Bei OLINGUITO, vom amtierenden EULAR-Präsidenten Xenofon Baraliakos, Herne/Bochum, vorgestellt, handelt es sich um zwei randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit Patienten mit gesicherter r-/nr-axSpA (Studie A bzw. B) und unzureichendem Ansprechen (IR) oder Unverträglichkeit gegenüber NSAR. 258 bzw. 237 Patienten wurden im Verhältnis 1:1 bis Woche 16 auf Filgotinib 200 mg 1x täglich oder Placebo randomisiert, stratifiziert nach bDMARD-Status (naiv/nicht-IR vs. IR) und hsCRP-Spiegel (im Mittel 77,5 bzw. 50,6 % Männer, 42,8 bzw. 40,9 Jahre, 28 bzw. 20 % ≥65 Jahre). Nach Woche 16 erhielten alle Patienten bis Woche 52 offen Filgotinib 200 mg, mit Ausnahme jener ≥65 Jahre und/oder mit Risikofaktoren; diese erhielten die niedrigste wirksame Dosis (Responder: 100 mg; Non-Responder: 200 mg bis zum Ansprechen, danach 100 mg). Primärer Endpunkt war jeweils ein ASAS40-Ansprechen in Woche 16. Sekundäre Endpunkte waren die Veränderung zu Baseline (CFB) in Woche 16 bei ASDAS, SPARCC-MRT-Scores des Iliosakralgelenks (ISG), BASFI, BASMI und ASQoL. Die Sicherheit wurde bis Woche 52 beurteilt.
FILGOTINIB ÜBERZEUGT IN BEIDEN OLINGUITO-STUDIEN
In beiden Studien wurde der primäre Endpunkt erreicht: Ein signifikant größerer Anteil der Patienten erzielte unter Filgotinib ein ASAS40-Ansprechen in Woche 16, dies sowohl in der r-axSpA- (39,5 vs. 20,9 %; p=0,001) als auch nr-axSpA-Studie (34,5 vs. 17,8 %; p=0,003) (Abb.). Das ASAS40-Ansprechen unter Filgotinib trat früh ein (ab Woche 1) und verbesserte sich bis Woche 52 weiter (r-axSpA: 64,3 bzw. 69,0 %; nr-axSpA: 59,7 bzw. 58,5 %) (Abb.). 84,6 bzw. 78,0 % der Patienten mit r-/nr-axSpA, die in Woche 16 ein ASAS40-Ansprechen mit Filgotinib erreicht hatten, behielten dieses bis Woche 52 bei. Bei bDMARD-naiven Patienten bzw. solchen ohne unzureichendes Ansprechen auf bDMARDs (non-IR) betrug das ASAS40-Ansprechen in Woche 16 36,7 vs. 22,8 % bei r-axSpA und 35,5 vs. 23,1 % bei nr-axSpA. Bei bDMARD-IR-Patienten lagen die ASAS40-Ansprechraten in Woche 16 bei 48,4 vs. 14,3 % (r-axSpA) bzw. 30,8 vs. 0 % (nr-axSpA). In den sekundären Endpunkten zeigten sich bei r-axSpA-Patienten bis Woche 16 signifikant stärkere Verbesserungen in puncto ASDAS (-1,34 vs. -0,63), SPARCC MRT ISG (-2,69 vs. -0,62), BASFI (-1,89 vs. -1,06) (je p<0,001) und ASQoL (-4,12 vs. -2,82; p=0,007), beim BASMI nur numerische (p=0,056).
Bei nr-axSpA-Patienten zeigten sich signifikant stärkere Verbesserungen bezüglich ASDAS (-1,32 vs. -0,69) und SPARCC MRT ISG (-1,88 vs. +1,39) (je p<0,001), bei BASFI, BASMI und ASQoL waren die Differenzen numerisch größer. In beiden Studien blieben die Verbesserungen im ASDAS, SPARCC MRT ISG, BASFI, BASMI und ASQoL bis Woche 52 entweder erhalten oder verbesserten sich weiter. Bis Woche 16 traten unter Filgotinib zwei schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (UE) auf, aber keine Fälle von Herpes Zoster, MACE, Nicht-Melanom-Hautkrebs oder Thrombosen. Während der Open-Label-Phase wurden zwei Malignome gemeldet: ein behandlungsbedingtes Prostatakarzinom sowie ein Lymphom, das als nicht therapieassoziiert eingestuft wurde. Zudem wurden ein akuter Myokardinfarkt und drei Fälle von Herpes Zoster gemeldet.
In OLINGUITO zeigten Patienten mit r-axSpA und nr-axSpA, die bis Woche 52 mit Filgotinib 200 mg behandelt wurden, somit frühe und signifikante Verbesserungen (ASAS40, ASDAS und entzündliche Läsionen im MRT) bei bekanntem Sicherheitsprofil – von einer Zulassung bei Patienten mit aktiver r-axSpA und nr-axSpA ist sicher auszugehen. (1)
WEITERE STUDIENDATEN ZUR JAK-INHIBITION
Die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-IV-Studie FASTLANE zu Tofacitinib bei früher aktiver axSpA trug Valeria Rios Rodriguez, Berlin, vor. Explizite Studien zur JAK-Hemmung bei r-axSpA-Patienten mit axialen Symptomen für ≤2 Jahre hatten noch gefehlt. 107 Patienten mit NSAR-Versagen waren zusätzlich zu Naproxen 500 mg 2x täglich 1:1 auf Tofacitinib 5 mg 2x täglich oder Placebo randomisiert worden. Im Ergebnis zeigte sich Tofacitinib gegenüber Placebo im Erreichen einer Remission (ASDAS-ID ≤1,3 in Woche 16 signifikant überlegen (26,4 vs. 7,4 %; p=0,006), dies galt bei etabliertem Sicherheitsprofil auch für andere Parameter (z. B. ASDAS-LD, ASAS40-Ansprechen). (2)
In diesem Kontext nur kurz erwähnt sei zum einen eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, 48-wöchige Phase-III-Studie aus China zu dem neuen Pan-JAK-Inhibitor Gecacitinib mit 265 r-axSpA-Patienten. Der primäre Endpunkt eines ASAS40-Ansprechens in Woche 16 wurde signifikant erreicht (51,9 vs. 12,9 %; p<0,0001), im Trend zeigte sich dies auch in einer kleinen TNF-IR-Subgruppe. Es zeigte sich ein JAK-typisches Nebenwirkungsprofil. (3) Auf den europäischen Markt dürfte Gecacitinib ebenso wenig kommen, wie der ebenfalls in China entwickelte selektive JAK-1-Inhibitor Ivarmacitinib, der nach positiven Phase-III-Daten zur r-axSpA auch in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie mit 304 nr-axSpA-Patienten mit NSAR-Versagen den primären Endpunkt (ASAS40 in Woche 12: 39,7 vs. 24,8 %; p=0,0057) erreichte. (4)
IL-17A/F-INHIBITION NEU GEDACHT: SONELOKIMAB
Im Gefolge des bei PsA (mehr noch nach der BE BOLD-Studie) und axSpA etablierten IL-17A/F-Inhibitors Bimekizumab steuert auch der Anti-IL-17A/F-Nanobody Sonelokimab auf Zulassungen in diesen Indikationen hin, auf eine durch tiefere Gewebspenetration nochmals stärkere Wirksamkeit hoffend. Nach einer erfolgreichen Phase-II-Studie bei PsA stellte Xenofon Baraliakos nun als Late-Breaker Daten der einarmigen Phase-II Proof-of-Concept-Studie S-OLARIS zu Sonelokimab mit 25 Patienten mit aktiver r-/nr-axSpA vor (BASDAI ≥4 – im Mittel 6,4 – trotz NSAR, im Mittel 30,7 Jahre, 85 % Männer). Im Ergebnis erreichten nach 12 Wochen 92 % der Teilnehmer ein ASAS20- und 81 % (!) ein ASAS40-Ansprechen sowie 54 % eine ASAS partielle Remission. 42 % erreichten eine Remission gemäß ASDAS-ID, 81 % eine niedrige Krankheitsaktivität nach ASDAS-LD (beachtlich nach nur 12 Wochen). Der BASDAI sank um -4,7, der BASFI um -3,3 (je p<0,001). Der SPARCC MRT-Score von ISG und Wirbelsäule fiel von 24,8 auf 3,0 bzw. von 4,6 auf 0,7 (p>0,001; p=0,03) ab. Sonelokimab war zudem gut verträglich, es wurden keine neuen Sicherheitssignale verzeichnet. (5) Die ersten Phase-III-Daten bei PsA aus IZAR-1 und -2 sind beim ACR-Kongress zu erwarten, über ein entsprechendes Programm zur axSpA wurde noch nichts verlautbart. Ob tatsächlich Vorteile gegenüber Bimekizumab bestehen könnten, bleibt also abzuwarten.
PERIPHERE SPA: ERGEBNISSE AUS DER SPARTACUS-STUDIE
Belgische Rheumatologen um Phillippe Carron, Ghent, verglichen in der prospektiven, randomisierten, doppelblinden, aktiven Komparator Phase-III-Studie SPARTCACUS bei 97 Patienten mit früher peripherer SpA (60 % Männer, im Mittel 39 Jahre) 1:1 den direkten Einstieg mit einem TNF-Inhibitor (hier Golimumab 50 s.c. alle 4 Wochen) mit einer herkömmlichen csDMARD-Step-up-Strategie (startend mit Methotrexat 15 mg/Woche, Eskalation auf 20 mg bis Woche 4, falls toleriert).
Den primären Endpunkt einer klinischen Remission, definiert als völlige Abwesenheit von Arthritis, Daktylitis oder Enthesitis in Woche 24, erreichten 60 vs. 33 % der Teilnehmer unter dem TNF-Inhibitor versus MTX (p=0,003). Auch in allen sekundären Endpunkten (TJC, SIC, PtGA) schnitt die Anti-TNF-Therapie besser als die MTX-basierte Strategie ab. Ob sich daraus, wie postuliert wurde, ein „Window of opportunity“ bei peripherer SpA ableitet, ließe sich aber nur nach einem längeren Follow-up klären. Dennoch erscheint es möglich, dass durch eine frühzeitige, aggressive Anti-TNF-Strategie die klinischen Outcomes optimiert und der Bedarf an dauerhaften Therapien in der Praxis reduziert werden könnten. (6)
Quellen: 1 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s202 (OP0234) | 2 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s210 (OP0241) |3 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s209 (OP0240) | 4 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s206 (OP0237) | 5 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s304 (LB0002) | 6 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s91 (OP0107)
