GICHTARTHRITIS

Aussicht auf neue Kombinationstherapie bei schwerer Gicht?

Zur Gichtarthritis gab es im Grunde in Chicago kaum Neuigkeiten. Dennoch lohnt sich der Blick auf eine Kombination aus nanoverkapseltem Sirolimus und Pegadricase (NASP), die in den bereits zuvor präsentierten Phase-III-Studien DISSOLVE-I und -II bei Patienten mit unkontrollierter Gicht vor allem die Tophuslast rasch reduzierte und ein Kandidat für eine künftige Zulassung sein könnte. Wohl nur für China ein Thema ist der Interleukin (IL)-1b-Antikörper Firsekibart, der bei akuter Gichtarthritis, wenn NSAR und Colchicin keine Option sind, gute Ergebnisse in einer Phase-III-Studie bot.

In den USA, nicht aber (oder nur kurz) Europa, ist bei schwerer Gichtarthritis zur Senkung des Serum-Harnsäure (sUA)-Spiegels Pegloticase zugelassen, dessen Problem jedoch ein Wirkverlust aufgrund Antikörperbildung ist. Letzteres wurde mit der Entwicklung von NASP, vormals SEL-212, vermieden. Die pegylierte Uricase Pegadricase reduziert effektiv den sUA-Spiegel, während die Sirolimus-Komponente des 1x alle 4 Wochen infundierten Präparats die Bildung von Anti-Pegadricase-Antikörpern vermindert.

NASP hoch effektiv bei starker Tophuslast

In eine von Herbert Baraf, Washington DC (USA), und Kollegen vorgelegte gepoolte Post-hoc-Analyse der DISSOLVE-I- (USA) und -II-Studie (global) gingen Patienten mit einem persistierend hohen sUA-Spiegel ≥7 mg/dl und klinischer Gichtsymptomatik (z. B. ≥3 Schübe binnen 18 Monaten, ≥1 Tophus) trotz oraler Harnsäuresenker ein. Diese wurden im Verhältnis 1:1:1 auf hoch (0,15 mg/kg Sirolimus/0,2 mg/kg Pegadricase) oder niedrig dosiertes NASP (0,10 mg/kg Sirolimus/0,2 mg/kg Pegadricase) bzw. Placebo randomisiert. In der ITT- Population mit Tophi zu Studienbeginn (n=167) erreichten 82 und 88 % vs. 51 % der Patienten nach 24 Wochen eine partielle oder vollständige Tophusreduktion. Eine vollständige Remission (100 % Flächenreduktion oder komplettes Verschwinden aller Tophi) wurde bei 31 und 48 % vs. 5 % beobachtet (alle p<0,01) – die niedrige Dosis schnitt also insgesamt sogar besser ab. Im Vergleich zu Placebo wurde der sUA-Spiegel nach 24 Wochen um 88 und 94 % gesenkt, mit raschem Wirkeintritt nach der ersten Infusion. (1)

Eine zweite Analyse der beiden Studien zeigte, dass sich unter der hohen bzw. niedrigen NASP-Dosierung die Zahl schmerzhafter bzw. geschwollener Gelenke um 74 und 92 % vs. 40 % respektive 90 und 91 % vs. 54 % reduzierte. Überdies zeigte sich im SF-36 eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität (+5,9 und +9,7 vs. +2,8 Punkte) sowie Schmerzreduktion im HAQ-DI um 60 bzw. 80 % gegenüber Placebo. (2)

Bei schwerer, tophöser Gicht, wenn die üblichen Harnsäuresenker wie Allopurinol oder Febuxostat nicht ausreichend wirksam sind, würde NASP somit eine rasche und effektive Auflösung von Tophi und Verringerung der Krankheitslast offerieren. Während ein Zulassungsantrag bei der FDA bereits gestellt wurde (mit einer Entscheidung wird Mitte 2026 gerechnet), ist unklar, ob und wann eine Zulassung auch für den europäischen Markt angestrebt wird.

Firsekibart bei akuter Gichtarthritis

Während hierzulande bei akuter Gichtarthritis jenseits von NSAR, Glukokortikoiden (GK) und Colchicin noch der IL-1b-Inhibitor Canakinumab (oder auch Anakinra) eine Option sind, kann man in China zumindest auf Canakinumab nicht zurückgreifen. Als Alternative prüften daher chinesische Experten um Yu Xue, Shanghai, den IL-1b-Antikörper Firsekibart (früher Genakumab) in einer randomisierten, doppelblinden, aktiv kontrollierten Phase-III-Studie bei 311 Gichtpatienten mit Kontraindikation, Intoleranz oder Unwirksamkeit von NSAR oder Colchicin. Diese wurden 1:1 auf eine s.c.-Dosis Firsekibart 200 mg oder i.m.-Injektion mit Betamethason 7 mg randomisiert.

Nach 12 bzw. 24 Wochen kam es unter Firsekibart signifikant seltener zu einem neuen Schub (10,9 vs. 65,2 % bzw. 14,7 vs. 66,5 %; p<0,0001), enstprechend einer Risikoreduktion um 90 % (Hazard Ratio, HR 0,10; 95% KI 0,06-0,17) bzw. 87 % (HR 0,13; 95% KI 0,08-0,21). Die Schmerzreduktion war vergleichbar, jedoch trat die Wirkung unter Firsekibart schneller ein. (3) In einer Subgruppe (n=42) von Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR <60 ml/min/1,73 m2) erwies sich Firsekibart ebenfalls als wirksam. Das Risiko eines neuen Schubs wurde nach 12 bzw. 24 Wochen um 98 % (HR 0,02; p=0,0002) bzw. 96 % (HR 0,04; p<0,0001) reduziert. (4) Im Allgemeinen und auch bei eingeschränkter Nierenfunktion wurde Firsekibart ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil attestiert. (3, 4)

Quellen:

1   Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl. 9): Abstr. 1998
2   Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl. 9): Abstr. 2587
3   Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl. 9): Abstr. 2013
4   Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl. 9): Abstr. 2014