ANCA-ASSOZIIERTE VASKULITIDEN

Aktuelle Studiendaten im Überblick

Wie schon auf den letzten internationalen Kongressen waren die Neuigkeiten zu den ANCA-assoziierten Vaskulitiden (AAV) eher überschaubar. Nicht näher eingegangen sei auf die Diskussionen (mit unterschiedlichen Re-Evaluationen seitens FDA und EMA) rund um Avacopan, wo die weiteren Entwicklungen abzuwarten bleiben, und die ersten Erfolge mit CAR-T-Zelltherapien bei schweren AAV-Formen. Im Fokus stehen hier Studien zu einer Sequenztherapie aus Rituximab und Belimumab bei PR3+ AAV, zur Rolle niedrig dosierter Glukokortikoide (GK) in der Erhaltungstherapie sowie praxisrelevante Daten zur eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA).

Von der sequenziellen Kombination aus Anti-CD20 B-Zell-Depletion (Rituximab) und BAFF/Blys-Antagonismus (Belimumab) erhofft man sich eine bessere ANCA-Hemmung und Krankheitskontrolle bei AAV-Patienten. Britische Rheumatologen um Mark McClure, Cambridge, präsentieren eine kleine, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 32 aktiven PR3+ AAV-Patienten, die für 52 Wochen im Verhältnis 1:1 einen Rituximab-Zyklus plus nachfolgend Belimumab (n=17) oder Placebo (n=15) mit einem standardisierten GK-Taperingschema erhielten. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur ANCA-Negativität (<2,0 IU/l). Unter Rituximab/Belimumab kam es häufiger zu PR3-ANCA-Negativität (29,4 vs. 13,3%, Hazard Ratio, HR 4,70; p=0,12). Belimumab verzögerte die B-Zell-Rekonstitution in Monat 12 und 18. Zudem wurde schneller eine Remission erreicht (42 vs. 91 Tage, HR 2,29; p=0,031) und Rezidive waren seltener (35 vs. 53 %, HR 0,64; p=0,40). Bei ähnlichem Sicherheitsprofil zeigte somit die Kombination im Trend gewisse Vorteile. (1)

Mit der Frage, ob unter einer Rituximab-Erhaltungstherapie niedrig dosierte GK einen klinische Nutzen ohne erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen bringen, beschäftigten sich griechische Rheumatologen um Katerina Chavatzi, Athen, in einer retrospektiven Kohortenstudie mit 171 AAV-Patienten. Nach einem medianen Follow-up von 88,2 Monaten war Rituximab mit einem geringeren (HR 0,21; p<0,001) und eine hohe Krankheitsaktivität zu Baseline (HR 1,17; p=0,04) mit einem höheren Risiko für schwere Schübe assoziiert. Niedrig dosierte GK reduzierten das Risiko für schwere Schübe nicht (HR 0,96; p=0,4), erhöhten aber zugleich das Risiko für Krankheitsschäden (HR 1,52; p<0,001) und Hospitalisierungen (HR 1,24; p=0,006). Diese Ergebnisse sprechen eher für ein früheres, aggressives Absetzen von GK nach erreichter Remission. (2)

EGPA: WAS GIBT ES NEUES?

Bei EGPA gewinnt die IL-5(R)-Inhibition mit Mepolizumab und Benralizumab zunehmend an Bedeutung. Für die europäische EGPA-Studiengruppe stellte Roberto Padoan, Padua (Italien), die 2-Jahres-Daten der Real-World-Studie MEPEARL mit 587 Patienten vor. Ein früher Start mit Mepolizumab war unabhängig mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Remission und Absetzen von GK in den Monaten 12-24 verbunden, die Dosis (100 oder 300 mg/4 Wochen) spielte hier keine relevante Rolle. (3) In einer anderen Analyse dieser Studie, die Alessandro Bettiol, Florenz (Italien), präsentierte, schien die höhere Mepolizumab 300 mg/4 Wochen-Dosis jedoch mit einer höheren Ansprechrate und geringeren GK-Exposition assoziiert zu sein. (4) Gelingt mit Anti-IL-5-Therapien allein keine ausreichende Besserung von Asthma und HNO-Beschwerden, kann die Kombination mit dem IgG4-Antikörper Dupilumab effektiv sein, berichtete Miriam Guerini, Pavia (Italien), für die europäische EGPA-Studiengruppe anhand von 22 Fällen (Mepolizumab, n=12, Benralizumab, n=10), wobei bis zu einem optimalen Ansprechen mindestens 6 Monate einzukalkulieren sind. (5)

Quellen:
1   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s201 (OP0232)
2   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s198 (OP0229)
3   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s195 (OP0226)
4   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s201 (OP0233)
5   Ann Rheum Dis 2026; 85 (Suppl1): s200 (OP0231)