Und so startet man ins Berufsleben und die Zeit legt den Turbo ein. Es war von Anfang an klar, dass die Rheumatologie mein Zuhause wird, und ich habe es bis heute nie bereut! Ich muss gestehen, der Anfang war leider nicht besonders harmonisch. Nachdem ich bei meiner 1. Bewerbung eine Absage erhielt, begann ich meine Weiterbildung zunächst in einer anderen Klinik. Drei Jahre Basisweiterbildung waren im Handumdrehen vorbei und mein erstes Kind geboren!
Es erfolgte der erneute Versuch in einer rheumatologischen Klinik, eine Stelle zu bekommen. Aber auch hier sah es zunächst nicht so gut aus, sodass die Idee entstand, ein damals angebotenes Stipendium der DGRh zu nutzen. Hierfür bedurfte es eines Dreigespanns aus einem Weiterbildungsassistenten, einer Klinik und einer niedergelassenen Kollegin oder eines Kollegen. Und so lernte ich meine heutige Praxispartnerin im Jahr 2016 kennen.
Schließlich brauchten wir das Stipendium doch nicht und ich begann meine rheumatologische Ausbildung an der Uniklinik in Dresden. Die interdisziplinäre Arbeit am Maximalversorger war sehr bereichernd, aber ich merkte schnell, dass ich nicht für große Organisationen geschaffen bin. Es gab kein Umfeld, Ideen umzusetzen und zu viele Interessengruppen, die alle nur an ihrem, aber an keinem gemeinsamen Strang zogen. Und als technisch affiner Mensch arbeitet man schlicht im letzten Jahrtausend (was ja zugegeben noch nicht zu lange her ist, aber für mich dennoch frustrierend war).
Über die Jahre hielt ich Kontakt mit meiner heutigen Praxispartnerin und lernte dadurch auch die Welt der Niederlassung langsam kennen. Sie war es, die mir wertvolle Hinweise dazu gab, was ich an Ausbildung in der Klinik noch mitnehmen sollte (z. B. Labor, DXA). Wir berieten darüber, welcher Facharztabschluss nun die bessere Wahl sei. Letztlich entschied ich mich nach fünf Jahren, die Prüfung zur FÄ für Innere Medizin zu machen. Kurz danach wurde eine KV-Stelle für einen rheumatologischen Sitz in unserem Planungsbereich ausgeschrieben. Nur hatte ich noch eine Elternzeit mit meinem zweiten Kind und knapp zwei Jahre Weiterbildung vor mir.
Wir suchten nach Möglichkeiten, einen Teil meiner Weiterbildung in der Niederlassung absolvieren zu können. Leider fand sich trotz Gesprächen mit der KV Sachsen kein finanzierbarer Weg hierfür. Doch ließen wir uns nicht beirren und bauten weiter an unserem Plan, uns zusammenzutun. Mehrmals hörte ich die Frage, ob ich mir das wirklich richtig überlegt hatte, mich für eine Tätigkeit in der Praxis zu entscheiden. Naja, klar! Zumindest in dem Rahmen meiner Vorstellung davon.
Heute, fast drei Jahre nach dem Start im niedergelassenen Bereich und gut zwei Jahre nach der eigenen Niederlassung kann ich sagen, dass mir bei weitem nicht alle Facetten bewusst waren! Aber davon lasse und ließ ich mich nicht beirren. Erstens hatte ich mir das so in den Kopf gesetzt und zweitens ist es genau der Reiz an einem Abenteuer. Denn ein Abenteuer ist ein Vorhaben mit teils unbekanntem Verlauf und Ausgang. Und genau das macht es so spannend! Meine Ideen und meine progressiven Energien nutzen zu können, für etwas, wofür ich stehe.
Sicherlich hat mir meine Hartnäckigkeit dabei sehr geholfen. Auch meine frühe Entscheidung war es, die mir die Zeit verschafft hat, diesen Weg zu gehen und zu planen, mich zu informieren, Kontakte zu knüpfen, Wege zu bahnen. Aber es war eben auch eine Portion Zufall dabei, der mich 11 Jahre nach meiner Approbation, 2 Facharztprüfungen und 1 Laborkolloquium mit 2 Kindern und einem Partner, der stets (und manchmal mehr als ich selbst) an mich geglaubt und mich immer trotz seiner eigenen beruflichen Entwicklung unterstützt hat, heute in unserer Praxisgemeinschaft sitzen lässt. Mit einer ganzen Reihe Verantwortung, vielen neuen unternehmerischen und nicht-ärztlichen Aufgaben und einer riesigen Portion Freiheit zum Gestalten, Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit. Denn das ist es, was mich glücklicher macht als die Zahl auf dem Konto!
DR. KRISTIN WIEFEL
RHEUMATOLOGISCHE PRAXIS,
GERICHTSTRASSE 4,
01796 PIRNA
