Rückblick auf den virtuellen DGRh-Kongress 2020

Deutsche Rheumatologie trotzt Corona-Situation

Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops

Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops

Trotz der erschwerten Bedingungen in Zeiten von COVID-19 kann der erste virtuelle, gemeinschaftlich ausgetragene 48. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und die 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) vom 9.-12. September 2020 mit gut 2.500 Teilnehmern als ein großer Erfolg für die deutsche Rheumatologie verbucht werden. Programmatisch gab es im Hinblick auf die Zahl der Vorträge und Abstracts bzw. E-Poster kaum Abstriche gegenüber dem Vorjahr und die Technik funktionierte dank der guten Vorarbeit aller Beteiligter im Wesentlichen reibungsfrei. Insbesondere der Rheumaakademie und DGRh-Geschäftsstelle sei hier ein großer Dank ausgesprochen!

Die großen Fortschritte in der Rheumatologie ließen sich bereits am ersten Symposium „Highlights of the year“ festmachen, in dem Prof. Dr. Harald Louis Burckhardt, Frankfurt/M., einen Überblick über die wichtigsten neuen Studien seit dem vergangenen DGRh-Kongress in Dresden gab. Auch neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung machen Mut auf eine künftig noch individuellere Behandlung von Rheumapatienten. Direkt danach folgte die spannende COVID-19-Session mit aktuellen Erkenntnissen nicht nur aus dem deutschen Register. In diesem Kontext von großer Relevanz war auch die Fishbowl-Diskussion zu den Auswirkungen des Internets auf die Arzt-Patienten-Beziehung. Auch die potenzielle Rolle der künstlichen Intelligenz und „machine learning“ in der Rheumatologie wurde behandelt.  
   
Bei der bei rheumatoiden Arthritis (RA) wurden auf einer WIN-Session neue Erkenntnisse zu deren Management und potenzielle neue Therapieoptionen thematisiert. Im Fokus mehrerer Sitzungen standen die Effektivität und Sicherheit von JAK-Inhibitoren, mit Filgotinib wurde nach dem Kongress das vierte dieser tsDMARDs zugelassen. 

Einen Fortschritt stellt auch die Zulassung der IL-17A-Inhibitoren Secukinumab und Ixekizumab für die Therapie der nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis (SpA) dar. Bei Psoriasis-Arthritis (PsA) ist in Kürze mit der Zulassung des IL-23-Inhibitors Guselkumab zu rechnen, der sich – etwas überraschend – auch bei axialer SpA als potenziell wirksam erwies, was auf Unterschiede zwischen axialer PsA und SpA hinweist. 

Auf großes Interesse stießen weitere HOT/WIN-Sessions, so etwa zu Großgefäßvaskulitiden (Riesenzell- und Takayasu-Arteriitis), für die unter Federführung der DGRh erstmals eine S2k-Leitlinie erstellt wurde, und zu ANCA-Vaskulitiden, wo der C5a-Rezeptorinhibitor Avacopan in der Remissionsinduktion künftig eine mindestens ebenso wirksame Alternative zu Steroiden bieten könnte. 

Kollagenosen, hier insbesondere die systemische Sklerose (SSc), bildeten einen weiteren Schwerpunkt. Mit Nintedanib wurde für SSc-assoziierte interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) und generell bei progredient fibrosierenden ILDs (so auch bei RA-ILD) erstmals ein „small molecule“ (hier ein Tyrosinkinase-Inhibitor) mit antifibrotischer Wirksamkeit zugelassen. Etwas ruhiger war es um den systemische Lupus erythematodes (SLE), wo der künftige Stellenwert (eine Zulassung vorausgesetzt) des Typ-1-IFN-Rezeptorinhibitors Anifrolumab  noch unklar ist. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die „interdisziplinäre Rheumatologie“ mit Themen wie Osteoporose, Periodische Fiebersyndrome, Antiphospholipidsyndrom, Off-label-Therapien bzw. Orphan Drugs, Prävention sowie Rheuma und Lunge. Im Themenspektrum der „experimentellen Rheumatologie“ seien insbesondere neue Erkenntnisse zur Autoimmunität hervorgehoben. In der orthopädischen Rheumatologie wurden das rebellische Gelenk, das Thema Gelenkersatz vs. Gelenkerhalt und das perioperative medikamentöse Management diskutiert. 

Auf ein Wiedersehen bei der DGRh-Jahrestagung vom 15.-18. September 2021 – hoffentlich wieder wie gewohnt als Präsenzveranstaltung in Nürnberg!     

Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops
Kongresspräsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. 
Klinikum der Universität München
Med. Klinik und Poliklinik IV
Bereichsleiter Rheumaeinheit
Pettenkoferstr. 8a, 80336 München