In der stellvertretend von Christian Dejaco, Bruneck (Italien), vorgestellten REPLENISH-Studie wurden 381 PMR-Patienten ≥50 Jahre (im Mittel 70 Jahre, 70 % Frauen, Zeit seit PMR-Diagnose 1,2 Jahre) mit kürzlich aufgetretenem Rezidiv im Verhältnis 1:1:1 über 52 Wochen auf Secukinumab 300 oder 150 mg oder Placebo (je n=127) randomisiert, jeweils in Kombination mit einem 24-wöchigen Prednison-Dosisreduktionsschema. Primärer Endpunkt war der Nachweis einer Überlegenheit der 300 mg-Dosis versus Placebo mit 24-wöchigem GK-Reduktionsschema im Erreichen einer anhaltenden Remission in Woche 52 (Remission in Woche 12 sowie von Woche 12 bis 52 keine erneuten PMR-Symptome bzw. keine Neudiagnose einer Riesenzellarteriitis [RZA], die eine Escape- [Erhöhung der GK-Dosis, erneute GK-Gabe ab Woche 24] oder Rescue-Therapie [Absetzen; alternative Therapie inkl. GK] erforderten). Wichtige sekundäre Endpunkte waren eine vollständige anhaltende Remission (inkl. Normalisierung von hsCRP und ESR), die kumulative GK-Dosis, die Zeit bis zur ersten Escape- oder Rescue-Therapie, PROs sowie die Sicherheit in Woche 52.
REPLENISH: POSITIVE DATEN ZU SECUKINUMAB
Der primäre sowie alle sekundären Endpunkte wurden erreicht. Der Anteil der Patienten mit anhaltender Remission in Woche 52 war unter Secukinumab 300 und 150 mg signifikant höher als unter Placebo (41,2 bzw. 40,6 % vs. 20,4 %; je p<0,001). Dasselbe galt für eine vollständige anhaltende Remission in Woche 52 (28,2 bzw. 24,5 vs. 4,7 %; je p<0,001) (Abb. 1).
Signifikante Vorteile für Secukinumab zeigten sich auch in puncto Remission in Woche 12, dem Ausbleiben eines PMR-Rezidivs oder einer neuen RZA-Diagnose sowie keiner Erhöhung von ESR und hsCRP zwischen Woche 12 und 52. Secukinumab-Patienten erhielten zudem eine signifikant niedrigere kumulative GK-Dosis (adjustierte mittlere jährliche GK-Dosis: 1.604 bzw. 1.683 vs. 2.093 mg; p<0,001 bzw. p<0,01). Weniger Patienten unter Secukinumab benötigten eine Escape- oder Rescue-Therapie (50,8 bzw. 51,6 vs. 75,6 %). Die mediane Zeit bis zu einer Escape- oder Rescue-Therapie war unter Secukinumab länger (337 bzw. 282 vs. 157 Tage). Das Risiko hierfür wurde um 50 % reduziert (Hazard Ratio, HR je 0,5; p< 0,001 bzw. p<0,01). (1, 2) Von Frank Buttgereit, Berlin, präsentierte Daten aus Subgruppenanalysen belegen eine konsistente Wirksamkeit von Secukinumab unabhängig von initialer GK-Dosis, Krankheitsdauer, Alter, Geschlecht, Gewicht oder Ethnizität. (3) Die Inzidenz unerwünschter Ereignisse (UE) sowie schwerwiegender UE (91,3/13,5 % bzw. 88,1/15,9 % vs. 89,8/14,2 %) war vergleichbar. Zum Therapieabbruch führende UE waren unter Secukinumab (je 3,2 %) seltener als unter Placebo (6,3 %). Die häufigsten UE unter Secukinumab (≥5 %) waren Nasopharyngitis, Arthralgie und Harnwegsinfektionen. (1, 2)
In der Gesamtschau zeigte Secukinumab bei Patienten mit rezidivierender PMR eine überlegene, passable Wirksamkeit einschließlich einer signifikanten GK-Einsparung und einer verringerten Notwendigkeit von Escape- oder Rescue-Therapien. Beide Dosierungen verdoppelten den Anteil der Patienten, die eine anhaltende Remission erreichten. Angesichts eines etablierten Sicherheitsprofils von Secukinumab dürfte eine künftige Zulassung bei rezidivierender PMR sehr wahrscheinlich sein.
JAK-SPARE: ZUNEHMENDE EVIDENZ FÜR BARICITINIB
Jenseits der IL-17A-Inhibition, die basierend auf (zunächst) positiven Daten bei RZA dann auch bei PMR untersucht wurde, verdeutlicht die Zulassung von Upadacitinib bei RZA den potenziellen Nutzen der JAK-Inhibition auch bei PMR. Gute Effekte von Baricitinib bei früher PMR waren im vergangenen Jahr bereits in der französischen BACHELOR-Studie belegt worden, jetzt legte eine österreichisch-italienische Gruppe um Helga Lechner-Radner, Wien, mit der als Late-Breaker präsentierten randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie JAK-SPARE nach. Hierin wurden 46 Patienten mit früher PMR (Diagnose vor ≤3 Wochen, initiale Prednison-Dosis ≤25 mg/Tag; im Mittel 65 Jahre, 45 % Frauen, Krankheitsdauer 16 Tage!) im Verhältnis 1:1 für 16 Wochen auf Baricitinib oder Placebo randomisiert, dies in Kombination mit einem raschen oralen GK-Ausschleichschema (von 20 auf 0 mg über 11 Wochen; Teil I). Nach Woche 16 wechselten die Placebo-Patienten zu Baricitinib 4 mg bis Woche 28 (Teil II), während die ursprünglichen Baricitinib-Patienten ihre Therapie mit derselben Dosis fortsetzten. Primärer Endpunkt war eine GK-freie Remission in Woche 16 (ITT-Population mit Non-Responder-Imputation). Sekundäre Endpunkte waren die GK-freie Remission in Woche 12, 28 und 44, Zeit bis zum ersten Rezidiv und kumulative GK-Dosis in Woche 16 und 28.
Der primäre Endpunkt in Woche 16 wurde von 65 % der Patienten unter Baricitinib im Vergleich zu 17 % unter Placebo erreicht (p=0,002) (Abb. 2). Im Vergleich zu Baricitinib war die Zeit bis zum ersten Rezidiv unter Placebo signifikant kürzer (p=0,035), und die mediane kumulative GK-Dosis in Woche 16 signifikant höher (1.183 mg vs. 962 mg; p=0,007). Die Raten der GK-freien Remission nach dem Crossover (Teil II) stiegen im Placebo-Arm auf 65 % und im Baricitinib-Arm auf 78 % an, wobei in Woche 28 keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Armen bestanden (p=0,514) (Abb. 2). In Teil III der Studie erfolgte schließlich eine Re-Randomisierung von 33 Patienten, die Baricitinib 4 mg beibehielten oder dieses auf 2 mg reduzierten bzw. ganz absetzten. Nach weiteren 16 Wochen (=Woche 44) blieben 93,3 % der Patienten auf Baricitinib 4 mg in GK-freier Remission im Vergleich zu 72,2 % mit Baricitinib 2/0 mg (p=0,186). In der Baricitinib- und Placebo-Gruppe trat jeweils ein schwerwiegendes UE auf. Insgesamt zeigte Baricitinib somit bei akzeptabler Sicherheit eine überlegene Wirksamkeit beim Erreichen und der Aufrechterhaltung einer GK-freien Remission. Diese Ergebnisse stützen den Einsatz von Baricitinib als wirksame, neue GK-sparende Therapieoption bei früher PMR. (4) Dass künftig Zulassungsstudien zu Baricitinib (oder Upadacitinib) angestrebt werden, darf aber eher bezweifelt werden.
REDUCE PMR 1: KEIN WIRKVORTEIL FÜR RITUXIMAB
Nur kurz eingegangen sei auf die von Noortje Kooijman, Nijmegen (Niederlande), in London präsentierte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte REDUCE PMR 1-Studie, in der 110 Patienten mit früher PMR einer Rituximab-Infusion (1.000 mg) oder Placebo zugewiesen wurden, dies kombiniert mit 15 mg Prednisolon, das über 17 Wochen reduziert wurde. Den primären Endpunkt einer GK-freien Remission erreichten 48,6 vs. 34,1 % der Patienten, und auch in den sekundären Endpunkten zeigten sich nur numerische Vorteile (z. B. kumulative GK-Dosis 1.761 vs 2.295 mg in Woche 52). Zwar zeigte sich im Trend konsistent ein unter Rituximab besseres Ansprechen, insgesamt sind die Ergebnisse aber eher enttäuschend. (5)
Quellen:
1 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s98 (OP0116)
2 N Engl J Med 2026; doi: 10.1056/NEJMoa2602567
3 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s325 (POS0019)
4 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s308 (LB0005)
5 Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s105 (OP0123)
