Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

ePoster: Ausgewählte Highlights vom virtuellen DGRh-Kongress

Im Rahmen des deutschen Rheumatologiekongresses wurden eine Vielzahl originärer Abstracts und Poster präsentiert, auf die hier nur am Rande eingegangen werden soll. Einen guten Überblick bietet die Auswahl der Wissenschaftspreise der DGRh für die besten ePosterpräsentationen in den fachlichen Kategorien der ePosterwalk-Sessions, die hier ebenso wie die wichtigsten Preise und Ehrungen kurz vorgestellt werden.

In der Kategorie „Der besondere Fall“ wurden Samantha Ferdinand, Frankfurt/M., und Kollegen für die Vorstellung des schwierigen Falls einer stationär (zunächst in der Infektiologie) mit stark schmerzenden Hauteffloreszenzen aufgenommenen Patientin mit großen Ulzerationen mit putrider Sekretabsonderung an den Mammae ausgezeichnet. Nach Ausschluss mehrerer Differenzialdiagnosen inklusive eines Malignoms, Hauttuberkulose, Parasitose und Zoonose konnte schließlich eine ANCA-assoziierte Vaskulitis mit Eosinophilie bestätigt werden, die mit Rituximab beherrscht werden konnte (FA.47).

Prämiert in der Kategorie „Diagnostik und Bildgebung“ wurden Michael Czihal, München, und Kollegen für ihre Arbeit zur Kompressionssonografie der Temporalarterien in der Diagnostik der Riesenzell-Arteriitis bei Patienten mit okulären Durchblutungsstörungen. Diese weist bei einem Cut-Off-Wert von 0,7 mm der maximalen Wanddicke der Temporalarterien eine extrem gute Sensitivität von 100 %, jedoch – aufgrund der höheren maximalen Wanddicken bei Männern ≥70 Jahre – nur limitierte Spezifität von 84,5 % (77,3 vs. 92,5 % bei Männern und Frauen) auf (DI.14).

Oliver Hansen, Heidelberg, und Kollegen wurden für ihr ePoster zur SCREENED-Studie im Bereich „Epidemiologie und Versorgungsforschung“ ausgezeichnet. Sie konnten zeigen, dass eine aktenbasierte Triage die Effizienz der hier untersuchten Screeningsprechstunde in der Frühversorgung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen noch weiter zu steigern vermag (EV.09).

Neue Erkenntnisse zur JAK-Inhibition

Im Bereich „Experimentelle und Translationale Rheumatologie“ wurde ein ePoster von Natalie Frede, Freiburg, und Kollegen zu einer Untersuchung ausgezeichnet, die sich mit spezifischen Effekten von fünf verschiedenen Januskinase (JAK)-Inhibitoren auf die Modulation der B-Zell-Aktivierung und -Reifung befasste und Unterschiede zwischen dem Pan-JAK-Hemmer Tofacitinib und JAK-1/2- bzw. präferentiellen JAK-1-Inhibitoren aufzeigte (ET.17).

In der Kategorie „Osteologie und Rheuma-Orthopädie“ prämiert wurde eine Arbeit von Arnd Kleyer, Erlangen, und Kollegen, die sich gleichfalls mit der JAK-Inhibition beschäftigte. Präklinische Untersuchungen zeigen, dass JAK-Inhibitoren wie Baricitinib zur Steigerung der Osteoblastenfunktion und Knochenbildung beitragen könnten, wie eine aktuelle Publikation der Arbeitsgruppe (Sci Transl Med 2020; 12(530): eaay4447) belegt. Die jetzt mithilfe der hochauflösenden CT (HR-pQCT) generierten Daten bei drei mit Baricitinib behandelten Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) unterstreichen den potenziellen Nutzen von JAK-Inhibitoren auf die sekundäre, periphere Osteoporose bei RA-Patienten (OS-RO-01).

Rheumatoide Arthritis und Spondyloarthritiden

Ausgezeichnet in der Kategorie „Rheumatoide Arthritis” wurden Supriya Murthy, Leipzig, und Kollegen, die auf Basis ihrer Untersuchungen ein pathologisch erhöhtes ionisiertes Calcium (in der Synovialflüssigkeit von RA-Patienten) als Treiber der Inflammation bei RA über eine durch den Calcium-sensitiven Rezeptor vermittelte Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms vorschlagen (RA.48).

Von potenziell unmittelbarer Relevanz ist das in der Fachkategorie „Spondyloarthritiden“ ausgezeichnete ePoster von Uta Klitz, Herne, und Kollegen, die in einer Proof-of-Concept-Studie prüften, ob im Management von Patienten mit einer axialen Spondyloarthritis (axSpA) die Selbstüberwachung mit einer Smartphone-App machbar ist. Ergebnis: Die Mehrheit der Patienten konnten die App nutzen, jedoch nur etwas mehr als die Hälfte übermittelten auch regelmäßig Daten zu Krankheitsaktivität (BASDAI) und körperlicher Funktionsfähigkeit (BASFI). Eine höhere Krankheitsaktivität und damit einhergehende Therapieanpassung scheint die Häufigkeit der Übermittlung positiv zu beeinflussen (SpA.01).

Systemischer Lupus erythematodes im Fokus

Keine Überraschung gab es im Bereich „Vaskulitiden und Kollagenosen“, wo ein ePoster von Lennard Ostendorf, Berlin, und Kollegen zu CD38 als neuem therapeutischen Angriffspunkt zur Depletion langlebiger Plasmazellen bei refraktärem systemischem Lupus erythematodes (SLE) ausgewählt wurde. Die Arbeit wurde kurz nach dem Kongress hochrangig publiziert (N Engl J Med 2020; 383(12): 1149-1155). Bei zwei Patienten mit einem lebensbedrohlichen, refraktären SLE wurden 4-wöchentliche Infusionen (16 mg/kg) des beim multiplen Myelom zugelassenen monoklonalen Anti-CD38-Antikörpers Daratumumab erprobt. Bei einer 50-jährigen Patientin mit schwerer Lupusnephritis (Klasse II/IV) mit nephrotischem Syndrom, Perikarditis, Arthritis und Hautbefall normalisierten sich die eGFR und Proteinurie unter Daratumumab binnen drei Monaten und die anderen Symptome verschwanden vollständig.

Bei einer 32-jährigen Patientin mit transfusions-abhängiger autoimmuner hämolytischer Anämie, Immunthrombozytopenie (ITP) und kutaner Vaskulitis kam es innerhalb von zwei Monaten zur Normalisierung des Coombs-Test mit konsekutiver Erholung der hämolytischen Anämie und kompletten Resolution der ITP und kutanen Vaskulitis. Die Therapie wurde gut vertragen und ging auch mit einem serologischen Ansprechen einher, CD38 dürfte daher bei SLE jetzt vermehrt ins Blickfeld der Rheumatologen geraten (VK.33).

Nebenwirkungen der Immun-Checkpoint-Inhibition

In der letzten Kategorie „Verschiedenes“ wurde das ePoster zur Charakterisierung und Behandlung von rheumatischen immun-assoziierten unerwünschten Ereignissen (irAEs) unter einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) von Jan Leipe, Mannheim, und Kollegen prämiert. In die Beobachtungsstudie gingen sechs Patienten ein, die nach median 34 Wochen ein rheumatisches irAE entwickelten. In vier Fällen fand sich eine Arthritis (1x Mono-, 2x Oligo- und 2x RA-artige Polyarthritis), in zweien eine neue Psoriasis-Arthritis (1x sich atypisch mit atlantodentaler Synovitis präsentierend), fünf hatten zusätzlich eine Sicca-Symptomatik. Bei allen Patienten gelang eine Symptomkontrolle mit einer Step-up-Therapie mit NSAR und Glukokortikoiden, nur in einem Falls musste auf Methotrexat (nicht aber ein bDMARD) eskaliert werden (VS.21).