RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Große Bedeutung der rheumatologischen Fachassistenz

Die prekäre Situation in der Patientenversorgung ist seit Langem bekannt. Zu vielen Patienten stehen zu wenige internistische Rheumatologen gegenüber und trotz der Einrichtung von Früharthritis-Sprechstunden sind vor allem im ländlichen Raum klare Defizite zu verzeichnen. Zur Verbesserung der Situation kann im Einklang mit den EULAR-Empfehlungen die rheumatologische Fachassistenz (RFA) einen wesentlichen Beitrag leisten, ergab die von Kirsten Hoeper, Hannover, vorgestellte ERFASS-Studie. 

Bei ERFASS handelt es sich um eine prospektive, randomisierte, kontrollierte Studie. Im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. August 2018 wurden 236 Patienten mit einer seropositiven RA bei Therapieneueinstellung, -umstellung oder -eskalation in acht Zentren in Deutschland in die Studie eingeschlossen. Die Nachbeobachtung wurde im Dezember 2019 abgeschlossen. In der Interventionsgruppe wurden die Treat-to-Target (T2T)-Visiten im 12-monatigen Follow-up nach 4-6 Wochen sowie zwei von den vier möglichen jährlichen Visiten (Monat 3, 6, 9, 12) von der RFA durchgeführt. Die Dauer des anschließenden Arztkontaktes hing einerseits vom Krankheitszustand und andererseits den Bedürfnissen des Patienten ab. Im Kontrollarm wurden die RA-Patienten ausschließlich von einem Rheumatologen betreut. Die Teilnehmer waren im Schnitt 58 Jahre alt, zu 75 % Frauen und hatten im Mittel seit 130 Monate eine RA. Die Krankheitsaktivität wurde anhand des DAS28-Scores bewertet. Das Ergebnis der Studie: Die strukturierte Delegation von ärztlichen Aufgaben an eine RFA ist dem derzeitigen Versorgungsstandard nicht unterlegen. Während die Krankheitsaktivität für die von RFAs mitbetreute Gruppe bei einem mittleren DAS28 von 2,43 (also im Bereich einer klinischen Remission) lag, betrug er für die durchgehend ärztlich betreute Gruppe 2,29, was kein statistisch signifikanter Unterschied war. Gleiches galt auch für sekundäre Endpunkte wie die gesundheitsspezifische Lebensqualität, körperliche Funktion (FFbH), und Depression (PHQ9). 

Damit konnte auch für Deutschland gezeigt werden, dass eine RFA-Sprechstunde eine sichere Ergänzung der Versorgung der RA-Patienten darstellt.                                     

Quelle: Ann Rheum Dis 2020; 79(Suppl1): 97 (Abstr. OP0154-HPR)