In die offene, pragmatische, multizentrische, randomisierte Überlegenheitsstudie mit Follow-up über 24 Monate wurden 309 Gichtpatienten (im Mittel 68 Jahre, 94 % Männer) eingeschlossen, die sich unter ULT (Allopurinol, Benzbromaron und/oder Febuxostat) seit ≥12 Monaten in Remission (Serum-Harnsäurespiegel <0,36 mmol/l, keine Tophi, keine Gichtschübe, Schmerz-Score <2/10 und PtGA <2/10). Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 auf eine fortgesetzte T2T-ULT (n=155) oder einen Absetzversuch der ULT (n=154) randomisiert, bei erneuten Schüben oder neuen Tophi erfolgte eine Wiederaufnahme der ULT. Primärer Endpunkt war der Unterschied im Anteil der Patienten, die sich während der letzten 6 Monate des Follow-up in Remission befanden, die Beurteilung erfolgte anhand von Kriterien für die Gichtremission (Schubfreiheit in den Monaten 18–24, keine Tophi während der gesamten 24 Monate, Schmerz-Score <2, PtGA <2).
Im Ergebnis erreichten mehr Patienten mit fortgesetzter ULT als mit versuchtem Absetzen den primären Endpunkt (79,2 vs. 62,9 %, Risikodifferenz [RD] 16,3 %; p=0,002). Die Zeit bis zum Verlust der Schubfreiheit über 24 Monate war bei Fortsetzung der ULT günstiger: Die kumulative Schubinzidenz betrug 12,3 vs. 31,8 % (IRR 0,34; 95% KI 0,22-0,52). Der mittlere Serum-Harnsäurespiegel stieg zwei Wochen nach Absetzen der ULT auf 0,46 mmol/l an und blieb nach 12 und 24 Monaten erhöht, während er in der Gruppe mit fortgesetzter T2T-ULT stabil blieb (0,28 mmol/l nach 12 und 0,29 mmol/l nach 24 Monaten). In der Gruppe, in der die ULT abgesetzt wurde, nahmen 23 % die ULT nach median 392 Tagen wieder auf. Eine antientzündliche Therapie benötigten 18 vs. 36 % der Patienten mit fortgesetzter T2T-ULT bzw. ULT-Absetzversuch (RD -18 %; p<0,001). Unerwünschte Ereignisse (UE) traten in der Absetzgruppe häufiger auf (kumulative Inzidenz 49 vs. 30 %, RD 19 %; p<0,001), dies betraf z. B. Arthralgien. Auch zeigte sich ein moderater Vorteil für die ULT-Fortsetzung im Hinblick auf die Nierenfunktion.
Letztlich führte somit über zwei Jahre hinweg eine fortgesetzten T2T-ULT im Vergleich zum versuchten Absetzen zu höheren Remissionsraten sowie zu weniger Gichtschüben und einem geringeren Einsatz antientzündlicher Medikamente. Dies stützt die Empfehlungen zur Fortführung der ULT in Remission. Dennoch blieben viele Patienten nach Absetzen der ULT schubfrei – was für ein Shared-Decision-Making spricht. (1)
RETARD-FORMULIERUNG VON FEBOXUSTAT MIT VORTEILEN
Kurz erwähnt sei eine als Late-breaker von Yu Xue, Shanghai, vorgestellte chinesische randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie zu HR091506, einer Febuxostat-Formulierung mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (ER), bei Patienten mit Hyperurikämie, wiederholten Gichtschüben, Tophi oder chronischer Gichtarthritis. Von 442 für 36 Wochen auf 1:1 Febuxostat ER oder IR (also die „normale“ Formulierung) mit Auftitration von 20 auf 80 mg/Tag ab Woche 13 randomisierten Patienten, erreichten in Woche 36 mit der ER-Formulierung mehr Betroffene den primären Endpunkt eines Serum-Harnsäurespiegels <300 mmol/l (63,8 vs. 40,7 %; p<0,0001) bzw. <360 mmol/l (74,2 vs. 65,6 %; p=0,0466). Das Sicherheitsprofil war ähnlich, schwere UE traten häufiger unter Febuxostat ER auf (6,3 vs. 3,2 %). (2) Den deutschen Markt dürfte das Präparat eher nicht erreichen.
Quellen:
1 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s1 (OP0001)
2 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s310 (LB0008
