PSORIASIS-ARTHRITIS

Interleukin-17A/F-Blockade derzeit Maß der Dinge?

Abb.: BE BOLD-Studie: Signifikant höheres ACR50-Ansprechen auf Bimekizumab im Vergleich zu Risankizumab in Woche 4, 16 (primärer Endpunkt) und Woche 52 (1)

Abb.: BE BOLD-Studie: Signifikant höheres ACR50-Ansprechen auf Bimekizumab im Vergleich zu Risankizumab in Woche 4, 16 (primärer Endpunkt) und Woche 52 (1)

Auf dem EULAR stach bezüglich der Psoriasis-Arthritis (PsA) ganz klar die als Late-Breaker vorgestellte BE BOLD-Studie zum Head-to-Head (H2H)-Vergleich der IL-17A/F- (Bimekizumab) mit der IL-23-Inhibition (Risankizumab) hervor, woraus erstere in puncto Gelenkansprechen als Punktsieger herausging. Weiteren Diskussionsstoff lieferte die Frage nach der Effektivität und Sicherheit biologischer Kombinationstherapien. Vor allem aber der Nachweis zusätzlicher Effekte einer Gewichtsreduktion mittels Diät oder Inkretin-basierten Therapien auf die Krankheitsaktivität stand in London im Fokus.

Bisherige H2H-Studien bei PsA (IL-17A- vs. TNF-Inhibition) hatten zwar eine Überlegenheit im Hinblick auf Psoriasis, aber nicht bei gelenkbezogenen Endpunkten gezeigt. In der von Joseph F. Merola, Dallas (USA), vorgestellten randomisierten, doppelblinden Phase-IIIb-Studie BE BOLD erfolgte jetzt der Vergleich von Bimekizumab und Risankizumab bei 553 erwachsenen Patienten mit aktiver PsA (SJC/TJC je ≥3), die bDMARD-naiv waren oder auf einen TNF-Inhibitor versagt oder diesen nicht vertragen haben; csDMARDs waren in stabiler Dosierung erlaubt. Die Patienten (im Mittel 51 Jahre, 51 % Männer, 20 % mit Anti-TNF-Vortherapie, 70 % auf csDMARDs, meist Methotrexat wurden im Verhältnis 1:1 für 24 Wochen auf s.c. Bimekizumab (zu 90 % leichte/keine Psoriasis: 160 mg alle 4 Wochen [Q4W]; jene 10 % mit mäßiger bis schwerer Psoriasis [BSA ≥10 %, IGA ≥3 und PASI ≥12]: 320 mg Q4W bis Woche 16, dann Q8W) oder s.c. Risankizumab (150 mg zu Baseline und Woche 4, dann Q12W) randomisiert. Primärer Endpunkt war das ACR50-Ansprechen in Woche 16 (Nichtunterlegen- und Überlegenheit). Sekundäre Endpunkte waren minimale Krankheitsaktivität (MDA) in Woche 16, ACR50 + PASI100 in Woche 16 bei Patienten mit einer BSA ≥3 % zu Baseline sowie das ACR50-Ansprechen in Woche 4.

BE BOLD: VORTEILE VON BIMEKIZUMAB IM GELENKANSPRECHEN

Im primären Endpunkt ACR50 in Woche 16 zeigte sich Bimekizumab versus Risankizumab signifikant überlegen (49,1 vs. 38,0 %; p=0,0058), dies war nominal auch bereits in Woche 4 (19,9 vs. 7,2 %; p<0,0001) und später in Woche 24 der Fall (54,9 vs. 43,8 %) (Abb.). In Bezug auf die MDA schnitt Bimekizumab in Woche 16 numerisch besser ab (43,3 % vs. 39,9 %; p=0,3921), dieser Trend setzte sich in Woche 24 fort (49,1 vs. 42,4 %). Die folgenden sekundären Endpunkte wurden nur deskriptiv ausgewertet. So erreichten unter Bimekizumab numerisch mehr Patienten ein ACR50- + PASI100-Ansprechen in Woche 16 (33,5 vs. 24,4 %; p=0,0800) und Woche 24 (39,2 vs. 34,1 %). Numerische Vorteile der IL-17A/F-Inhibition zeigten sich in Woche 16 beim PASI100 (53,4 vs. 46,6 %; p=0,2395; in Woche 24 59,7 vs. 59,1 %) und im Erreichen einer DAPSA niedrigen Krankheitsaktivität + Remission (65,3 % vs. 54,7 %; p=0,0066; in Woche 24 68,2 vs. 62,3 %). In Bezug auf die Sicherheit waren die Unterschiede zwischen Bimekizumab und Risankizumab bei allen und schwerwiegenden therapieassoziierten unerwünschten Ereignissen (UE) gering (58,1 vs. 55,3 % bzw. 1,8 vs. 3,3 %), die Abbruchraten aufgrund UE waren niedrig (1,4 vs. 1,1 %). Erwartungsgemäß traten Candida-Infektionen unter Bimekizumab häufiger auf, waren aber durchweg leicht oder mäßig, lokal, nicht systemisch ausgeprägt, und resultierten nicht in Abbrüchen.

Im Ergebnis ist bei vergleichbarer Sicherheit in Bezug auf das Gelenkansprechen eine Überlegenheit von Bimekizumab in Woche 16 (bzw. 24) mit einer Differenz von >10 % zu konstatieren; ob Risankizumab über 52 Wochen aufgeholt hätte, bleibt spekulativ. Bei MDA und DAPSA waren ebenfalls leichte Vorteile erkennbar, bezüglich der Psoriasis war der IL-23-Inhibitor in Woche 24 ebenbürtig. Vor allem wenn bei erheblicher Gelenkbeteiligung ein rasches Ansprechen gewünscht ist, könnte die Studie durchaus Auswirkungen auf die tägliche Praxis haben, obwohl beide Therapieprinzipien (in Woche 24 MDA >40 bis 50 %) ihren hohen Stellenwert bei PsA bestätigten. (1) Mit Spannung erwartet werden derweil die Ergebnisse der beiden Phase-III-Studien IZAR-1 und -2 zu dem Anti-IL-17A/F-Nanobody Sonelokimab – ob die erhoffte stärkere Gewebspenetration die IL-17A/F-Effekte steigert, bleibt abzuwarten..

IZOKIBEP UND KOMBINATIONSTHERAPIEN IM FOKUS

Trotz der als Late-Breaker bereits auf dem ACR 2025 und jetzt nochmal beim EULAR vorgestellten erfolgreichen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-IIb/III-Studie zu dem neuartigen IL-17A-Inhibitor Izokibep, einem „small molecule“, bleibt dessen Weiterentwicklung vorerst offen – womöglich spielt auch das Aufkommen der dualen IL-17A/F-Hemmung bei diesen Erwägungen eine größere Rolle. Die von Philip J. Mease, Seattle (USA), präsentierten 52-Wochen-Daten zu Izokibep 160 mg Q2W oder QW bzw. von Placebo auf Izokibep ab Woche 16 umgestellt, belegen ein (fortgesetzt) hohes ACR50/70-Ansprechen (50-57 % bzw. 36-42 %), PASI100-Ansprechen (55-64 %) und Erreichen einer MDA (47-52 %) bei insgesamt guter Verträglichkeit. (2)

Angesichts der im Vergleich zur Psoriasis immer noch unbefriedigenden Ansprechraten (immer noch ist eine MDA/VLDA zu selten) wird vermehrt über Kombinationstherapien nachgedacht, wobei sich als Partner gut verträgliche Wirkstoffe wie der inzwischen zugelassene orale TYK-2-Inhibitor Deucracacitinib oder IL-23-Inhibitoren anbieten. In der randomisierten, doppelblinden Proof-of-Concept Phase-IIa-Studie AFFINITY wurde Guselkumab plus Golimumab mit dem IL-23-Hemmer allein verglichen. Der primäre Endpunkt MDA in Woche 24 wurde nicht erreicht (29 vs. 22 %), signifikante Vorteile im ACR50 (44 vs. 22 %) waren aber erkennbar. Deutlicher (und signifikant) war die Differenz bei Patienten mit CRP-Spiegeln ≥0,3 mg/dl (MDA: 32 vs. 5 %, ACR50: 55 vs. 14 %) – dies bei guter Verträglichkeit. Eine von Jeremy Wellen, Cambridge (USA), vorgelegte Analyse zeigte jetzt für die Kombination eine im Vergleich stärkere Verbesserung von Entzündung und strukturellen Schäden (Fingergelenke, Füße und Enthesen). (3)

GEWICHTSABNAHME REDUZIERT AUCH DIE KRANKHEITSAKTIVITÄT!

Dass eine Gewichtsreduktion mithilfe von Diäten bei übergewichtigen bzw. adipösen PsA-Patienten zumindest moderat die Krankheitslast senken kann, bewiesen kanadische Rheumatologen um Lihi Eder, Toronto, in der randomisierten, kontrollierten DIPSA-Studie mit 92 Teilnehmern (im Mittel 44 Jahre, 70 % Frauen, 72 % b/tsDMARDs, 29 % csDMARDs). Bei den Patienten mit aktiver PsA (DAPSA >10, BMI 25-40) kam es in allen drei Armen (mediterrane Diät und DASH-Diät versus allgemeine Ernährungsempfehlungen) in Woche 12 und 24 trotz sehr bescheidener Gewichtsabnahme (ohne signifikanten Unterschieden nur 1,4 bis 2,6 kg) zu einer signifikanten Reduktion des DAPSA-Scores in Woche 12 und mehr noch in Woche 24 (-4,87 und -5,42 vs. -6,53), bei der MDA schnitten die mediterrane und DAS-Diät numerisch besser ab (38 und 29 vs. 16 %). Unabhängig von der Art der Intervention zeigte sich somit zumindest im Kontext einer klinischen Studie ein messbarer Nutzen. (4)

Eine stärkere Reduktion von Gewicht und Krankheitsaktivität lässt sich auf medikamentösem Wege erreichen, wie die in der kürzlich veröffentlichten TOGETHER-PsA-Studie erprobte Zugabe von Tirzepatid zu Ixekizumab unter Beweis gestellt hat. (5) Dass dieses Prinzip der Kombination mit Inkretin-basierten Therapien generell zu funktionieren scheint, belegt eine von Pankti Mehta, Toronto (Kanada), präsentierte genestete Fall-Kontroll-Studie mit jeweils 74 PsA-Patienten (im Mittel 57 Jahre, cDAPSA-Score ca. 13,7, BMI 34,5, >40 % csDMARDs und ca. 73 % b/tsDMARDs), die für ≥1 Jahr zusätzlich mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten oder dualen GLP-1-/GIP-Agonisten oder nur ihrer üblichen PsA-Therapie (gematcht auf BMI, Krankheitsaktivität und Jahr) behandelt wurden. In adjustierten Analysen verbesserte sich bei einer Abnahme des BMI auf 33,8 nach 12 Monaten die Krankheitsaktivität unter den Inkretin-basierten Therapien signifikant (cDAPSA b -0,41 pro Behandlungsmonat). Auch die von den Patienten berichteten Schmerzen gingen unter GLP-1-Rezeptoragonisten oder dualen GLP-1-/GIP-Agonisten stärker zurück (b -0,21). Die Effekte erwiesen sich als unabhängig von der erreichten Gewichtsabnahme, sodass sie nicht allein durch diese erklärbar sind. (6) Weitere Studien zu diesem Themenkomplex dürften jetzt folgen – zumindest bei PsA-Patienten mit qualifizierenden Komorbiditäten sind solche Therapien sicher zu rechtfertigen.

Quellen:
1   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s303 (LB0001)
2   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s61 (OP0073)
3   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s160 (OP0186)
4   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s58 (OP0070)
5   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s56 (OP0069)
6   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s62 (OP0074)