SYSTEMISCHER LUPUS ERYTHEMATODES

Mehrere Therapiekandidaten am Horizont

Abb.: JASMINE-SLE-Studie: Vorteile von Nipocalimab im SRI-4-Ansprechen in Woche 52 (2)

Abb.: JASMINE-SLE-Studie: Vorteile von Nipocalimab im SRI-4-Ansprechen in Woche 52 (2)

Beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) gab es zwar nichts spektakulär Neues – die Phase-III-Studie ALLEGORY zu Obinutuzumab wurde bereits vor dem EULAR-Kongress publiziert – jedoch jede Menge zusätzlicher Analysen aus Phase-II und -III-Studien sowie erste positive Daten aus der Phase-II-Studie JASMINE-SLE zu dem FcRn-Inhibitor Nipocalimab. Auch eine Phase-III-Studie zum mTOR-Inhibitor Sirolimus überraschte. Und natürlich standen auch CAR-T-Zelltherapien & Co. wieder im Fokus.

Zunächst zur Phase-III-Studie ALLEGORY, in der 303 SLE-Patienten eine Standardtherapie (SoC) in Kombination mit dem Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab oder Placebo erhielten. Unter Obinutuzumab erreichte ein signifikant höherer Anteil in Woche 52 den primären Endpunkt eines SLE Responder Index (SRI-4)-Ansprechens (76,7 vs. 53,5%; p<0,001), auch in allen sekundären Endpunkten erwies sich Obinutuzumab als überlegen. Wie Richard A. Furie, New York (USA), berichtete, erreichten signifikant mehr Patienten in Woche 52 eine DORIS-Remission (35,1 vs. 13,8 %) und niedrige Krankheitsaktivität gemäß LLDAS (57,6 vs. 25,0 %). (1) Nach der Lupus-Nephritis (LN) ist von einer Zulassung auch bei SLE (der Antrag wurde bei der EMA eingereicht) sicher auszugehen – vielleicht noch in diesem Jahr.

NIPOCALIMAB ALS NEUER HOFFNUNGSTRÄGER ETABLIERT

Wiederum Richard A. Furie präsentierte stellvertretend für eine internationale Studiengruppe als Late-Breaker auch die Daten der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-II JASMINE-SLE-Studie zu Nipocalimab, einem selektiven Hemmer des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn). In der Studie wurden 228 Patienten mit aktivem SLE (SLEDAI-2K ≥6, 1 BILAG A und/oder 2 BILAG B-Scores, ANA-, anti-dsDNA- und/oder anti-Smith-positiv; im Mittel 43 Jahre, 94,6 % Frauen, SLEDAI-2K 10,1), im Verhältnis 1:1:1 zusätzlich zu einer SoC für 52 Wochen auf Nipocalimab 5 mg/kg i.v. (n=77) oder 15 mg/kg i.v. (n=76) oder Placebo (n=75) alle 2 Wochen (Q2W) randomisiert, dies mit verpflichtendem Tapering der oralen Glukokortikoid (GK)-Dosis von Woche 6-16 auf 7,5 mg/Tag (bis Woche 24; danach war dies empfohlen). Primärer Endpunkt war ein SRI-4-Ansprechen in Woche 24, die wichtigsten sekundären Endpunkte waren ein SRI-4- und LLDAS-Ansprechen in
Woche 52.

Der primäre Endpunkt eines SRI-4-Ansprechens in Woche 24 wurde (nur) mit 15 mg/kg Nipocalimab erreicht (53,5 vs. 46,7 %, Odds Ratio, OR 1,6, 90% KI 0,9–2,9; p=0,081). Der Vorteil im SRI-4-Ansprechen wurde mit der höheren Dosierung in Woche 52 aufrechterhalten (53,6 vs. 39,7 %; p=0,020) (Abb.), auch erreichten in Woche 52 signifikant mehr Patienten ein LLDAS-Ansprechen (37,5 vs. 20,5 %; p=0,013). In einer Autoantikörper-positiven Subgruppe wurden in Woche 52 im Vergleich zu Placebo höhere SRI-4-Ansprechraten (58,2 vs. 36,1 %; p=0,004) (Abb.) und ein häufigeres Erreichen des LLDAS (38,9 vs. 18,0 %; p=0,012) beobachtet. Noch deutlicher war die Differenz versus Placebo in einer vordefinierten, aber mit nur 15 % kleinen Subgruppe mit hohen Autoantikörper-Titern, hoher IFN-Gen-Signatur und niedrigem C3-Spiegel (in Woche 52 SRI-4: 75,8 vs. 11,1 %; LLDAS 53,5 vs. 11,1 %) (Abb.).

Nipocalimab wies ein Sicherheitsprofil auf, das mit früheren Studien übereinstimmte, und es wurden keine neuen Sicherheitssignale festgestellt. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (UE) waren unter der 15 mg/kg-Dosierung häufiger als unter Placebo (13,2 vs. 8,0 %), ebenso ein Abfall des IgG-Spiegels auf <3 g/l (22,7 vs. 0 %), was aber keine schweren UE zur Folge hatte. (2) Der FcRn-Inhibitor erhielt Anfang des Jahres in den USA den Fast-Track-Status für SLE. Die in dieser Indikation laufende Phase-III-Studie GARDENIA wird derzeit fortgesetzt.

UPDATE ZU IANALUMAB UND ENPATORAN BEI SLE

Der erfolgreich bei der Sjögren-Erkrankung geprüfte BAFF-Rezeptor-Antikörper Ianalumab wird derzeit auch bei SLE (SIRIUS-SLE-1 und -2) und LN (SIRIUS-LN) in Phase-III-Studien untersucht. Auf dem EULAR stellte Edward M. Vital, Leeds (Großbritannien), weitere Daten einer Phase-II-Studie vor. Nachdem bereits in Woche 28 unter Ianalumab 300 mg Q4W eine versus Placebo signifikant reduzierte SLE-Aktivität nachgewiesen wurde, zeigen die Ergebnisse in Woche 52 (nach B-Zell-Erholung) einen weiteren, anhaltenden Anstieg der SRI-4-Ansprechraten (>50 %). (3) Bereits hochrangig publiziert sind die Daten der Phase-II WILLOW-Studie, in der der TLR7/8-Inhibitor Enpatoran in zwei Kohorten mit kutanem LE bzw. SLE untersucht wurden. Nach 24 Wochen waren die Ergebnisse eher gemischt, mit einer besseren Effektivität bei kutanem Lupus oder SLE mit dominanter Hautbeteiligung. Eric F. Morand, Melbourne (Australien), stellte jetzt die Ergebnisse einer Langzeitextension über weitere 48 Wochen vor. Bei guter Verträglichkeit bestätigte Enpatoran seine langfristig gute Wirksamkeit auf die aktive Hautbeteiligung im CLASI50/70-Ansprechen. Einen CLASI-A-Score 0-3 (quasi eine Remission) erreichten 52-56 % der Teilnehmer nach 24 Wochen und 58-63 % am Ende der 48-wöchigen Extension. (4) Zwei Phase-III-Studien bei SLE mit aktiver Hautmanifestation (ELOWEN-1 und -2) sind inzwischen angelaufen.

DARATUMUMAB, EIN ALTER BEKANNTER UND ZELLTHERAPIEN

Nur kurz eingegangen sei auf den Anti-CD38-Antikörper Daratumumab, der bei SLE wohl nicht weiterentwickelt wird. In der von Lennard Ostendorf, Berlin, publizierten Phase-II-Studie DARALUP hatten 8 wöchentliche Daratumumab s.c.-Injektionen (1.800 mg) bei den 10 Patientinnen mit refraktärem SLE mit einem SRI-4 von 100 % in Woche 12 allerdings ein sehr gutes Ansprechen erzielt (der SLEDAI-2K fiel von 12 auf 4). Im jetzt berichteten Follow-up über bis zu 84 Wochen zeigte sich ein gutes Sicherheitsprofil, jedoch kam es nach Ende der Therapie bei 60 % zu Schüben zwischen Woche 20 und 61, die aber gut auf Belimumab ansprachen, sodass alle Teilnehmerinnen in Woche 84 wieder einen SRI-4 aufwiesen. (5, 6)

Vor allem im asiatischen Raum wurde mit Sirolimus bereits häufiger ein alter Bekannter auch bei SLE (und LN) untersucht. Mengtao Li, Peking (China), stellte jetzt hierzu als Late-Breaker eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie vor, in der 146 Patienten mit klinisch und serologisch aktivem SLE (mittlerer SLEDAI-2K ca. 10) zusätzlich zur SoC im Verhältnis 1:1 auf Sirolimus (1,5 mg/Tag) oder Placebo randomisiert wurden. Den primären Endpunkt eines SRI-4-Ansprechens erreichten 52,9 vs. 30,2 % der Teilnehmer unter dem mTOR-Inhibitor im Vergleich zu Placebo (p<0,001). Signifikante Vorteile zeigten sich auch im BICLA-Ansprechen (60,0 vs. 32,2 %) und der Reduktion des SLEDAI-2K-Scores (-4,7 vs. -1,0) (je p<0,001). Bei akzeptabler Sicherheit erreichten 24,3 vs. 10,7 % der Patienten einen LLDAS und 14,3 vs. 4,0 % eine klinische Remission. (7) Auch wenn dies für Europa nicht relevant wird, ist der (moderate) Wirksamkeitsnachweis doch ein interessanter Befund.

Auf dem EULAR gab es 93(!) Abstracts mit CAR-T im Titel, auf eine detaillierte Auflistung der allein zum SLE vorgestellten Beiträge sei an dieser Stelle verzichtet. Die Entwicklung der CAR-T-Zelltherapie (vor allem auch bei SLE) maßgeblich vorangetrieben hat die Erlanger Gruppe um Prof. Schett, deswegen überrascht es auch nicht, dass sich aus diesem Team jetzt Andreas Wirsching und Kollegen mit der Häufigkeit und dem Management von Rezidiven nach dieser Intervention befassten. Auf Basis der CASTLE-Basket-Studie mit nunmehr 50 Patienten zeigte sich, dass in 12 % der Fälle nach CD19 CAR-T-Zelltherapie damit zu rechnen ist (nur 3,6 % bei SLE, n=28, 14,3 % bei systemischer Sklerose, n=14; aber 37,5 % bei entzündlicher Myositis, n=8). Ein Ausweg ist es dann, zusätzlich oder allein an BCMA anzusetzen, mit BCMA CAR-T-Zellen oder dem BiTE-Antikörper Teclistamab, um eine medikamentenfreie Remission wiederzuerlangen. (8) Die Steigerung von BiTEs stellt CC312 dar, ein trispezifischer CD19/CD3/CD28-T-Cell-Engager (TriTE). Die von Yingfeng Huang, Shanghai (China), vorgestellten Daten zu 12 SLE-Patienten sind bislang positiv. Bei einem guten Sicherheitsprofil (kein ICANS oder ≥Grad 2 CRS) zeigte sich bei fast kompletter Depletion peripherer CD19 + B-Lymphozyten und vollständiger (100 %) Depletion von CD19 + Plasmazellen im Knochenmark ein langfristiges (ca. 6 bis 13 Monate), anhaltendes SRI-4-Ansprechen der SLE-Patienten bei markant verbesserter klinischer Symptomatik. (9)


Quellen:
1   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s838 (POS0683)
2   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s309 (LB0007)
3   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s284 (OP0335)
4   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s286 (OP0337)
5   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s289 (OP0340)
6   Nat Commun 2026; 17(1): 131
7   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s307 (LB0006)
8   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s64 (OP0076)
9   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s306 (LB0004)