KI-GESTÜTZTE MRT BEI AXIALER SPONDYLOARTHRITIS
Ein Fokus lag auf dem Zusatznutzen von KI bei der Detektion entzündlicher Läsionen bei axialer Spondylarthritis (axSpA) und aktiver Sakroiliitis mittels MRT. Letztere – vor allem der Nachweis von Knochenmarködem (BME) nach den ASAS-Kriterien – spielt eine zentrale Rolle für die axSpA-Frühdiagnose. In einer multizentrischen, retrospektiven Studie mit 684 Iliosakralgelenks-MRTs wurde ein Deep-Learning-Modell entwickelt, das anhand automatischer Gelenksegmentierung und Erkennung von BME auf ≥2 konsekutiven Schichten ASAS-positive MRTs identifiziert. Erreicht wurde eine balancierte Genauigkeit von 81,3 % (Sensitivität 71,4 %, Spezifität 91,1 %), bei eindeutigen Läsionen sogar 89,3 % balancierte Genauigkeit (Sensitivität 84 %, Spezifität 94,5 %), während die Leistung bei schlechter Bildqualität oder sehr subtilen Läsionen deutlich nachließ. Dieses KI-Modell könnte durch Standardisierung der MRT-Befundung Radiologen unterstützen und so die diagnostische Genauigkeit und Patientenversorgung bei axSpA verbessern. (1)
QUANTITATIVE THORAX-CT BEI RA-ASSOZIIERTER ILD
Eine US-Studie untersuchte die diagnostische Wertigkeit des Thorax-CT bei rheumatoider Arthritis und interstitieller Lungenerkrankung (RA-ILD). Bei RA-Betroffenen tritt eine RA‑ILD häufig auf und wird klassischerweise mit Lungenfunktionstests, insbesondere der forcierten Vitalkapazität (FVC), überwacht. In dieser multizentrischen, prospektiven Kohorte von 113 RA‑ILD‑Patienten wurde untersucht, ob eine quantitative Auswertung der Thorax-CT (qCT, Prozentanteil hochdichter Areale [%HAA]) eine Alternative bzw. Ergänzung zu FVC, DLCO und respiratorischen patientenberichteten Endpunkten darstellt und ob sie prognostische Aussagekraft für das Überleben hat.
Die qCT‑Parameter (%HAA) zeigten nur schwache bis moderate negative Korrelationen mit FVC und DLCO, waren aber nicht mit Dyspnoe- und Hustenfragebögen assoziiert. Über 169 Patientenjahre traten 17 Todesfälle auf; höhere %HAA-Werte gingen tendenziell mit schlechterem Überleben einher, erreichten jedoch keine Signifikanz, ähnlich wie FVC, während höhere Dyspnoe-Scores mit einer ungünstigeren Prognose verbunden waren. Somit scheinen qCT‑basierte %HAA‑Messungen vergleichbare prognostische Informationen zum Überleben liefern zu können wie die FVC und könnten sich als zusätzliches Tool zur Charakterisierung und Verlaufskontrolle eignen. (2)
HÄMOCHROMATOSE-ARTHROPATHIE IM FOKUS
Die Hämochromatose-Arthropathie ist bislang wenig untersucht, obwohl Gelenkbeschwerden häufig zu den ersten Manifestationen gehören und wegen Fehldiagnosen oft verspätet erkannt und behandelt werden. In einer systematischen Literaturübersicht und Metaanalyse wurden klinische und bildgebende Merkmale aus 36 Studien zusammengetragen, um die Entwicklung der EULAR-Klassifikationskriterien zu unterstützen.
Am häufigsten betroffen waren die MCP Gelenke 2 und 3 mit eingeschränkter Beweglichkeit, knöcherner Auftreibung und Schmerzen; bildgebend fanden sich dort vor allem subchondrale Zysten, Gelenkspaltverschmälerung und Osteophyten, während Chondrocalcinose überwiegend im Knie und subchondrale Sklerose vor allem in der Hüfte beschrieben wurden. Insgesamt zeigte sich aufgrund der Seltenheit der Erkrankung, kleiner Fallzahlen und heterogener Ergebnisse eine deutliche Evidenzlücke, was die Bedeutung der inzwischen publizierten Klassifikationskriterien für Hämochromatose-Arthropathie unterstreicht. (3)
Prof. Dr. med. Herbert Kellner
Schwerpunktpraxis für Rheumatologie und Gastroenterologie
und Ärztlicher Leiter der Abteilung Rheumatologie
Romanstr. 9, 80639 München
Quellen:
1 Alnaqbi K et al., Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl 9): Abstr. 0538
2 Anthone E et al., Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl 9): Abstr. 1946
3 Engelhardt S et al., Arthritis Rheumatol 2025; 77(Suppl 9): Abstr. 1908
