PSORIASIS-ARTHRITIS

Bimekizumab überzeugt in zwei Phase-III-Studien

Abb. 1: BE OPTIMAL: ACR50- und PASI 90-Ansprechen auf Bimekizumab vs. Placebo vs. Adalimumab in Woche 16 (1)

Abb. 1: BE OPTIMAL: ACR50- und PASI 90-Ansprechen auf Bimekizumab vs. Placebo vs. Adalimumab in Woche 16 (1)

Abb. 2: BE COMPLETE: ACR50- und PASI 90-Ansprechen auf Bimkeizumab vs. Placebo in Woche 16 (2)

Abb. 2: BE COMPLETE: ACR50- und PASI 90-Ansprechen auf Bimkeizumab vs. Placebo in Woche 16 (2)

Abb. 3: Phase-II-Studie: ACR50-Ansprechen in Woche 16 unter Izokipeb vs. Placebo (3)

Abb. 3: Phase-II-Studie: ACR50-Ansprechen in Woche 16 unter Izokipeb vs. Placebo (3)

Bei der Psoriasis-Arthritis (PsA) nimmt die Flut an neuen Therapieoptionen kein Ende. Der duale Interleukin (IL)-17A/F-Inhibitor Bimekizumab steuert nach zwei positiven Phase-III-Studien den Weg zur Zulassung an (nicht nur bei der PsA). Vielversprechend sind zudem die Phase-II-Daten zu dem neuartigen IL-17A-Inhibitor Izokipeb, der mit seiner geringen Molekülgröße und aufgrund seiner hohen Selektivität perspektivisch Secukinumab und Ixekizumab Konkurrenz machen könnte. Ein weiterer Themenkomplex auf dem Kongress war die Unterscheidung von axialer PsA und Spondyloarthritis (SpA).

Als Late-breaking Abstract von Iain McInnes, Glasgow (Großbritannien), und Kollegen vorgestellt wurden die 24-Wochen-Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebo- und aktiv kontrollierten Phase-III-Studie BE OPTIMAL, in der der IL-17A/F-Inhibitor Bimekizumab über 52 Wochen bei bDMARD-naiven Patienten mit aktver PsA geprüft wurde. Die Studie setzte sich aus einer 16-wöchigen doppelblinden und anschließend 36-wöchigen Therapie-verblindeten Phase zusammen. In die Studie eingeschlossen wurden insgesamt 852 bDMARD-naive Patienten ≥18 Jahre mit aktiver PsA (SJC/TJC je ≥3; mindestens eine aktive psoriatische Läsion und/oder Psoriasis in Anamnese) (im Mittel 48,7 Jahre, BMI 29,2, 46,8 % Männer, Zeit seit Diagnose 5,9 Jahre, SJC/TJC ca. 17/9,5), die im Verhältnis 3:2:1 auf s.c. Bimekizumab 160 mg alle 4 Wochen (Q4W), Placebo oder s.c. Adalimumab 40 mg alle 2 Wochen (Q2W) als Referenz randomisiert wurden; ab Woche 16 wechselten die Placebo-Patienten auf Bimekizumab. Primärer Endpunkt war das ACR50-Ansprechen in Woche 16, sekundäre Endpunkte (hierarchisch) in Woche 16 waren der ΔHAQ-DI, das PASI90-Ansprechen, ΔSF-36 PCS, minimale Krankheitsaktivität (MDA) sowie die radiografische Progression (ΔvdH-mTSS) und die Resolution von Enthesitis (LEI) und Daktylitis (LDI). Bis Woche 16 bzw. 24 blieben 821 (96,4 %) bzw. 806 (94,6 %) der Patienten in der Studie.

Der primäre Endpunkt ACR50-Ansprechen in Woche 16 wurde signifikant erreicht (43,9 vs. 10,0 %; p<0,001; Adalimumab 45,7 %), ebenso alle hierarchischen sekundären Endpunkte. Noch größer war die Differenz in Woche 16 etwa im PASI 90-Ansprechen (61,3 vs. 2,9 %; p<0,001; Adalimumab 41,2 %) (Abb. 1). Bis Woche 24 erreichten unter Bimekizumab und Adalimumab 65,4/70,7 %, 45,5/47,1 % und 29,2/30,0 % ein ACR20/50/70-Ansprechen, die in Woche 16 auf Bimekizumab umgestellte Patienten holten rasch auf. Ein PASI 75/90/100-Ansprechen in Woche 24 erreichten analog 81,1/58,8 %, 72,8/47,1 % bzw. 56,2/38,2 % der Patienten. Eine MDA wiesen in Woche 16 je 45 % in den Verumarmen und in Woche 24 48,5 bzw. 47,9 % auf. Konsistent wurde eine Hemmung der strukturellen Progression nachgewiesen. Auch die Verträglichkeit war gut (Bimekizumab-assoziierte Candida-Infektionen waren mit 2,6 % selten), alle und schwere unerwünschte Ereignisse (UE) waren ähnlich verteilt. (1)

Bimekizumab vor und nach bDMARDs gleich effektiv

Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studie BE COMPLETE, in der Bimekizumab bei PsA-Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf TNFα-Inhibitoren geprüft wurde, stellten Joseph F. Merola, Boston (USA), und Kollegen vor. In die Studie eingeschlossen wurden 400 Patienten mit aktiver PsA für ≥6 Monate, einem SJC/TJC je ≥3, ≥1 psoriatischen Läsion und/oder Psoriasis in Anamnese sowie Versagen oder Intoleranz von 1-2 TNFα-Inhibitoren (für PsA oder Psoriasis). Die Teilnehmer (im Mittel 50,5 Jahre, BMI 29,8, 47,5 % Männer, Zeit seit Diagnose 9,5 Jahre, SJC/TJC ca. 19/10) wurden für 16 Wochen im Verhältnis 2:1 auf Bimekizumab 160 mg Q4W oder Placebo randomisiert. Der primäre Endpunkt war wiederum das ACR50-Ansprechen in Woche 16, wichtige sekundäre Endpunkte (hierarchisch) waren der ΔHAQ-DI, PASI 90, ΔSF-36 PCS und die MDA. 97 % der Patienten schlossen die 16-wöchige doppelblinde Studienphase ab.

Der primäre Endpunkt wurde mit 43,4 vs. 6,8 % (p<0,001) signifikant erreicht, das ACR50-Ansprechen auf Bimekizumab war somit fast identisch mit jenem in BE-OPTIMAL, obwohl 77 % der Patienten zuvor auf einen TNFα-Inhibitor versagt hatten. Alle hierarchischen sekundären Endpunkte wurden erreicht, so ein PASI 90-Ansprechen in Woche 16 von 68,8 vs. 6,8 % (p<0,001) (Abb. 2). Das ACR20- bzw. ACR70-Kriterium erfüllten 67,0 bzw. 26,6 % der Bimekizumab-Patienten, einen PASI 75 82,4 vs. 10,2 %; eine MDA erreichten 44,2 vs. 6,0 % (p<0,001). Auch bei der körperlichen Funktion zeigten sich signifikante Vorteile für den IL-17A/F-Inhibitor. Wieder zeigte sich ein recht gutes Sicherheitsprofil, therapieassoziierte UE wurden bei 40,1 vs. 33,3 % verzeichnet, eine orale Candidiasis trat erneut bei 2,6 % der Patienten unter Bimekizumab auf. (2)

Zusammengefasst ist sicher von einer Zulassung von Bimekizumab auszugehen, gerade die hohen MDA-Raten stechen hervor. Das Hautansprechen ist exzellent, ob aber bei PsA relevant besser als bei IL-23- oder konventionellen IL-17A-Inhibitoren, das bleibt offen. Beim Gelenkansprechen fanden sich keine Vorteile gegenüber Adalimumab.

Neuer IL-17A-Inhibitor Izokibep überzeugt in Phase-II

Über eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-II-Parallelgruppen– und Dosisfindungsstudie zu Izokibep berichteten Frank Behrens, Frankfurt/M., und Kollegen. In der Studie wurden 135 Patienten mit aktiver psA (SJC/TJC je ≥3) und Versagen auf NSAR oder csDMARD oder TNFα-Inhibitoren im Verhältnis 1:1:1 für 16 Wochen auf Izokibep 40 oder 80 mg Q2W oder Placebo randomisiert (im Mittel 48,5 Jahre, BMI 29,0, SJC/TJC 10 bzw. 17, Krankheitsdauer 7 Jahre, 13 % mit TNF-Versagen, 80 % begleitendes csDMARD). Primärer Endpunkt war das ACR50-Ansprechen von Izokibep 80 mg Q2W versus Placebo, sekundäre Endpunkte waren der ACR20/70, MDA, DAS28, DAPSA, SPARCC, LDI, PASI sowie die Verträglichkeit und Sicherheit.

Der primäre Endpunkt wurde signifikant erreicht (p=0,0003) mit einem ACR50 bei 52 und 48 vs. 13 % (80/40 mg/Placebo) der Patienten (Abb. 3). Ein ACR20-Ansprechen erreichten 75 und 60 vs. 26 %, das ACR70-Kriterium erfüllten 20 und 32 vs. 5 %. Ein PASI 75/90-Ansprechen trat bei bis zu 85 bzw. 57 % der Patienten ein, eine vollständige Resolution der Enthesitis (LEI) bei 88 % (80 mg) – letzteres ist besonders bemerkenswert. Auch eine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität (PsAID-Score) wurde beobachtet (41 und 31 vs. 12 %). Das Sicherheitsprofil war vergleichbar mit jenem der konventionellen IL-17A-Inhibitoren, die Rate von UE bewegte sich auf Placeboniveau. Angesichts des starken Ansprechens von Haut, Gelenken und vor allem Enthesitis wird die Substanz in Phase-III getestet werden, dann womöglich in einer noch höheren Dosierung. (3) 

Axiale PsA: Spezifische Charakteristika im Fokus

Ein viel diskutiertes Thema war die axiale PsA. Von den zahlreichen Vorträgen und Abstracts sei hier eine Interimsanalyse der prospektiven deutschen GESPIC Axial PsA-Kohorte von Henriette Käding, Berlin, und Kollegen herausgegriffen. Bei den bislang 88 Patienten mit durch Bildgebung gesicherter axPsA (im Mittel 45 Jahre, 57 % Frauen) zeigte sich ein im Vergleich zu klassischen axSpA-Patienten höherer Anteil betroffener Frauen und seltener eine HLA-B27-Positivität (48 %). Entzündliche Rückenschmerzen lagen bei 77 % vor, eine periphere Beteiligung bei 50 %. Etwa 70 % der Patienten erfüllten sowohl die ASAS- als auch CASPAR-Kriterien. Im MRT fiel bei 17 % eine isolierte Beteiligung der Wirbelsäule auf. Detailliertere Langzeitdaten, die einen Vergleich zu den axSpA-Patienten der GESPIC-Kohorte zulassen, werden in knapp 2 Jahren vorliegen. (4)

Quellen:

1   Ann Rheum Dis 2022; 81(Suppl 1): 206-207 (Abstr. LB0001)
2   Ann Rheum Dis 2022; 81(Suppl 1): 167-169 (Abstr. OP0255)
3   Ann Rheum Dis 2022; 81(Suppl 1): 170-171 (Abstr. OP0258)
4   Ann Rheum Dis 2022; 81(Suppl 1): 19 (Abstr. OP0026)