Rheumatoide Arthritis

SEMIRA-Studie: Steroidabbau oft machbar

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) werden Glukokortikoide (GK) selbst nach sich einstellendem Therapieerfolg beibehalten – oft mit negativen Langzeitfolgen. Nachdem es bisher kaum kontrollierte Studien zum GK-Abbau gab, veröffentlichten nun Gerd-Rüdiger Burmester, Berlin, und internationale Kollegen die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden SEMIRA-Studie, in der nach Erreichen einer niedrigen Krankheitsaktivität oder Remission unter Tocilizumab mit oder ohne csDMARDs das Beibehalten mit dem kontrollierten Absetzen oraler GK verglichen wurde. 

In die SEMIRA-Studie waren 259 erwachsene RA-Patienten (77 % Frauen) eingeschlossen worden, die unter dem Interleukin (IL)-6-Rezeptorinhibitor Tocilizumab und 5-15 mg/Tag GK (5 mg Prednison für ≥4 Wochen) für 24 Wochen eine stabile niedrige Krankheitsaktivität (DAS28-ESR ≤3,2 für 4-6 Wochen vor und am Tag der Randomisierung) erreicht hatten. Die Patienten wurden 1:1 auf die Fortsetzung von Prednison 5 mg/Tag für 24 Wochen oder ein Tapering von Prednison auf 0 mg in Woche 16 randomisiert. Alle Teilnehmer erhielten weiter Tocilizumab 162 mg s.c./Woche oder 8 mg/kg i.v. alle 4 Wochen mit oder ohne csDMARDs in stabiler Dosierung in der 24-wöchigen Studie. Primärer Endpunkt war die Differenz im mittleren DAS28-ESR von Baseline bis Woche 24, wobei ein Δ>0,6 zwischen beiden Armen als klinisch relevant eingestuft wurde.    

Im Ergebnis erwies sich die Fortführung (5 mg/Tag) dem graduellen Ausschleichen von Prednison mit einem ΔDAS28-ESR von Baseline bis Woche 24 von 0,54 versus −0,08 (Δ0,61; p<0,0001) als signifikant überlegen. Die Therapie wurde als Erfolg gewertet (definiert als eine niedrige Krankheitsaktivität gemäß DAS in Woche 24 plus kein RA-Schub für 24 Wochen und keine bestätigte Nebenniereninsuffizienz) bei 77 vs. 65 % der Patienten im Fortführungs- gegenüber dem Tapering-Arm (relatives Risiko 0,83; 95% KI 0,71-0,97). Zu schweren unerwünschten Ereignissen kam es bei 3 vs. 5 % der Teilnehmer. Trotz des besseren Abschneidens der Fortführung von 5 mg/Tag Prednison bleibt somit dennoch festzuhalten, dass dieses bei zwei Drittel der Patienten sicher und ohne relevante Wirkeinbuße entzogen werden konnte. 

Quelle: Lancet 2020; 396(10246): 267-276