RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Aktuelles zur Therapie und Begleiterkrankungen

Abb.: Gute Wirksamkeit von Ozoralizumab in Woche 16 in japanischer Phase-II/III-Studie

Abb.: Gute Wirksamkeit von Ozoralizumab in Woche 16 in japanischer Phase-II/III-Studie

Über neue Entwicklungen bei der rheumatoiden Arthritis (RA) berichtete PD Dr. Alexander Pfeil, Jena. Im Blickpunkt standen die ACR- und EULAR-Empfehlungen zur RA, neue Therapiekandidaten, die Sicherheit von tsDMARDs, Strategien bei mit RA assoziierten interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) und bei Osteoporose.

Ein neuer Therapiekandidat bei RA ist der direkte Interleukin (IL)-6-Inhibitor Olokizumab, der inzwischen erfolgreich in mehreren Phase-III-Studien (CREDO1-3) geprüft wurde und bei einem mit den beiden etablierten IL-6-Rezeptorinhibitoren vergleichbarem Effektivitäts- und Sicherheitsprofil im nächsten Jahr zugelassen werden könnte. Noch etwas weiter ist wohl der Weg für Ozoralizumab, einen humanisierten, multivalenten Anti-TNFα-Nanokörper, der in einer japanischen Phase-II/III-Studie nach Methotrexat (MTX)-Versagen nach 16 Wochen eine sehr gute Wirksamkeit zeigte (Abb.) und jetzt hoffentlich auch außerhalb Asiens weiter exploriert wird.

Neue RA-Leitlinien von ACR und EULAR

Neue Leitlinien zur RA gab es seitens des ACR und auch der EULAR (noch nicht publiziert). Während die ACR Glukokortikoide (GK) möglichst schon zu Therapiebeginn verbannen will, sieht die EULAR diese weiter vor, mahnt aber nunmehr ein rasches Absetzen und nicht nur eine Dosisreduktion an. Laut ACR sollen Januskinase (JAK)-Inhibitoren erst nach Versagen auf bDMARDs (i.e. TNFα-Inhibitoren) zum Zuge kommen. So weit geht die EULAR nicht, dort werden JAK-Inhibitoren nach csDMARD-Versagen weiterhin (fast) gleichrangig mit bDMARDs eingestuft, jedoch sollen die in der ORAL Surveillance-Studie für Tofacitinib versus TNFα-Inhibitoren etablierten Risikofaktoren (kardiovaskulär, Malignitäten, aber auch Infektionen – vor allem bei älteren Patienten) berücksichtigt werden. Die Diskussion diese Studie nahm wieder viel Raum ein, jedoch sind auch Patientenregister zu berücksichtigen, die durchaus auch andere Rückschlüsse zulassen. Beispielhaft genannt sei das deutsche RABBIT-Register, in dem selbst bei kardiovaskulären Risikopatienten das Risiko von JAK- versus TNFα-Inhibitoren nicht erhöht war. Fazit von Pfeil war, dass noch deutlich mehr Real-world-Daten benötigt werden, um ein klareres Bild zu bekommen.

Im Blickpunkt: RA-ILD und Osteoporose

Immer stärker im Fokus stehen extraartikuläre RA-Manifestationen der Lunge, vor allem die ILD – ein konsequentes Screening ist hier unerlässlich. Signifikante Risikofaktoren für eine RA-ILD-Progression sind männliches Geschlecht, hohes RF-IgA und ein UIP-Muster in der HRCT, das Erreichen einer Remission oder niedrigen Krankheitsaktivität senkt das Risiko für RA-ILD. Empfohlene Basistherapeutika sind Rituximab und Abatacept, bei einer akuten Exazerbation GK in Kombination mit Cyclophophamid (oder MMF). Bei progressivem Verlauf steht mit Nintedanib zusätzlich auch eine wirksame antifibrotische Therapie zur Verfügung.    

Neuigkeiten gibt es auch zur Osteoporose als wichtiger Komorbidität bei RA. Bei Patienten mit hohem Frakturrisiko geht der Trend im Rahmen einer Sequenztherapie vermehrt zum First-line-Einsatz von osteoanabolen Therapien (danach Denosumab bzw. Bisposphonate), wozu Teriparatid und seit einiger Zeit auch der Sclerostin-Inhibitor Romosozumab zur Verfügung stehen. Der anfängliche Verdacht aus Mausmodellen, dass Romoszumab bei RA zu einer verstärkten entzündlichen Aktivität und Knochendestruktion führen könnte, hat sich nicht bestätigt. In einer kontrollierten japanischen Studie mit postmenopausalen Frauen mit RA erhöhte Romosozumab nach 12 Monaten stärker als Denosumab die Knochendichte (BMD) an der Lendenwirbelsäule ohne die Krankheitsaktivität negativ zu beeinflussen (es schnitt bezüglich des DAS28-ESR sogar besser ab) oder Knochendestruktionen (mTSS)  zu begünstigen. Eine japanische Beobachtungsstudie bei RA-Patienten unter einer GK-Therapie bot ein ähnliches Ergebnis.

Quelle: Plenarsitzung „WIN: RA/SpA/PsA“, 1. September 2022