RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Therapieabbau unter engmaschiger Kontrolle vielfach möglich

Abb.: RETRO-Studie: Aufrechterhaltung einer DAS28-ESR-Remission nach 12 Monaten in Fortsetzungs-, Tapering- und Stopp-Gruppe

Abb.: RETRO-Studie: Aufrechterhaltung einer DAS28-ESR-Remission nach 12 Monaten in Fortsetzungs-, Tapering- und Stopp-Gruppe

Angesichts der von aufgrund früherer Diagnosestellung und konsequenterer Therapie stetig steigenden Remissionsraten rückt das langfristige Management von Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) in anhaltender Remission immer stärker in den Fokus. Deutsche Rheumatologen um Georg Schett, Erlangen, publizierten nun die finalen Ergebnisse der RETRO-Studie, in der untersucht wurde, inwieweit der Abbau oder das Absetzen von konventionellen und biologischen DMARDs bei RA-Patienten in stabiler Remission das Aufrechterhalten von Remission ohne erforderliche Wiederaufnahme der DMARD-Therapie gestattet.

Bei RETRO handelt es sich um eine “Investigator-initiated”, multizentrische, prospektive, randomisierte, kontrollierte, open-label (komplett unverblindete) Parallelguppenstudie der Phase-III, in die Patienten ≥18 Jahre mit RA für ≥12 Monate vor der Randomisierung eingeschlossen wurden, bei denen eine anhaltende DAS28-ESR-Remission <2,6 vorlag. Geeignete Patienten wurden konsekutiv in 14 deutschen Krankenhäusern oder ambulanten Rheumazentren ohne Stratifizierung und unabhängig von der Therapie zu Baseline im Verhältnis 1:1:1 auf eine 100 %-Fortsetzung der bestehenden DMARD-Therapie, deren Reduktion um 50 % (Tapering) oder eine Dosisreduktion um 50 % und nach 6 Monaten vollständiges Absetzen der DMARDs (Stopp) randomisiert. Alle drei Monate erfolgte eine Untersuchung der Patienten mit Screening der Krankheitsaktivität und auf Rezidive. Als primärer Endpunkt wurde der Anteil von Patienten in einer anhaltenden DAS28-ESR-Remission ohne Rezidiv nach 12 Monaten festgelegt, analysiert mittels Log-Rank-Test und Cox-Regression. Die Analyse von prmärem Endpunkt und Sicherheit erfolgte in einer modifizierten Intention-to-treat (ITT)-Population mit vollständigen Baseline-Daten

RETRO-Studie: Deeskalation sinnvoll, aber mit Vorsicht

Zwischen Mai 2010 und Mai 2018 waren insgesamt 303 RA-Patienten eingeschlossen und einer Fortsetzung (n=100), dem Tapering (n=102) oder dem Stopp der DMARDs (n=101) zugeteilt worden. 282 (93 %) der Teilnehmer wurden analysiert, in den genannten Gruppen waren dies 93, 91 bzw. 95 %. Eine Remission nach 12 Monaten wurden aufrechterhalten bei 81,2 % (95% KI 73,3–90,0) der Patienten in der Fortsetzungs-Gruppe, 58,6 % (95% KI 49,2-70,0) in der Tapering- und 43,3 % (95% KI 34,6–55,5) in der Stopp-Gruppe (p=0,0005 mit Log-Rank-Test für Trend). Die Hazard ratios (HRs) im Vergleich zur Fortsetzungs-Gruppe betrugen 3,02 (95% KI 1,69–5,40; p=0,0003) für die Tapering- und 4,34 (95% KI 2,48–7,60; p<0,0001) für die Stopp-Gruppe. Die Mehrzahl der Patienten, die nach dem Abbau oder dem Absetzen der DMARDs ein Rezidiv erlitten, erreichte nach einer 100 %-Wiederaufnahme der vorherigen DMARD-Therapie erneut eine Remission. Schwere unerwünschte Ereignisse (überwiegend Verletzung oder prozedurale Komplikationen) wurden bei 11, 8 und 14 % der Patienten in der Fortsetzungs-, Tapering- und Stopp-Gruppe verzeichnet, keines dieser Ereignisse wurde auf die Intervention zurückgeführt.

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist die auch in Leitlinien festgehaltene Feststellung, dass bei Patienten in anhaltender Remission eine Reduktion der DMARD-Therapie möglich ist – etwa 50 % der Patienten bleiben in Remission. Dennoch waren die Rezidivraten nicht nur beim vollständigen Absetzen (>4-fach erhöht) sondern auch bei einem Abbau um 50 % (um das 3-fache erhöht) gegenüber dem 100%-igen Beibehalten der DMARD-Therapie signifikant gesteigert. Deshalb empfehlen die Autoren in der Phase der Therapiedeeskalation eine engmaschige Kontrolle der Krankheitsaktivität, um rasch gegensteuern zu können. Positiv ist, dass fast durchweg eine erneute Remission nach der Rückkehr zur ursprünglichen Therapie gelang. Eine substanzielle Anzahl von RA-Patienten könnte somit vor einer Über-Therapie bewahrt werden, man sollte aber Vorsicht walten lassen und die Entscheidung für eine Therapiereduktion stets individuell und gemeinsam mit dem Patienten treffen.      

Quelle: Lancet Rheumatol 2021; 3(11): e767-e777

 

Offizielles Mitteilungsorgan des BDRh e.V.