EDITORIAL

Delegation: Neue Impulse durch DELIVER-CARE

Dr. Kirsten Hoeper

Dr. Kirsten Hoeper

Die ambulante Versorgung chronisch-entzündlicher Erkrankungen steht unter Druck: steigende Patientenzahlen, komplexe Therapien, engmaschige Kontrollen und ein spürbarer Mangel an fachärztlichen Ressourcen. Ein möglicher Ausweg aus diesem sich in den nächsten Jahren vermutlich noch verschärfenden Dilemma besteht in der Delegation ärztlicher Leistungen an die Rheumatologische Fachassistenz (RFA).

Delegation bedeutet immer Teamarbeit. Nicht als spontanes „Aufgaben abgeben“, sondern als strukturierter Prozess mit der Durchführung einer eigenen RFA-Visite. Wenn Delegation so umgesetzt wird, kann sie Versorgungsqualität stützen und zugleich Kapazität für neue und komplexe Fälle schaffen.

Die RFA-gestützte Versorgung ist nicht nur praktisch möglich, sondern kann auch messbare Effekte haben. Im Innovationsfondsprojekt DELIVER-CARE (Delegation und Vernetzung bei chronisch inflammatorischen Erkrankungen, #01NVF18014) wurde ein Delegationsmodell in der Rheumatologie, Gastroenterologie und Dermatologie untersucht. Die zentrale Fragestellung war, ob eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen mit einer multiprofessionellen Team-Betreuung im Vergleich zu der Versorgung allein durch den Facharzt, sichergestellt werden kann. Das hervorstechende Ergebnis der 12-monatigen Studie ist, dass eine teambasierte Versorgung mit qualifizierten MFA (RFA)-Visiten in den klinischen Ergebnissen nicht nachteilig war. Sie war aus gesundheitsökonomischer Sicht gut begründbar. Und sie adressiert ein Kernproblem der Versorgung, nämlich die Folgekosten eines verzögerten Facharztzugangs.

Für RFAs bedeutet das: Ihre Arbeit ist nicht Begleitung, sondern ein qualitätsrelevanter Teil der Versorgung, mit eigenem fachlichen Profil. Für Praxen bedeutet es: Delegation braucht Standards, Qualifikation, Dokumentation und Zeitfenster, sonst bleibt sie fragil. Und für die Systemebene ist die Schlussfolgerung unbequem, aber klar: Evidenz allein – seit August 2025 attestiert durch die Transferempfehlung in die Regelversorgung durch den Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) – reicht noch nicht.

Ohne einen verlässlichen Vergütungsrahmen bleibt Delegation ein Projekt und abhängig von Einzelengagement. Was es jetzt braucht, ist eine klare, bundeseinheitliche Vergütungslogik für strukturierte, qualitätsgesicherte MFA (RFA)-Visiten inklusive definierter Anforderungen, z. B. an die Qualifikation der MFA/RFA, aber auch Anpassung des rechtlichen Rahmens (Bundesmantelvertrag-Ärzte, BMVÄ, Anlage 24).

Wenn Delegation ein Standardbaustein gegen Versorgungsengpässe sein soll, dann sollte der Rahmen so gesetzt werden, dass Delegation für Praxen planbar und wirtschaftlich darstellbar ist.

Dr. Kirsten Hoeper
Klinik für Rheumatologie und Immunologie,
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover