerkrankungen eine wichtige Rolle einnehmen.

Das Projekt „TELE-RHEUMA plus – Gemeinsam versorgen: Rheumatologische Expertise für die hausärztliche Praxis“ der Universitätsmedizin Mainz ist bereits im Juli dieses Jahres an den Start gegangen. Ziel des Projektes ist es, durch Schulung und regelmäßige rheumatologisch-fachärztliche Tele-Rheuma-Konferenzen zwischen Hausärztinnen und -ärzten und der Rheumatologie der Universitätsmedizin Mainz die Frühdiagnose und Versorgung zu verbessern. Das ebenfalls von der Landesregierung geförderte Projekt ‚Rheuma plus Präzision‘ ergänzt das TELE-RHEUMA plus-Projekt sinnvoll, da es darauf abzielt, Betroffene nach der Diagnose möglichst schnell in eine optimierte Ersttherapie zu überführen. Das Land fördert das Projekt an der Universitätsmedizin Mainz mit rund 333.300 Euro.

Quellen: Pressemitteilungen des Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit in Rheinland-Pfalz und der DGRh,
2./13. Oktober 2025