Niedrig dosiertes ASS erhöht Risiko für Gichtanfälle

In einer aktuellen Studie untersuchten US-amerikanische Epidemiologen um Yuqing Zhang, Boston, ob und in welchem Ausmaß bei Gichtpatienten ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) und einem erhöhten Risiko für wiederkehrende Gichtanfälle besteht. Den Daten zufolge steigert insbesondere niedrig dosiertes ASS zur kardiovaskulären Prävention dieses Risiko ganz erheblich.

In die online durchgeführte Fall-Crossover-Studie wur-
den 724 Patienten mit Gicht eingeschlossen. Die Teilnehmer füllten ein Jahr lang in dreimonatigem Abstand und jedes Mal nach einer Gichtattacke einen Fragebogen aus, in dem Informationen zum Zeitpunkt des Gichtanfalls zu Symptomen und deren Ausprägung, der bestehenden medikamentösen Therapie und potentiellen Risikofaktoren für Gichtattacken, wie z. B. der kontinuierlichen Einnahme von ASS und dessen Dosierung abgefragt wurden. Von besonderem Interesse waren hierbei die beiden Tage vor der Gichtattacke respektive die entsprechende Kontrolltage in der Zeit ohne Anfall. Es konnten über 1.000 Gichtanfälle ausgewertet werden. Insgesamt nahmen 43,5 % der Studienteilnehmer ASS in unterschiedlichen Dosierungen ein. In 98,5 % der Fälle betrug die Dosis weniger als 1.000 mg/Tag, bei 40,5 % der Probanden waren es maximal 325 mg/Tag und bei 23,1 %
bis zu 80 mg/Tag.

Bei Prävention mit ASS immer auch harnsäuresenkende Therapie

Insbesondere bei der Zufuhr von ASS in niedriger Dosierung erhöhte sich das Risiko für einen Gichtanfall in erheblichem Maße. So erhöhte in einer adjustierten Analyse die Einnahme von niedrig dosiertem ASS in einer Dosierung von £325 mg/Tag an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Vergleich zur Nicht-Einnahme von ASS an diesen beiden Tagen die Wahrscheinlichkeit für einen Gichtanfall um 81 % (Odds ratio, OR 1,81). Noch ausgeprägter war die entsprechende Risikoerhöhung mit 91 % bei ASS in einer Dosierung von £100 mg/Tag, wie typischerweise zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse eingesetzt (OR 1,91).

Geringer waren die Unterschiede zwischen der Einnahme oder Nicht-Einnahme von ASS an den beiden Folgetagen in einem Dosierungsbereich von 101 bis 500 mg/Tag mit einem Risikoanstieg um 64 % (OR 1,64) und vor allem bei Dosierungen zwischen 501 und 999 mg/Tag, wodurch sich das Risiko für eine Gichtattacke um 55 % erhöhte (OR 1,55). Zusätzlich zu ASS führten eine purinreiche Ernährung und die gleichzeitige Einnahme von Diuretika zu einer weiteren Erhöhung dieses Risikos. Unter einer begleitenden harnsäuresenkenden Therapie mit Allopurinol wurden die negativen ASS-Effekte erwartungsgemäß nicht dokumentiert. Die gefundenen Assoziationen zwischen ASS – erklärbar durch dessen dosisabhängige Beeinflussung des renalen Harnsäuretransports über URAT1 – und dem Risiko für Gichtanfälle zeigten sich übereinstimmend in allen daraufhin analysierten Subgruppen (Geschlecht, Alter, BMI und eingeschränkte Nierenfunktion).                                                       

Kompakt: Insgesamt erhöht ASS bei Gichtpatienten vor allem in niedriger Dosierung das Risiko für Gichtanfälle. Da Gicht jedoch zusätzlich das kardiovaskuläre Risiko erhöht, kann und sollte auf eine Prävention mit ASS nicht verzichtet werden, zumal sich dessen negative Effekte durch eine ohnehin indizierte harnsäuresenkende Therapie vermeiden lassen. Die Autoren betonen in diesem Zusammenhang erneut die Notwenigkeit einer engmaschigen Kontrolle des Serumharnsäure-Spiegels, an der es in der Praxis mitunter noch hapert.

Quelle: Ann Rheum Dis 2013; doi:10.1136/annrheumdis-2012-202589