POLYMYALGIA RHEUMATICA

Erfolgreiche Suche nach steroidsparenden Therapien

Abb.: PMR-SPARE-Studie: Steroidfreie Remission unter Tocilizumab und Placebo nach 12, 16 und 24 Wochen (1)

Abb.: PMR-SPARE-Studie: Steroidfreie Remission unter Tocilizumab und Placebo nach 12, 16 und 24 Wochen (1)

Bei Polymyalgia rheumatica (PMR) handelt es sich um die zweithäufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung bei über 50-Jährigen. Zwar ist sie mit Glukokortikoiden (GK) gut behandelbar, jedoch benötigen viele Patienten diese für mehrere Monate oder gar Jahre mit dem damit einhergehenden Risiko für langfristige Nebenwirkungen. Steroidsparende Therapien werden daher dringend benötigt. Sehr gute Resultate lieferte eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-II/III-Studie zu dem Interleukin (IL)-6-Rezeptorinhibitor Tocilizumab, über die Michael Bonelli, Wien (Österreich), und Kollegen berichteten. Bereits vor dem ACR wurde zudem von einer niederländischen Gruppe um Diane E. Marsman, Nijmegen, eine Pilotstudie zu Rituximab bei PMR publiziert und hier erneut besprochen.  

Zunächst zu Tocilizumab: In der multizentrischen PMR-SPARE-Studie wurden 36 Patienten mit de-novo PMR auf dem Boden eines Prednison-Taperings-Protokolls (von initial 20 mg auf 0 in 11 Wochen) im Verhältnis 1:1 für 16 Wochen auf 1x wöchentlich s.c. Tocilizumab 162 mg (n=19) oder Placebo (n=17) randomisiert mit folgendem 8-wöchigen Follow-up. Primärer Endpunkt war der Anteil von Patienten in einer steroidfreien Remission in Woche 16, wichtige sekundäre Endpunkte waren die Zeit bis zum ersten Rezidiv und die kumulative GK-Dosis in Woche 16 und 24. 

Tocilizumab: Oft steroidfreie Remission möglich

Den primären Endpunkt einer GK-freien Remission in Woche 16 erreichten 63,2 % der Patienten unter Tocilizumab gegenüber 11,8 % unter Placebo (Odds ratio, OR 12,9, 95% KI 2,2-73,6; p=0,002). Ein signifikanter Vorteil war bereits in Woche 12 und anhaltend bis Woche 24 ersichtlich (je 57,9 vs. 17,6 %) (Abb.).

Auch bezüglich der mittleren Zeit bis zum ersten Rezidiv (130 vs. 82 Tage; p=0,007) und der medianen kumulativen GK-Dosis in Woche 16 (727 vs. 935 mg; p=0,003) sowie Woche 24 (781 vs. 1.290 mg) zeigte sich Tocilizumab gegenüber Placebo signifikant überlegen. Schwere unerwünschte Ereignisse (UE) wurden bei 5 Patienten im Placeboarm und einem in der Tocilizumab-Gruppe verzeichnet.

Auch wenn man angesichts der geringen Patientenzahlen mit Wertungen zurückhaltend sein sollte, sind die Ergebnisse dieser ersten randomisierten, kontrollierten Studie zu Tocilizumab bei PMR doch sehr positiv. Zumindest bei Patienten mit neu diagnostizierter PMR zeigte sich bei raschem GK-Tapering signifikant häufiger eine GK-freie Remission, längere Zeit bis zum Rezidiv und niedrigere kumulative GK-Dosis. Wünschenswert wäre jetzt eine größere kontrollierte Studie mit längerer Beobachtungsdauer. (1)

Erste positive Daten zu Rituximab bei PMR

Auf dem ACR „recycelt“ wurde eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 47 PMR-Patienten (38 de-novo), die für 21 Wochen 1:1 auf 1x i.v. Rituximab 1.000 mg oder Placebo randomisiert wurden (davon 17 Wochen plus GK). Den primären Endpunkt einer GK-freien Remission in Woche 21 hatten unter Rituximab und Placebo 48 vs. 21 % der Patienten erreicht (p=0,049), eine Remission mit GK-Dosis ≤5 mg/Tag 100 vs. 54 % (p=0,005). Eine Post-hoc-Analyse nur zu de-novo-Patienten ergab einen noch größeren Vorteil zugunsten von Rituximab mit 58 vs. 21 % (p=0,02) bzw. 100 vs. 47 % (p<0,001). Keine signifikanten Vorteile zeigten sich bei anderen Endpunkten wie z. B. dem PMR-Aktivitätsscore. Auch hier wäre angesichts der positiven Daten eine weitere Evaluation in einer größeren kontrollierten Studie sinnvoll. (2, 3)     

Quellen:
1   Arthritis Rheumatol 2021; 73 (Suppl 10): Abstr. 0507
2   Arthritis Rheumatol 2021; 73 (Suppl 10): Abstr. 1391
3   Lancet Rheumatol 2021; 3(11): e758-766