RÜCKBLICK AUF DEN EULAR-KONGRESS 2026

Neue Therapieoptionen und Leitlinien im Fokus

Prof. Dr. Xenofon Baraliakos

Prof. Dr. Xenofon Baraliakos

Der Kongress der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) im ExCeL in London bot erneut Superlative. Mit über 14.000 Teilnehmern aus 120 Ländern, 187 Scientific Sessions, 358 Oral Abstracts und 1.393 Postern, je einer Late-breaking-Abstract- und EULAR-Leitlinien-Session, klinischen und Grundlagen-Sitzungen, den HOT- und WIN- sowie Practical Skills-Sessions, EULAR-Debatten und dem „Meet the EULAR Expert“-Format war der Kongress erneut ein großer Erfolg für die europäische Rheumatologie – wieder mit starker deutscher Beteiligung. Auch die „People with Arthritis and Rheumatism in Europe“ (PARE) und „Health Professionals in Rheumatology“ (HPR), trugen maßgeblich zum Gelingen der Tagung bei.

Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) wird man wohl noch etwas auf neue Therapien warten müssen (eine Phase-III-Studie zur Anti-PD1-Therapie Rosnilimab ist angelaufen), sodass jenseits der Kollagenosen auch bei RA vermehrt CAR-T-Zell-Therapien und BiTE-Antikörper getestet werden – hierzu wurde eine Vielzahl von (auch deutschen) Daten vorgestellt, auf die weiteren Entwicklungen kann man gespannt sein. Auch wenn bei Patienten mit erhöhtem Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) in den Studien RA-BRIDGE und RA-BRANCH für den JAK-Inhibitor Baricitinib keine Nichtunterlegenheit gegenüber TNF-Hemmern demonstriert wurde, sind die Daten doch eher positiv zu bewerten, da (anders als in ORAL Surveillance) kein erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse und die Gesamtmortalität vorlag, auch die Inzidenz von Malignomen war nicht signifikant erhöht.

Ein Highlight bei der axialen Spondyloarthritis (axSpA) war die Präsentation der Phase-III-Studie OLINGUITO zu dem JAK-1-Inhibitor Filgotinib, auf Basis der S-OLARIS-Studie könnte der Anti-IL-17A/F-Nanobody Sonelokimab auch bei axSpA ein Versprechen für die Zukunft sein. Von großer Bedeutung sind die aktuellen Praxisempfehlungen zur Bildgebung bei axSpA und zudem – auf den neuen ASAS/SPARTAN-Klassifikationskriterien aufbauend – eine Präzisierung, welche MRT-Befunde tatsächlich eine axSpA anzeigen. Bei der Psoriasis-Arthritis (PsA) sorgte die Phase-IV-Studie BE BOLD für Aufsehen, die Vorteile der IL-17A/F-Inhibition mit Bimekizumab gegenüber der IL-23-Hemmung im Gelenkansprechen zeigte. Gleich mehrere Studien verdeutlichten die Bedeutung der Gewichtsreduktion bei PsA, sei es über eine Diät oder Inkretin-basierte Therapien (wie z. B. mit Tirzepatid in der TOGETHER-PsA-Studie), um so die Krankheitsaktivität und Komorbiditäten zu reduzieren.

Beim systemischen Lupus erythematodes dürfte die Zulassung von Obinutuzumab nur noch Formsache sein, weitere in Phase-III befindliche Kandidaten sind Dapirolizumab, Ianalumab, das bei der Sjögren-Erkrankung (SjE) vor der Zulassung steht, sowie der TLR7/8-Inhibitor Enpatoran. Positive Phase-II-Daten bot der FcRn-Inhibitor Nipocalimab. Auch zu anderen Kollagenosen wurden spannende Ergebnisse geliefert, ein interessanter Kandidat könnte bei SjE und Myositis z. B. Efgartigimod sein. Einige interessante Daten wurden zu den ANCA-assoziierten Vaskulitiden geboten, stärker im Fokus waren aber die Großgefäßvaskulitiden, zu denen neue EULAR-Empfehlungen zum Management von Polymyalgia rheumatica (PMR), Riesenzellarteriitis (RZA) und Takayasu-Arteriitis enthüllt wurden. Ein großes Gesprächsthema war natürlich die erfolgreiche Phase-III-Studie zu Secukinumab bei PMR (REPLENISH) und die letztlich noch unbeantwortete Frage, warum der IL-17A-Inhibitor bei RZA in Phase-III (GCAptAIN) gescheitert ist. Ferner wurden positive Daten der JAK-SPARE-Studie zu Baricitinib bei früher PMR vorgestellt. Bei der therapierefraktären IgG4-assoziierten Erkrankung könnte nach der Zulassung von Inebilizumab mit Obexelimab, das in der Phase-III-Studie INDIGO geprüft wurde, eine weitere Therapie verfügbar werden.

Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr beim deutschen Heimspiel, wenn der EULAR-Kongress vom 9. bis 12. Juni 2027 in Berlin abgehalten wird.

Prof. Dr. med. Xenofon Baraliakos
Ärztlicher Direktor, Rheumazentrum Ruhrgebiet Herne
Ruhr-Universität Bochum
Claudiusstr. 45, 44649 Herne