Berufsverband Deutscher Rheumatologen

Positionspapier zur ambulanten rheumatologischen Versorgung veröffentlicht

Tab.: Qualitätsmerkmale ambulanter rheumatologischer Schwerpunktpraxen und Klinikambulanzen zur leitliniengerechten Versorgung in der Rheumatologie (nach Fiehn C et al., ZfR 2020)

Tab.: Qualitätsmerkmale ambulanter rheumatologischer Schwerpunktpraxen und Klinikambulanzen zur leitliniengerechten Versorgung in der Rheumatologie (nach Fiehn C et al., ZfR 2020)

Der Berufsverband Deutscher Rheumatologen e. V. (BDRh) hat ein umfassendes Positionspapier zum Stand, den Zielen und den Qualitätsstandards der ambulanten Versorgung in der Rheumatologie aktuell in der Zeitschrift für Rheumatologie (ZfR) veröffentlicht. Es zeigt unter anderem auf welche Projekte, wie Versorgungsverträge, ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV), Digitalisierung oder die Qualifizierung des Fachpersonals vom BDRh realisiert wurden, um die Versorgung von Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen zu sichern.

„Uns war es wichtig, den Standard einer modernen und leitliniengerechten ambulanten Behandlung in rheumatologischen Praxen und Kliniken zu definieren“, erläuterte Prof. Dr. Christoph Fiehn, Mitglied des Bundesvorstands des BDRh. „Im Vordergrund steht für uns eine hohe Qualität der Versorgung für alle rheumatologischen Patienten durch Früh- bzw. Notfallsprechstunden, Anwendung des Prinzips des Treat-to-target sowie die angemessene Delegation ärztlicher Leistungen.“

Die Sicherung und Verbesserung der Qualität der ambulanten rheumatologischen Behandlung ist eines der Ziele des BDRh. Deshalb engagiert sich der Verband bereits seit Langem in der Weiterentwicklung der rheumatologischen Versorgung, insbesondere durch Versorgungsverträge mit Krankenkassen. „Selektivverträge sind für uns eine wichtige Komponente, da viele Aspekte einer leitliniengerechten Versorgung noch nicht in der Regelversorgung angekommen sind“, ergänzt die Vorstandsvorsitzende Dr. Silke Zinke. „Die Betreuung von Patienten mit rheumatologischen Erkrankungsbildern hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Neben neuen Medikamenten unterstützen klare evidenzbasierte Leitlinien die Arbeit der Rheumatologen. Dadurch ist die Betreuung standardisierter, aber auch komplexer geworden.“ Das Positionspapier, das in der ZfR erschienen ist, adressiert auch die Sicherung des rheumatologischen Nachwuchses. Der BDRh wird sich künftig in diesem Thema noch stärker engagieren.

Eckpunkte des Positionspapiers

Zunächst zum Status quo: Bis Ende 2019 waren 812 ambulant tätige internistische Rheumatologen registriert, darunter 650 ambulant fachärztlich tätige Rheumatologen (370 als Vertragsarzt in Niederlassung, 4 Partnerärzte, 95 Ermächtigte, 134 Angestellte in medizinischen Versorgungszentren und 47 Angestellte in freier Praxis). Hinzu kommen 162 hausärztlich tätige Rheumatologen. Trotz eines leichten Anstiegs (2016 waren es nur 776 ambulant tätige Rheumatologen) hinkt man dem im Memorandum der DGRh von 2016 berechneten Bedarf von 1.350 Rheumatologen immer noch weit hinterher. Am 30. März 2020 waren 321 Weiterbildungsstellen für internistische Rheumatologie bei Ärztekammern gemeldet. Im Jahr 2018 wurde 50-mal die Schwerpunkt- oder Teilgebietsbezeichnung Rheumatologie erworben, ein nur leichter Anstieg gegenüber 
dem Jahr 2016. 

Da ca. ein Drittel der niedergelassenen rheumatologisch tätigen Ärzte 60 Jahre oder älter ist, wird in Bälde eine große Anzahl niedergelassener Rheumatologen in den Ruhestand gehen. Zur Deckung des künftigen Bedarfs ist eine deutliche Erhöhung der Facharztanerkennungen für Rheumatologie pro Jahr ein wichtiges Ziel. Der BDRh engagiert sich daher im Verbund mit der DGRh, den rheumatologischen Nachwuchs zu fördern, beginnend im Medizinstudium, wo derzeit infolge zu weniger rheumatologischer Lehrstühle zu wenig Studierende mit der Rheumatologie in Kontakt kommen bis hin zur Verbesserung der Weiterbildung im Rahmen der Muster-Weiterbildungsordnung. Viel Potenzial zur Entlastung rheumatologisch tätiger Ärzte bietet die Delegation ärztlicher Leistungen an die rheumatologische Fachassistenz (RFA). Bis März 2020 wurden 1.632 Teilnehmer/innen im RFA-Grundkurs weitergebildet. Neu ist seit letztem Jahr ein erweiterter Kurs (RFAplus), der besonders interaktiv und praktisch die in der Delegation tätigen RFA dazu befähigen soll, ausgewählte Tätigkeiten eigenverantwortlichzu übernehmen – bislang nahmen daran 19 RFAs teil.

Für eine zeitgemäße Patientenversorgung auf hohem Qualitätsniveau müssen bestimmte Bedingungen der Prozess- und Strukturqualität in der ambulanten Rheumatologie vorliegen. Neben dem raschen Zugang von akuten Neupatienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist dies noch eine ganze Anzahl von weiteren, teilweise obligaten Merkmalen, die im Positionspapier vom BDRh genauer definiert werden (Tab.). Dazu gehören etwa die Bildgebung (vor allem Sonografie) und die fundierte Beurteilung des Autoimmunlabors. Die eigene Erbringung der Laboruntersuchung wird vielfach vorgenommen und ist ein weiteres optionales Qualitätsmerkmal der ambulanten Rheumatologie. Für die Implementierung der genannten Komponenten der Prozess- und Strukturqualität spielen die regionalen und bundesweiten Versorgungsinitiativen eine wesentliche Rolle. Hierzu zählen seit 2018 die Ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) gemäß § 116 SGB V,  Versorgungsinitiativen gemäß § 140 a SGB V wie seit 2020 RheumaOne (früher TK-BDRh-Arzneimittelvertrag und Versorgungslandschaft Rheuma) und die BV-Verträge Rheuma seit 2015, der Innovationsfonds gemäß § 92a Abs. 1 SGB V mit den Projekten PETRA (seit 2019) und VERhO (seit 2018) sowie Versorgungsverträge nach § 73c SGB V.

Weitere Themen des Positionspapiers sind die Digitalisierung, hier setzt etwa die BDRh-Dokumentationssoftware RheMIT (als Nachfolger von RheumaDok) an, die kinderrheumatologische Versorgung und Schnittstellen zwischen dem ambulanten und stationären Sektor.         

Literatur Fiehn C et al., Z Rheumatol 2020; 
doi: 10.1007/s00393-020-00872-6
 

Kontakt Sonja Froschauer
Geschäftsführerin des BDRh