EDITORIAL

Wenn Alles so bleibt wie es ist, dann muss sich Vieles ändern

Dr. med. Silke Zinke

Dr. med. Silke Zinke

Prof. Dr. med. Christoph Fiehn

Prof. Dr. med. Christoph Fiehn

Sonja Froschauer

Sonja Froschauer

„Wenn Alles so bleibt  wie es ist, dann muss sich Vieles ändern“ -  das war das Motto des vom Frühjahr auf den 19. und 20. November verschobenen BDRh-Kongresses 2020. Ursprünglich hätte der Kongress am 27. bis 28. März als Präsenzkongress in Berlin stattfinden sollen. Die SARS-CoV-2-Pandemie machte nur wenige Wochen vorher eine rasche Entscheidung für eine Verlegung notwendig.

Zu diesem Zeitpunkt Anfang März waren wir, wie so viele, noch voll der Hoffnung, dass sich die Situation bald bessern würde und im Herbst wieder normale Kongresse möglich wären. Eine „zweite Welle“ der Pandemie war zu diesem Zeitpunkt nur eine hypothetische Bedrohung. Dass es notwendig werden muss, und auch überhaupt möglich ist, alle Veranstaltungen und das Zusammenkommen von Menschen über so lange Zeit auszusetzen, konnte und wollte sich damals noch niemand vorstellen. 

Nun ist es aber doch so gekommen und der BDRh ist zu seinem ersten reinen Online-Kongress gekommen. Und wie so oft in diesen Tagen zeigt es sich, dass die Dinge virtuell vom Schreibtisch zu Hause besser funktionieren als man es zu hoffen gewagt hat. Die Teilnahme war großartig: 522 Teilnehmer insgesamt, mit über 400 Logins für einzelne Veranstaltungen, sogar noch bei der letzten Session am Freitagnachmittag waren es 288 Zuschauer. Von den thematisch sehr vielseitigen und hochkarätig besetzten Satellitensymposien liefen jeweils drei parallel. Trotzdem schalteten sich auch bei diesen immer mindestens 95 und bis zu maximal 190 Teilnehmer pro Veranstaltung zu. Das sind Zahlen, wie man sie in Präsenzkongressen kaum erreicht und auf die wir auch ein bisschen stolz sind. 

Das Interesse war also beeindruckend, und die Bereitschaft der BDRh-Mitglieder und aller anderen Interessierten sich auf das neue Format des Kongresses einzulassen, sehr groß. Auch wenn der Kongress hinsichtlich der Dauer, im Vergleich zur Planung im Frühjahr, abgespeckt wurde, so konnten wir doch inhaltlich einiges abdecken und Diskussionen anstoßen. Wir hatten 44 Vorträge mit 33 Referenten zu einer breiten Palette von Themen. 

Insgesamt 16.000-mal interagierten die Teilnehmer digital miteinander. Es begann am Donnerstag mit dem Übertitel „Aktuelles zur Gesundheitspolitik“ zum Thema „Hat Freiberuflichkeit noch eine Zukunft?“. Hier hatten wir interessante Beiträge welche das Thema praktisch ärztlich, von Seiten des Spitzenverbands der Fachärzte und aus juristischer Sicht beleuchteten. Am Nachmittag wurden die berufspolitische Arbeit und die Aktivitäten von BDRh und BDRh Service GmbH im Überblick von den Mitgliedern des BDRh-Vorstandes vorgestellt. Da ging es um Weiterbildung und Nachwuchsförderung, Labor, Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV), Honorar- und Gebührenordnung, Selektivverträge, Kongress sowie Digitalisierung und IT. Zwischen den großen Vortragsveranstaltungen konnten die Teilnehmer in zwei offenen Experten-sprechstunden zur ASV und den Versorgungsverträgen Fragen stellen. 

Der aktuelle Stand der Versorgungsinitiativen war auch Inhalt der Session am Freitagvormittag, bei denen die verschiedenen Projekte RheumaOne, Barmer-Vertrag, VERhO, Rheuma-VOR, PETRA sowie weitere zukünftige Projekte vorgestellt wurden. Schließlich endete der Kongress am frühen Freitagnachmittag mit dem sehr aktuellen Thema „Praxisorganisation in Zeiten von COVID-19 – was die Pandemie für uns bedeutet“. Hier ging es nicht nur um Organisatorisches und was wir für die Praxis aus der Pandemie lernen, auch die Umsetzung des Rettungsschirms und ein Ausblick auf die Frage, welche Rolle die Pandemie für die Zukunft des Gesundheitswesen bedeutet, vertieften das Thema. 

Parallel zum Kongress lief die Fortbildungsveranstaltung des Fachverbandes der Rheumatologischen Fachassistenz e. V. mit 5 Vorträgen zu verschiedenen Themen aus der gesamten Rheumatologie auch dieses Jahr wieder eine erfolgreiche Ergänzung des Kongresses.

Diese Übersicht wäre nicht komplett, wenn nicht die vielen Satellitensymposien genannt werden, die eine Vielzahl von medizinischen, wissenschaftlichen und berufspolitischen Themen durch sehr erfahrene und versierte Referenten abdeckten. Wir danken den 15 Firmen der pharmazeutischen Industrie für die erfolgreiche Gestaltung dieser Sessions und auch für die Unterstützung, ohne die der Kongress nicht möglich gewesen wäre. Für die Sponsoren waren auf der Kongressseite Rubriken geschaffen worden, auf denen sie ihr Profil darstellen konnten. 

Keine Frage: das menschliche Zusammenkommen fehlt bei einem digitalen Kongress, die Begegnung und der entspannte Austausch in der Pause oder am Abend. Gerade bei uns Rheumatologen, die wir ja letztlich eine „kleine Familie“ innerhalb der Fachgebiete sind, mit vielen Vernetzungen und persönlichen Beziehungen, wird das schmerzlich vermisst. 

Um Ersatz dafür zu schaffen, haben wir eine digitale Lounge geschaffen, mit Pausenräumen zum Reden und Treffen, einem Gästebuch und einem Chatraum. All das wurde lebhaft und phantasievoll genutzt. Außerdem hatten wir nach der Mitgliederversammlung des BDRh ein digitales „Come together“ mit Jazz-Musik des Berliner Duos „Sunnyside“ und Gruppengesprächen in einem digitalen „Cocktailempfang“ am Donnerstagabend. Viele werden vielleicht zu Hause ihr Feierabendbier geöffnet haben oder sich auch tatsächlich mit einem  Cocktail für den langen Tag belohnt haben, während sie am „Come together“ teilnahmen. 

Wir als Tagungspräsidenten waren sehr glücklich mit dem BDRh-Kongress 2020, wie er letztendlich ablief und was er an Information und Diskussion gebracht hat. Das gute Feedback, dass wir von den Teilnehmern bekommen haben, bestärkt uns in dieser Sicht. Wir danken nochmal allen Beteiligten, insbesondere den Mitarbeitern der Rheumaakademie und der Firma Kaiserwetter, den Referenten und den Sponsoren für Ihre Unterstützung.

Es ist uns aber durchaus bewusst, dass gerade für die jungen Ärztinnen und Ärzte, die neu in der Rheumatologie sind und vielleicht in unserer Community noch wenige kennen, ein Online-Kongress nur wenig Gelegenheit zum Kennenlernen bietet. Genau diese möchten wir aber ganz besonders erreichen. Nicht nur deswegen freuen wir uns daher auf ein möglichst analoges Meeting mit physischer Präsenz im neuen Jahr. Dafür laden wir Sie jetzt schon ganz herzlich zum BDRh-Kongress 2021 am 23. und 24. April 2021 ein. Hoffentlich dann mit einem Wiedersehen für uns alle im Seminaris Campus-Hotel Berlin.                                    

Wir freuen uns auf Sie

Ihre 
Dr. med. Silke Zinke 
Prof. Dr. med. Christoph Fiehn 
Tagungspräsidenten

Sonja Froschauer
Geschäftsführerin