Osteoporose

Neue Therapien auf dem Vormarsch

In die medikamentöse Behandlung der Osteoporose kommt immer mehr Bewegung, was sich auch an der kürzlich finalisierten, neuen DVO-Leitlinie 2014 ablesen lässt. Nachdem in dieser mit Denosumab ein erster Antikörper reüssiert, klopfen jetzt zwei weitere Therapiekandidaten an die Tür. So liegen aus Phase-II auch im Vergleich zu Teriparatid überzeugende Daten für den Sclerostin-Antikörper Romosozumab zur Steigerung der Knochendichte vor – auf die Frakturdaten aus Phase-III kann man sehr gespannt sein. Bereits weiter ist der hochspezifische, 1x wöchentlich oral applizierbare Cathepsin K-Inhibitor Odanacatib, zu dem auf dem ABMSR-Kongress 2014 Phase-III-Daten vorgestellt wurden, die eine starke Frakturreduktion zeigen, jedoch noch Anlass zur Diskussion des Sicherheitsprofils geben werden.

In dem noch andauernden doppeblinden, placebokontrollierten Long-Term Odanacatib Fracture Trial (LOFT) wurden in 40 Ländern 16.713 postmenopausale Frauen ≥65 Jahre mit einer gesicherten Osteoporose eingeschlossen und zusätzlich zu einer Calcium/Vitamin D3-Supplementation auf Placebo oder 1x wöchentlich Odanacatib randomisiert.

Überaus effektive Frakturreduktion unter Odanacatib

Nach einem durchschnittlichen Follow-up von 34 Monaten erreichte Odanacatib versus Placebo in der Ereignis-gesteuerten LOFT-Studie alle primären Endpunkte: eine relative Risikoreduktion neuer oder sich verschlechternder morphometrischer vertebraler Frakturen um 54 %, für Hüftfrakturen um 47 %, für nichtvertebrale Frakturen um 23 % und vertebrale Frakturen um 72% (je p<0,001). Bei der Vorstellung der Ergebnisse merkte Michael McClung, Portland (USA), an, dass die Senkung der Rate vertebraler Frakturen bereits nach sechs Monaten ersichtlich war, während dies bei den nicht-vertebralen Frakturen etwas später der Fall war und die Therapiedauer stark mit dem Ausmaß der Frakturreduktion korrelierte.

Wie zuvor in Phase-II-Studien wurde nach fünf Jahren gegenüber Placebo ein progressiver Anstieg der Knochendichte (BMD) um 11,2 % an der Lendenwirbelsäule (LWS) und um 9,5 % für die Gesamthüfte gesehen (je p<0,001). Bei Biomarkern des Knochenumsatzes kam es zu einer raschen und signifikanten Reduktion der NTx-Werte, die über den Verlauf der Studie hinweg persistierte, während sP1NP zu Beginn der Studie moderat abnahm und dann nach vier Jahren wieder auf dem Niveau zu Baseline war.

Während keine Fälle einer Kieferosteonekrose berichtet wurden, kam es unter Odanacatib in insgesamt fünf Fällen zu einer atypischen Femurfraktur, entsprechend einer Inzidenz von 0,1 % im Vergleich zu keinem Fall in der Placebogruppe. Wie Socrates Papapoulos, Leiden (Niederlande), bei der Präsentation der Sicherheitsdaten aus LOFT erläuterte, handelte es sich bei den beobachteten atypischen Frakturen im Gegensatz zu Bisphosphonaten aber nicht um spontane Frakturen, sondern um solche, die unabhängig von der Therapiedauer vor allem bei Patienten mit sehr schwerer Osteoporose mit einem mittleren T-Score von -4,4 bzw. -3,2 an LWS respektive Oberschenkelhals auftraten.

Sicherheitsaspekte im Fokus

Relevanter dürfte eine leichte, aber jeweils nicht signifikante Erhöhung des kardiovaskulären Risikos unter Odanacatib sein, mit etwas häufigerem Vorhofflimmern (92 vs. 80 Fälle), schweren kardiovaskulären Ereignissen (Hazard ratio, HR 1,12), Schlaganfall (HR 1,28) zerebrovaskulären Ereignissen (HR 1,06) und Tod (HR 1,13). Leicht gehäuft traten unter Odanacatib mit 12 vs. 3 Fällen – bei Absetzen allerdings reversible – Sklerodermie-artige Hautverdickungen auf mit einer jedoch sehr geringen Inzidenz von <0,1 %. Keine relevanten Unterschiede zeigten sich in puncto Sklerose, schweren Infektionen der Atemwege oder einer verzögerten Frakturheilung.

Kompakt: Im Ergebnis bietet das stark die Frakturate reduzierende Odanacatib die Chance, die Therapie der Osteoporose deutlich zu verbessern, zumal es im Gegensatz zu anderen oralen Antiresorptiva nicht zugleich die Knochenneubildung hemmt – zu klären ist aber noch die langfristige kardiovaskuläre Sicherheit.

Quelle: ABMSR Annual Meeting, Houston (USA), 12.-15. September 2014; Abstr. #1147, #1148