Nach Herzinfarkt ist besondere Aufmerksamkeit gefragt

Das über die systemische Inflammation im Rahmen einer RA vermittelte erhöhte Risiko für einen Myokardinfarkt (MI) ist wohl bekannt, weniger gut erfasst ist hingegen das Langzeitergebnis von RA-Patienten nach einem akuten MI. Mehr Licht ins Dunkel brachten nun finnische Experten um Antti Palomäki, Turku, die anhand der Analyse einer nationalen Fall-Kontroll-Registerstudie nachwiesen, dass in einem solchen Patientenkollektiv besondere Vorsicht angebracht ist.

In der retrospektiven Kohortenstudie wurden MI-Patienten mit RA (n=1.614, im Mittel 74 Jahre) mit im Verhältnis 1:5 Propensity-Score gematchten MI-Patienten ohne RA (n= 8.070) verglichen und auch der Einfluss der Krankheitsdauer sowie von Glukokortikoiden (GK) und DMARDs bei RA-Patienten ins Kalkül gezogen. Das mediane Follow-up betrug 7,3 Jahre.

Das Vorliegen einer RA war mit einem signifikant erhöhten 14-Jahres-Mortalitätsrisiko nach MI im Vergleich zu Patienten ohne RA assoziiert (80,4 vs. 72,3 %; Hazard ratio, HR 1,25; p<0,0001). Auch hatten RA-Patienten nach dem Indexereignis ein im Vergleich signifikant höheres Risiko für einen Reinfarkt (HR 1,22; p=0,0001) und eine erforderliche Revaskularisation (HR 1,28; p=0,002), während sich die kumulative Schlaganfallrate nicht unterschied (p=0,322). Die RA-Krankheitsdauer und Einnahme von GK vor dem MI, aber nicht von Methotrexat (MTX) oder bDMARDs, waren unabhängig mit einer höheren Mortalität (p<0,001) und einem erneuten MI (p=0,009) assoziiert. 

Eine höhere GK-Dosierung vor dem MI war zudem unabhängig mit einer erhöhten Langzeitmortalität assoziiert (p=0,002), für MTX fand sich ein Signal für eine geringere Schlaganfallrate (p=0,034). Der serologische Status der RA-Patienten war nicht mit dem kardiovaskulären Langzeitergebnis assoziiert. 

Als Fazit bleibt somit, dass die RA mit einer schlechteren Prognose nach MI verbunden ist. Krankheitsdauer und GK (sowie deren Dosis) waren Prädiktoren der Mortalität bei RA-Patienten nach stattgehabtem MI. Für diese vulnerable Gruppe bedarf es daher spezieller Therapiekonzepte, um die Sterblichkeit und das kardiovaskuläre Folgerisiko zu minimieren.

Quelle: Rheumatology 2021; doi: 10.1093/rheumatology/keab204