SONDERPROJEKTE DES BDRH

Famulaturprogramm in der Rheumatologie

Dr. med. Silke Zinke

Dr. med. Silke Zinke

Die Zahl internistischer Rheumatologen in Deutschland ist für eine adäquate Versorgung der Patienten nach wie vor zu gering. Nach Bedarfsermittlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) werden bundesweit 1.350 Rheumatologen benötigt. Dem stehen allerdings nur 776 aktive internistische Rheumatologen entgegen (DGRh 2017). Außerdem ist ca. ein Drittel der ambulant tätigen Ärzte 60 Jahre oder älter und benötigen somit in absehbarer Zeit einen Nachfolger (Abfrage 2020).

Zur Verbesserung dieser Versorgungslage hat der BDRh ein Famulaturprogramm ins Leben gerufen. Die 1. Vorsitzende des BDRh, Frau Dr. Silke Zinke, stellt dieses Programm vor. 

Was sind die Ursachen für den aktuellen Mangel an Rheumatologen?

Silke Zinke: Ein zentrales Problem liegt in der mangelnden, beziehungsweise teilweise kaum vorhandenen Vertretung der Rheumatologie in den medizinischen Fakultäten. Dadurch fehlen den Studenten entscheidende Informationen über das Fach, um sich später (bspw. in der Facharztweiterbildung), aber auch schon im Laufe ihres Studiums oder im Zuge der Famulaturen, für das Gebiet der Rheumatologie zu interessieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Silke Zinke: Zielsetzung des Famulaturprogramms ist, die internistische Rheumatologie und insbesondere die niedergelassene Tätigkeit unter den Studierenden bekannter zu machen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, das Fach durch eigene Tätigkeit kennenzulernen und sich dadurch für eine Weiterbildung in der Rheumatologie zu interessieren. Medizinstudenten müssen praktische Erfahrungen durch sogenannte Famulaturen erbringen, insgesamt während des Studiums 4 Monate. Diese Famulaturen gliedern sich in mehrere Teilpraktika. Ein Monat muss in einer ärztlich geleiteten Einrichtung der ambulanten Patientenversorgung abgeleistet werden. Wir wollen durch unser Programm erreichen, dass mehr Studenten ihre Famulatur im Bereich der niedergelassenen Rheumatologie absolvieren und sie sich dadurch auch später für diesen Fachbereich interessieren.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Silke Zinke: Durch verschiedene Marketingmaßnahmen und finanzielle sowie praktische Anreize sollen mehr Studierende einen Teil ihrer Famulatur im Bereich der niedergelassenen Rheumatologie absolvieren. Ihnen soll unter anderem die Möglichkeit zum Sammeln eigener Praxiserfahrungen bei Anamnese, körperlichen Untersuchungen, in Sprechstunden sowie bei verschiedenen Bildgebungsverfahren (Sonografie und optional auch Kapillarmikroskopie) gegeben werden. Außerdem ist die Assistenz bei mehreren Gelenkpunktionen vorgesehen. Nach Beenden der Famulatur soll der Kontakt mit den Famulanten über einen eigenen E-Mail-Verteiler des BDRh sowie des regionalen Rheumazentrums aufrechterhalten werden. Auch sind Mentoringprogramme geplant.

Erhalten teilnehmende Praxen eine Unterstützung?

Silke Zinke: Die teilnehmenden Praxen und Ambulanzen sollen bestmöglich unterstützt werden, da die Anleitung eines Famulanten für die betreuende Einrichtung einen Mehraufwand bedeutet. Hierfür erhalten die Ärzte ein sogenanntes Supportprogramm. Dieses umfasst einen Leitfaden für die Famulatur, nach der sich die Ärzte bei der Weiterbildung richten können, eine Sammlung aller nötigen Antragsformulare, sowie zusätzliche Materialien wie bspw. bereits bestehende Untersuchungsfilme, die von den Weiterbildenden verwendet werden können. Dieses dient der Reduzierung zusätzlicher Arbeit und der Erleichterung in der Umsetzung. Außerdem erhalten teilnehmende Praxen und Ambulanzen einen finanziellen Zuschuss.

Wie können sich interessierte Studenten oder Praxen für das Programm anmelden?

Silke Zinke: Es wird eine Website geben, über die sich Studierende und Praxen anmelden können. Sie werden dort außerdem eine Übersicht bereits teilnehmender Praxen und Ambulanzen finden. Interessierte Studenten haben hier in Zukunft auch die Möglichkeit, per Suchfunktion den perfekten Famulaturplatz in der Nähe ihres Wohnortes zu finden. Eine spezielle Plattform bietet den Erfahrungsaustausch, der Einsicht der Bewertungen von Programmteilnehmern sowie Interviews von teilnehmenden Rheumatologen. 

Auf der Website des BDRh www.bdrh.de finden Sie weitere Informationen, sobald das Projekt voranschreitet.

Falls Sie Fragen haben wenden Sie sich gerne an kontakt(at)bdrh.de.