RHEUMATOIDE ARTHRITIS

Das Risiko für schwere Infektionen im Vergleich

Bislang gibt es speziell im Verordnungsalltag wenig Evidenz bezüglich des Risikos für schwere, hospitalisierungspflichtige Infektionen nach Beginn einer Therapie mit dem JAK-Inhibitor Tofacitinib im Vergleich zu den derzeit sieben verfügbaren bDMARDs bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA). US-amerikanische Experten um Seoyoung C. Kim, Boston, führten zur besseren Einschätzung der Risikokonstellation eine auf mehreren Datenbanken basierende Kohortenstudie durch, die diesbezüglich nur ein gering erhöhtes relatives Risiko für Tofacitinib aufzeigte. 

In der Kohortenstudie wurden acht RA-Patientengruppen mit de-novo-Einstellung auf Tofacitinib, fünf TNFα-Inhibitoren, Tocilizumab und Abatacept aus öffentlichen (Medicare 2012–2015) und privaten (Optum Clinformatics 2012–2018 und IBM MarketScan 2012–2017) US-amerikanischen Krankenversicherungen identifiziert. Die Patienten mussten >18 Jahre und >1x stationär aufgenommen oder 2x ambulant (in Abstand von 7-365 Tagen) mit einer RA-Diagnose gemäß ICD-9 oder -10 registriert worden sein. Der primäre Komposit-Endpunkt war als Krankenhausaufnahme aufgrund einer schweren Infektion (bakteriell, viral oder opportunistisch) definiert, sekundäre Endpunkte waren individuelle Arten schwerer Infektionen und Herpes zoster. Es wurde mittels Propensity Score auf über 60 potenzielle Einflussfaktoren adjustiert und daraus die Hazard ratio‘s (adj. HRs) berechnet. 

Die drei Datenbanken schlossen 130.718 RA-Patienten ein. Im Verlauf eines Follow-up über 100.790 Personenjahre (PJ) wurden 3.140 schwere Infektionen verzeichnet, entsprechend einer Inzidenzrate von 3,12/100 PJ. Das adjustierte Risiko für mit Tofacitinib assoziierte schwere Infektionen war höher im Vergleich zu Etanercept (adj. HR 1,41; 95% KI 1,15-1,73), Golimumab (adj. HR 1,23; 95% KI 0,94-1,62), Abatacept (adj. HR 1,20; 95% KI 0,97-1,49) und Tocilizumab (adj. HR 1,17; 95% KI 0,89-1,53), auf etwa dem gleichen Niveau wie für Adalimumab (adj. HR 1,06; 95% KI 0,87–1,30) und Certolizumab (adj. HR 1,02; 95% KI 0,80-1,29), aber geringer gegenüber Infliximab (adj. HR 0,81; 95% KI 0,65-1,00). Tofacitinib war mit einem 2-fach höheren Herpes zoster-Risiko im Vergleich zu allen bDMARDs assoziiert.

Somit ergeben sich potenzielle Differenzen im Risikoprofil von Tofacitinib im Vergleich zu den einzelnen bDMARDs, gegenüber der Gesamtgruppe sind sie mit Ausnahme von Herpes zoster allerdings eher gering.        

Quelle: Lancet Rheumatol 2020; 2(2): e84-e98