ANTIRHEUMATISCHE THERAPIEN BEI COVID-19

Hoffnungen ruhen derzeit am ehesten auf JAK-Inhibitoren

Der anfängliche Hype um den Einsatz antirheumatischer Therapien bei COVID-19 ist merklich abgeklungen, in Kombination mit Dexamethason konnte nur für Tocilizumab und Baricitinib – zumindest in bestimmten Patientenkollektiven – ein Vorteil belegt werden. Trotz der interessanten Botschaft vom EULAR, dass auch Januskinase (JAK)-Inhibitoren das Risiko für einen schweren Verlauf zu erhöhen scheinen, konnte nach Baricitinib (in der ACTT-2-Studie in Kombination mit Remdesivir) auch Tofacitinib in einer kontrollierten Studie einen Wirknachweis liefern – der Stellenwert der Befunde bleibt aber unklar. Die Hoffnung, mit Colchicin eine kostengünstige Therapie einsetzen zu können, scheint sich nach dem Abbruch dieses Arms der RECOVERY-Studie und nur partiell positiven Ergebnissen aus der COLCORONA-Studie erledigt zu haben.

Zunächst zur randomisierten, placebokontrollierten STOP-COVID-Studie, die brasilianische Experten um Otavio Berwanger, Sao Paulo, publizierten und in der Tofacitinib bei bereits hospitalisierten COVID-19-Patienten das Risiko auf ein Atemversagen oder einen tödlichen Ausgang reduzierte. In der in 15 brasilianischen Krankenhäusern durchgeführten Studie erhielten 75 % der Patienten vor Studienbeginn nicht-invasiv O2, 79 % Glukokortikoide (GK), 78 % eine prophylaktische und 21 % eine therapeutische Antikoagulation. Die 289 Patienten wurden für 14 Tage oder bis zur Entlassung 1:1 auf Tofacitinib (2x 10 mg/Tag) oder Placebo randomisiert. Im primären Endpunkt, dem Auftreten von Tod oder Atemversagen bis Tag 28, zeigte sich Tofacitinib signifikant überlegen (18,1 vs. 29,0 %, Risk ratio, RR 0,63; p=0,04). Nur im Trend wurde die Mortalität reduziert (2,8 vs. 5,5 %, Hazard ratio, HR 0,49), gleiches galt für die Verweildauer im Krankenhaus (5,5 vs. 6,0 Tage) und auf der Intensivstation (je 5,0 Tage). Alle und schwere unerwünschte Ereignisse (UE) inklusive Thromboembolien und Infektionen waren mit 26,1 vs. 22,5 % bzw. 14,1 vs. 12,0 % ähnlich verteilt. (1) Für genauere Aussagen war die Studie zu klein, der Stellenwert der JAK-Inhibition mit Baricitinib oder Tofacitinib bei COVID-19 bleibt weiter offen – es laufen derzeit aber noch weitere Studien.

Eher enttäuschend waren die von Jean-Claude Tardif, Montreal (Kanada), und Kollegen publizierten Daten der internationalen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie COLCORONA mit 4.488 ambulanten COVID-19-Patienten (die Diagnose war nicht immer durch eine PCR-Testung bestätigt worden), die 1:1 auf Colchicin 2x 0,5 mg/Tag für 3 Tage und danach 1x täglich für weitere 27 Tage oder Placebo randomisiert wurden. Für den primären Endpunkt aus Tod oder Krankenhauseinweisung wegen COVID-19 fand sich nur im Trend ein Vorteil für Colchicin (4,7 vs. 5,8 %, Odds ratio, OR 0,79; p=0,081), wurden nur PCR-bestätigte COVID-19-Erkrankungen berücksichtigt, fiel die Differenz signifikant zugunsten von Colchicin aus (4,6 vs. 6,0 %, OR 0,75; p=0,042). Schwere UE waren nicht signifikant verschieden, unter Colchicin kam es häufiger zu Diarrhöen (13,7 vs. 7,3 %). (2) So ganz überzeugen die Ergebnisse nicht, höchstens bei Patienten mit erhöhtem Komplikationsrisiko könnte Colchicin potenziell eine prophylaktische Therapieoption sein.

MIS-C: Mit Glukokortikoiden und IVIG starten

Eine seltene COVID-19-Komplikation bei Kindern ist das dem Kawasaki-Syndrom ähnelnde „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C).

Die von Adrienne G. Randolph, Boston (USA), und Kollegen veröffentlichte Real-life-Studie Overcoming mit  518 Kindern mit MIS-C ergab nach einem Propensity-Score-Matching von je 103 Patienten, dass eine kombinierte Starttherapie mit intravenösen Immunglobulinen (IVIG) plus GK gegenüber einer alleinigen IVIG-Strategie mit einem verringerten Risiko für das Erreichen des primären Endpunkts kardiovaskulärer Komplikationen (linksventrikuläre Dysfunktion oder Schock mit Gabe von Vasopressoren) an oder nach Tag 2 assoziiert war (17 vs. 31 %, RR 0,56; 95% KI 0,34-0,94). Selbiges galt auch für die Endpunkte linksventrikuläre Dysfunktion (8 vs. 17 %), Schock mit Vasopressoren-Gabe (13 vs. 24 %) und den Bedarf an zusätzlichen Therapien wie GK, Biologika oder zweite IVIG-Dosis (34 vs. 70 %), während für Fieber kein klarer Vorteil zu sehen war (31 vs. 40 %).

Quellen:
1   N Engl J Med 2021; 385(5): 406-415
2   Lancet Respir Med 2021; doi: 10.1016/S2213-2600(21)00222-8
3   N Engl J Med 2021; 385(1): 23-34

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